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Völkerrecht und Landesrecht

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Bibliographic data

fullscreen: Völkerrecht und Landesrecht

Monograph

Identifikator:
189206295X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-239471
Document type:
Monograph
Author:
Triepel, Heinrich http://d-nb.info/gnd/117417920
Title:
Völkerrecht und Landesrecht
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
Mohr Siebeck
Year of publication:
1907
Scope:
XII, 452 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Völkerrecht und Landesrecht
  • Title page
  • Contents
  • Erstes Kapitel. Völkerrecht und Landesrecht als Gegensätze
  • Zweites Kapitel. Das Verhältniss der Rechtssätze
  • Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
  • Sachregister

Full text

268 
Nun treten die Ermächtigungen zu staatlicher Rechtsetzung 
aus Gründen, die wir alsbald näher erörtern werden, beträchtlich 
hinter die Gebote und Verbote zurück. Die völkerrechtliche 
Pflicht des Staates, Recht zu setzen oder die Rechtsetzung zu 
unterlassen, ist das weitaus Bedeutsamste, womit wir uns im 
Folgenden zu beschäftigen haben. Bedentsam aber nach mehreren 
Seiten, 
Wir sehen hier den Staat gebunden an einer Stelle, wo wir 
ihn sonst ohne Ausnahme als frei zu betrachten gewöhnt sind. 
Die Gesetzgebung des isolirten Staates, die Quelle aller recht- 
lichen Pflichten, auch derer, die wir Staatspflichten nennen, sonst 
nur Aufgabe, nicht Pflicht des Staates, sie wird im Rahmen einer 
den Staat überspannenden, internationalen Rechtsordnung zum 
Gegenstande seiner Pflicht. Gewiss —, wir sprechen auch im 
Hinblick auf den isolirten Staat zuweilen von „gebundener Ge- 
setzgebung‘“. !) Aber diese Gebundenheit ist keine rechtliche. 
Auch die Verfassungsklauseln, die in imperativischer Wendung den 
Erlass künftiger Gesetze in Aussicht nehmen, begründen ‚keine 
rechtliche Pflicht des Staates zur Gesetzgebung. Nicht deshalb 
nicht, weil der Staat sich nicht selbst zu verpflichten vermöchte ; 
wir haben oben gesehen, in welchem Sinne das sehr wohl ge- 
schehen kann. Aber jede Selbstverpflichtung des Staats setzt 
ein zweites Subjekt voraus, dem er sich verpflichtet. Verpflichteter 
und Berechtigter können nicht ein und dieselbe Person sein. Wer 
sollte aber innerhalb des Staats ein Recht haben, vom Staate 
die Vornahme der Gesetzgebung zu verlangen? Der einzelne 
Unterthan? Oder alle? Die angebliche Pflicht des Staats zur 
Gesetzgebung, die aus jenen Verfassungssätzen folgen soll, ent- 
puppt sich vielmehr bei näherem Zusehen als Pflicht der Träger 
einzelner Staatsämter (Amt im weitesten Sinne des Worts ge- 
nommen), Gesetze zu geben oder bei ihrem Erlasse mitzuwirken; 
die „Staatswillensfaktoren“ sind die Verpflichteten, der Staat ist 
hier gerade der Berechtigte?), — wenn nicht etwa die frag- 
1) 8. z. Folgenden namentlich v. Martitz, Zeitschr. f. d. ges. Staats- 
wissensch. XXXVI S. 259#.; Eisele, Archiv f. d. civilist. Praxis LXIX 
S. 283 .; Jellinek, Gesetz un. Verordnung S. 261ff.: System d. subj. öff. 
Rechte 8. 92, 
2) Man würde sich natürlich im Kreise bewegen, wolite man etwa sagen: 
die Staatsorgane sind ja der Staat, folglich heisst sie verpflichten den Staat
	        

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Völkerrecht Und Landesrecht. Mohr Siebeck, 1907.
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