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Analog wird die oben angeführte Streitfrage zu lösen sein. Zu
den Herstellungskosten zählen in wirtschaftlicher
Beziehung alle Ausgaben und Leistungen, welche
unmittelbar und mittelbar mit der 'Herstellung
einer Ware in Verbindung stehen. Dazu gehören Aus
gaben für Material, Fabrikationslöhne, Abteilungs- und allgemeine Be
triebsunkosten (Fabrikationsunkosten). Zum Selbstkosten
preis hingegen gehören nicht allein die Herstellungskosten, sondern
auch alle Ausgaben, welche die Unternehmung als Ganzes, nicht die
einzelne Ware treffen und nicht durch die Fabrikation entstehen,
also Ausgaben für die Verwaltung und für den Verkauf. Die Kal
kulation des Verkaufspreises muß selbstverständlich auch auf diese
Kosten Rücksicht nehmen ; denn der Unternehmer muß, abgesehen
von den Herstellungskosten, auch die allgemeinen Unkosten herein-
bringen, ehe von Gewinn die Rede sein kann. Sie werden durch
Zuschlag gedeckt. Danach wird der Selbstkostenpreis sich nach
den früher entwickelten Formeln berechnen.
Es wird keinem Kaufmann einfallen, bei der Bewertung der
eingekauften und vorrätigen Waren einen Aufschlag für Ab
schreibung, Geschäftsmiete, Gehälter des Personals u. dgl. zu machen.
Das sind eben Geschäftsunkosten und Leistungen, die als Jahres
verluste angesehen werden. Würde ein Warenhändler die Vorräte
mit einem Kostenaufschlag für alle Handlungskosten bewerten, so
würden die ausgewiesenen Verluste illusorisch. Z. B. man kauft
Waren für Mk. 15 000, die Geschäftsunkosten wären Mk. 8000. -—
Angenommen, es sind sämtliche Waren unverkauft. Die Buchung
stellt sich folgendermaßen dar;
Eingang Waren-Konto. Ausgang
1. Einkaufswert . . . Mk. 15 000,— 2. Bilanzwert. . . . Mk. 23 000,—
2. Scheingewinn . „ 8000,— = 15000-)-8000
Dagegen ergibt das Unkostenkonto einen Verlust von Mk. 8000,—,
der durch den gleich hohen scheinbaren Gewinn aufgehoben wird! Ist
ein Teil der Waren bereits mit Gewinn veräußert, dann wird eben
auch ein Teil der Unkosten dadurch gedeckt sein. Richtig sind die
W]aren mit dem Anschaffungspreis einzusetzen. An der Ware an
sich, abgesehen von Verschleiß und Konjunktur, die bei der Be
wertung mit zu berücksichtigen wären, wurde nichts verloren. Ver
luste entstehen durch den Betrieb der Unternehmung als Ganzes.
Der Kaufmann wird sie bei der Berechnung des Verkaufspreises
durch einen Aufschlag von etwa 53 o/o decken. Erst beim Verkauf
über 153o/o wird Gewinn erzielt.