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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

— 125 — 
12. Der Kriegserfolg. 
1. Eroberung und Einflußsphäre. 
Wir müssen uns nun darüber unterrichten, welche Wirkungen denn ein 
siegreicher Krieg ausübt. Beginnen wir mit der Okkupation eines Gebiets 
teiles. Norman Angell behauptet einfach: „Reichtum, Wohlfahrt und Wohlbe^ 
finden einer Nation hängen in keiner Weise von ihrer politischen Macht ab“. 
Dies wäre dann der Fall, wenn es keine Zollgrenzen geben und man keine Be 
vorzugung bestimmter Bevölkerungsgruppen kennen würde. Durch die Ver 
schiebung der Zollgrenzen kann man aber erhebliche Vorteile erzielen ; man 
kann Absatzgebiete bekommen, die einem früher verschlossen waren. Bevor 
Österreich-Ungarn Bosnien okkupierte, mußte es beim Import nach diesem Lande 
die türkischen Zölle zahlen, nach der Okkupation fielen dieselben weg. 
Die Eroberung eines Gebietsteiles kann aber auch schwere Schäden für 
den Eroberer nach sich ziehen. In der Literatur Rußlands und Österreich- 
Ungarns bespricht man häufig die Wirkungen eines Kriegs zwischen diesen 
beiden Staaten. Angenommen Österreich-Ungarn wäre siegreich und ein Teil 
von Russisch-Polen würde annektiert. Das Resultat wäre, daß Russisch-Polen, 
welches jetzt den ganzen Osten mit Waren versorgt und eine gewaltige Industrie 
besitzt, vom Osten durch Zölle ferngehalten würde. Es wäre für Rußland 
Ausland, wie heute etwa England. Innerhalb Österreich-Ungarn müßte die 
polnische Industrie einen Ersatz suchen. Sie müßte hier mit der österreichischen 
und Ungarischen Industrie kämpfen. Galizien dürfte ihr sofort als Absatzgebiet 
zufallen. Die westösterreichische Industrie könnte sich einer ^Inischen gegen 
über dort kaum halten. Ich weise nur flüchtig auf solche Probleme hin und 
lasse andere Fragen ganz aus dem Spiel. So würde z. B. die Angliederung 
größerer Polenmassen in Deutschland zweifellos Mißstimmung erregen, da man 
dort jede Stärkung des Polentums in Deutschland oder in der Monarchie fürchtet. 
Wir sehen an diesem einen Beispiel, daß man sich gleichzeitig mit der mili 
tärischen Eroberung die Folgen derselben auf Produktion und Handel aus 
malen muß, soll man nicht nachträglich Probleme lösen müssen, von denen 
man im Vorhinein nicht weiß, ob man ihnen gewachsen ist. 
Von größter Wichtigkeit ist auch die Angliederung von Rohstoff ge 
biet en. Es ist z. B. für Deutschland sehr bedeutsam, die Baumwollgebiete 
Mesopotamiens seiner Einflußsphäre einzugliedern. Nur so kann es hoffen, 
vom nordamerikanischen Baumwollmarkt unabhängig zu werden. Nicht nur 
im Kriegsfall, auch im Falle eines wirtschaftlichen Konfliktes ist Deutschlands 
Abhängigkeit von Amerika eine Bedrohung der Industrie. Die Vereinigten 
Staaten könnten z. B. als Repressalie einen erheblichen Ausfuhrzoll auf Baum 
wolle legen. Daß Ausfuhrzölle Vorkommen, ist ja bekannt. So kennen wir 
in der Monarchie einen Ausfuhrzoll auf Hadern, die zur Papierfabrikation be 
nötigt werden; es ist dies ein industriefördernder Zoll, während der Ausfuhrzoll 
Chiles auf Salpeter ein Finanzzoll ist. Um von den Vereinigten Staaten in 
Krieg Und Frieden unabhängig zu sein, aber auch aus einigen anderen Gründen, 
ist Deutschland bestrebt, Berlin mit Bagdad zu verbinden. Es ist aus diesem 
Grunde für Deutschland sehr wichtig, daß der ganze Schienenstrang von Berlin 
bis Bagdad über Gebiete läuft, die deutschem Einfluß zugänglich sind. Deutsch 
land braucht die Freundschaft der Türkei, es ist an einem dreibundfreundlichen 
Bulgarien und Rumänien ebenfalls direkt interessiert. Diese großzügigen Ideen 
sind aber nicht etwa erst ein Ergebnis der letzten Zeit. Schon der große 
deutsche Nationalökonom Friedrich List hat Kleinasien als die prädestinierte 
Interessensphäre Deutschlands angesehen. Ich habe diesen einen Gedankengang 
hervorgehoben, um zu zeigen, welche Dimensionen internationale Pläne an 
nehmen können. Bei uns ist man wenig gewöhnt, derartige Ideen zu ver 
folgen, da wir selbst ¡nur geringe internationale Interventionsmöglichkeiten haben. 
In England sind weit gewaltigere Pläne, offizielle und nichtoffizielle, an der 
Tagesordnung, auch Rußland beschäftigt sich immer mehr mit derartigen Kom 
binationen größten Stils.
	        

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Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung. Gaertner, 1902.
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