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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

Antike Philosophie und Christentum. 
79 
von Kräften, das von der göttlichen Centralkraft, der Vernunft, bewegt wird, Auch im 
Menschen lebt das göttliche Gesetz, die naturgesetzliche Vernunst, die ihn zur Gemeinschaft 
ührt, die das menschliche Handeln und die Gesellschaft regiert. Im Anfange bestand 
ein goldenes Zeitalter, das währte, so lange das reine Naturgesetz herrschte; aber auch 
spaͤter ist das Raturrecht neben den falschen positiven Gesetzen vorhanden; die menschlichen 
Satzungen müssen nur wieder in Übereinstimmung mit dem Naturgesetz gebracht werden: 
das wird der Fall sein, wenn alle Leidenschaften von der Vernunft gezähmt sind, 
wenn alle Menschen einen Staat ausmachen, in dem die Einzelstaaten enthalten sind, 
wie die Häuser in einer Stadt. Mag ein stoischer Kaiser, wie Mark Aurel, den mensch— 
lichen Trieb nach Gemeinschaft und das Vernünftige der Staatseinrichtungen betont 
haben, mögen die von der Stoa beherrschten römischen Juristen für das Verständnis 
iner festgefügten herrschaftlichen Staatsordnung energisch gewirkt haben, das welt⸗ 
bürgerlich-quietistisch-brüberliche, gesellschaftliche Ideal der entsagenden, den Selbstmord 
verherrlichenden Stoiker blieb jene Weltgemeinschaft Zenos „ohne Ehe, ohne Familie, 
ohne Tempel, ohne Gerichtshöse, ohne Gymnafien, ohne Münze“, d. h. ein unrealisier— 
barer Traum, aus dem keine praktische Kraft des Schaffens und keine lebenskräftige 
Theorie erwachsen konnte. 
36. Das Christentum. Der Neuplatonismus rückte die sinnliche Welt noch 
eine Stufe tiefer als die Stoa; er sah im Körper das Gefängnis der Seele, im Tode 
die Befreiung von Sünde und Zeitlichkeit. Die christliche Erlösungslehre liegt in der— 
selben Richtung. Die Wiedervereinigung mit Gott, die Erlösung von Sünde und Welt 
ist das Ziel, das alles irdische Thun als eine kurze Vorbereitungszeit fürs Jenfeits 
erscheinen läßt; je mehr der Mensch den irdischen Genüssen und Guͤtern entsagt, desto 
besser hat er seine Tage benützt. Stoa, Neuplatonismus und Christentum sind Stufen 
derselben Leiter, sind die notwendigen Endergebnisse eines geistig-fittlichen Prozesses, der 
nus dem Zusammenbruch der antiken Kultur zum Höhepunkt des religiös⸗sittlichen 
debens der Menschheit führt. Nur aus der Stimmung der Verzweiflung an Welt und 
irdischem Dasein heraus konnte jene christliche Sehnsucht nach Gott und Erldsung ent⸗ 
stehen, welche eine Anspannung der sittlichen Kraͤfte und sympathischen Gefühle ohne 
Gleichen jür Jahrtausende und damit für die ganze Zukunft eine neue moralische und 
gesellschaftliche Welt erzeugte. 
Freilich war es nur in den langen Jahrhunderten des Niederganges der alten 
wirtschaftlichen Kultur und der vorherrschenden Naturalwirtschaft des älteren Mittelalters 
nöglich, daß Weltflucht fast noch mehr als brüderliche Liebe, Ertötung der Sinne und 
beschaulicher Quietismus als höchste Ideale galten, daß man Arbeit und Eigentum 
wesentlich als Fluch der Sünde betrachtete, daß man den Gelderwerb überwiegend als 
Wucher brandmarkte, ein Almosengeben um jeden Preis, ohne Uberlegung des Erfolges, 
empfehlen konnte. Es ist heute leicht, die Überspanntheit und Unausführbarkeit vieler 
praktischer Forderungen des mittelalterlich-asketischen Christentums nachzuweisen; noch 
leichter zu jeigen, daß ein irdischer Gottesstaat im Sinne Augustins auch der Welt⸗ 
herrschast und dem Millionenreichtume der römischen Kirche durchzusühren unmöglich war. 
Die vollständige Weltflucht und die Indifferenz gegen alles Irdische artete in trägen 
Quietismus, in falsches Urteil über Arbeit und Besitz, in Zerstörung der Gesundheit, die 
überspannung der Brüderlichkeit in kommunistische Lehren, in Verurkeilung aller höheren 
Wirtjschaftsformen und Auflbösung der Gesellschaft aus. Aber ebenso sicher ist, daß diese 
Finseitigkeiten notwendige Begleiterscheinungen jenes moralischen Idealismus waren, der 
vie ein Sauerteig die Völker des Abendlandes ergriff und emporhob. Es entstand mit 
dieser christlichen Hingabe an Gott, mit diesen Hoffnungen auf Unsterblichkeit und ewige 
Seligkeit ein Gottvertrauen und, eine Selbstbeherrschung, die bis zum moralischen 
Heroismus ging; eine Seelenreinheit und Selbstlosigkeit, ein Sich-Opfern für ideale Zwecke 
durde möglich, wie man es früher nicht gekannt. Die Idee der brüderlichen Liebe, 
der Nächsten- und Menschenliebe begann alle Lebensverhältnisse zu durchdringen und 
erzeugte eine Erweichung des harten Eigentumsbegriffes, einen Sieg der gesellschaftlichen 
ud Gattungsintereffen über die egoistischen Individual-, Klassen- und Nationalinteressen,
	        

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