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Bibliographic data

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Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

154 
ihren Verbündeten ungeheuren Schaden zufügen, und es wurde mit Recht her 
vorgehoben : Wer bürgt dafür, daß morgen nicht irgend ein österreichischer 
Industrieller in derselben ,,legalen“ Weise behandelt wird? Der Staat kann 
z. B. bestimmte Tarifermäßigungen aufheben und sie für „alle“ derart äb- 
ändern, daß die bekämpften Firmen allein darunter leiden. Der Staat kün 
digte Gleise, die zur Zuführung von Rohmaterial unbedingt erforderlich sind, 
ja er ging so weit, die Telephonapparate wegzunehmen und Füllständer für 
Rohöl innerhalb 24 Stunden zu kündigen, alles Eingriffe, die formell nicht 
über die legale Auflösung bestehender Verträge hinausgingen. Der Staat 
kann aber auch seine Verwaltungsmacht zur Anwendung bringen, indem er 
plötzlich in ungewohnter Weise für Hygiene und Sicherheit Sorge trägt. 
Wenn auch viele dieses Vorgehen als Notwehr zu verteidigen suchten, so 
konnten sie sich doch einer gewissen Beklemmung nicht erwehren. Wir sehen 
aber an diesem markanten Beispiel, daß einerseits das Bedürfnis nach einer 
Erweiterung der Staatsgewalt auf wirtschaftlichem Gebiet manchmal überaus 
groß ist, und daß andererseits der Absolutismus auf diesem Gebiet selbst 
von der Mehrzahl jener perhorresziert wird, welche die Angriffe an sich 
billigen. Derartige absolutistische Maßnahmen, welche die wirtschaftliche 
Sicherheit bedenklich zu schädigen geeignet erscheinen, könnten vermieden 
werden, wenn der Staat normalerweise einen genügenden Einfluß besitzt, 
um z. B. den Kampf gegen einen auswärtigen Trust aufnehmen zu können. 
Wenn Österreich für die Rohölerzeugung und die Petroleumproduktion ein 
dem Kaligesetz verwandtes Gesetz erhält, braucht man nicht mehr solch be 
denkliche Eingriffe vorzunehmen, die aller Willkür Tür und Tor öffnen. 
Die allgemeine Stimmung der deutschen und österreichischen Unternehmer, 
sowie die bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, daß eine Verallgemeine 
rung des Staatskartells zunächst auf mehr Zustimmung rechnen kann, als der 
Staatstrust oder gar das Staatsmonopol. Es wäre sogar nicht ausgeschlossen, 
daß iiie Staatskartelle ein Mittel sein könnten, um den von vielen so gefürch 
teten Privattrusts entgegenzuarbeiten. Es liegt dann in der Hand der Gesamt 
heit, den Bureaukratismus möglichst zurückzudrängen, dessen Maöhtentfaltung 
überall dort gefürchtet wird, wo der Staatseinfluß zunimmt. Gegen ihn 
protestieren bereits weite Kreise der Bevölkerung, und besonders die Ver 
treter der Industrie und des Handels sind seine heftigsten Gegner. Es ist 
ein überaus schwieriges Problem, wie man in unserer Entwicklung die Frei 
heit der Persönlichkeit und die verantwortungsvolle Initiative mög 
lichst viel wahren kann, während die Freiheit der Konkurrenz sich immer 
mehr ihrem Ende nähert. Diese Frage hängt aber nicht mit der Tatsache 
zusammen, daß staatliche Organisationen entstehen, sondern damit, daß Riesen 
organisationen entstehen. Die Stellung des Einzelindiyiduums im Trust, ja 
in irgend einem großen Unternehmen ist vielfach weniger frei als innerhalb 
der Bureaukratie. Die Rechte sind zuweilen weit geringer, die Abhängigkeit 
dementsprechend größer. Es mögen nicht wenige sein, die den Worten jenes 
deutschen Professors zustimmen, der bei der letzten Generalversammlung des 
Vereins für Sozialpolitik erklärte, er sei zurzeit noch lieber Staatsprofessor als 
Trustprofessor. 
Mit der Entstehung der Staatskartelle würde die Entwicklung in dieser 
Richtung noch nicht ihr Ende gefunden haben. Der Staat wird dann nicht 
umhin können, sich auch andere Verbände in ähnlicher Weise staatlich zu 
assimilieren, so Arbeiterverbände und vor allem die wohl allmählich 
immer mehr anwachsenden Konsumenten verbände. Abnehmerverbände 
sind ohnedies unter den Staatskartellen vorhanden, die vielleicht zunächst in 
Österreich realisiert werden. Erst wenn die wichtigsten Interessentengruppen 
in solchen Verbänden vereinigt sind, kann man auch mit Erfolg daran gehen, 
die Produktionseinschränkungen, die unsere heutige Wirtschaft in so trauriger 
Weise charakterisieren, endlich zu beseitigen, ohne dadurch Krisen heraufzu 
beschwören. 
Wenn Verbände, wie sie durch das Kalisyndikat gut repräsentiert werden, 
allgemeinere Verbreitung finden, dürfte auch die Frage der Kommunali 
sierung der Fleisch- und Brotversorgung einige Aussicht
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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