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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Öffentliches Recht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

518 
IV. Offentliches Recht. 
einerseits, die „Gesetzgebung“ andererseits, zugesprochen wird, indes die vollziehende 
und, richterliche Tätigkeit nach Maßgabe der Reichsgesebe und üunte— der Aufsicht des 
Reiches den Einzelstaaten verbleibt. 
Der — nicht völlig unbestrittene (vgl. einerseits Haenel a. a. O. S. 227 ff. 
andererseits Zorn, Staatsr. J 113, 114) — Sinn des Art. 4 R.V. ist also der, daß 
die Zuständigkeit des Reiches matexiell quf den Kreis der in Art. 4 Ziff. 1216 
aufgezählten Angelegenheiten und innerhalb dieses Kreises wiederum WQMelI auf die 
Funktionen der gese ebexischen Regulierung und der Aufsichtsfuhrung deschrankt ist. 
Diese en Regel wird durch eine anderwetteAlgemeine Vor— 
schrift der R.V. er gänzt, sodann aber durch zahlreiche spezielle Normen der RðV. 
und materiell verfassungsaͤndernde Reichsgesetze durchbrochen. Die ergänzende Klausel 
ist Art. 7 Ziff. 2 RV., welche der Reichsgewalt“ und zwar dem Bundesrate, die 
Beschlußfassung „über die zur Ausführung der Reichsgesetze erforderlichen allgemeinen 
Verwaltungsvorschriften und Einrichtungen“, m. a. Wdag gesamte Vollzugs- oder 
Ausführungsverordnungsrecht (j. unten 8 40) überträgt. Durchbrochen aber 
wird die oben angegebene Regel des Art. 4 — uberall in Sinme un zu dem Zwecke 
einer Verstärkung der Reichskompetenz über das formelle Normalmaß — einmal 
durch diejenigen Verfassungsvorschriften, welche, wie Art. 85, 532 Abs. 2, 61, sog. aus⸗ 
schließliche Gesetzgebungskbechté des Reiches staluftten (. hierübeẽ ünten 8 88), 
ferner aber und namentlich durch die Überweisung gewisser Angelegenheiten an die Reichs⸗ 
gewalt zur „eigenen und unmittelbaren Verwaltung““ (Ausdruck des R.Ges., 
betr. die Stellvertretung des Reichskanzlers vom 17. März 1878, 8 2), d. h., worüber 
unten, 8 48, das Nähere zu sagen sein wird, zur rechtsprechenden und administrativen 
Vollziehung durch eigene Gerichtss und Verwaltungsbehörden des Reiches (auswärtige 
Verwaltung, Kriegsmarine, Reichspost⸗ und Telegraphenverwaltung). 
III. Besondere Gestaltungen der Kompetenzverhältnifse. Es handelt sich hier 
um Ausnahmen von der soeben dargelegten gemeingültigen, d. h. grundsätzlich für das 
ganze Reich geltenden Kompetenzverteilung, also um Sonderrechte für einzelne Teile des 
Reichsgebietes. Solche besonderen Gestaltungen sind zu erblicken: 11 in dein Reservat— 
rechten oder Exemtionen, mit welchen gewisse Einzelstaaten, Bayhern an der Spitze, 
durch die Reichsverfassung privilegiert sind, der Art, daß die Kompetenz des Reichs doͤrt 
in Ansehung bestimmter Angelegenheiten enger bemessen ist als im übrigen Reichsgebiet 
(das Nähere s. im nächsten Paragraphen, S. 521 ff.); 2. in den staatsrechtlichen Verhält— 
nissen des Reichslandes und der Schutzgebiete, wo Inhalt und Umfang der Reichsgewalt 
in Ermangelung des Daseins einer Einzelstaatsgewalt weit über das reichs verfassungs⸗ 
mäßige Maß hinauswächst, sich zur vollen Staatsgewalt eines Einheitsstaates „konsoli— 
diert“ (Haenel, vgl. Stactst J 828 ff.). In diesen Gebieten der konsolidierten Reichs⸗ 
gewalt reicht also die Reichskompetenz weiter als sonst: sie umfaßt außer ihrem regulären 
Inhalt auch noch alles, waͤs durch die Reichsverfassung den Einzelstaaten nicht entzogen, 
also vorbehalten ist. 
IV. Die Kompetenz Kompetenz. — Von dieser mit der Souveränetät gleichbedeuten⸗ 
den Eigenschaft und Befugnis der Reichsgewalt war bereits die Rede (oben 8 10 S. 518, 
614). Vermöge der Kompetenz⸗Kompetenz kann die Reichslegislative, ohne hierbei an andere 
Formen als an die in Art.“78 R.V. bezeichneten gebunden zu fein und ohne der Zu— 
stimmung Dritter zu bedürfen, das im vorstehenden (II, III) geschilderte Kompetenzrecht 
einseitig ändern. Sie kann auf diesem Wege, durch verfassungänderndes Reichsgesetz, 
ede der beiden Kompetenzgrenzen verschieben, welche Art. 4 R.V. aufrichtet, kann den 
Katalog der „Angelegenheiten“ des Reiches um weilere Nummern vermehren (Beispiele: 
Abänderung vom Art. 4 Ziff. d RB. durch R.G. vom 2. März 1873 und vom Art.4 
Ziff. 13 — Ausdehnung der Gesetzgebungskompetenz auf das gesamte bürgerliche Recht — 
durch R.Ges. vom 20. Dezember 1878) und kann ebenso aud durch Veränderung der 
formellen Kompetenzgrenze zu Gunsten des Reiches Angelegenheiten, denen sich die 
Reichsgewalt bislang nur in legislatorischer und aufsichtsführender Wirkungsweise 
widmen konnte, der eigenen und unmittelbaren Verwaltung des Reiches zuweisen.
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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