Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VI.  Kap.:  Staatshilfe

indirekt,  durch  die  Beftimmung  betreffend  die  Lohnbücher,  berührt  worden
war.
Zu  energifcherm  und  zielbewufzterm  Vorgehen  drängten  den  Reichstag
verfchiedene  Umftände.  Es  war  nicht  b!o(z  der  erfchütternde  Eindruck  der
Berliner  Heimarbeitausftellung,  der  ein  ähnliches,  von  Sozialdemokraten
ins  Leben  gerufenes  Unternehmen  nebft  einem  (faft  ausfchliejzlich  fozialdemokratifchen)
  Heimarbeiterfchutzkongrefz  1904  vorausgegangen  war.  Auch  die
nationalökonomifche  Wiffenfchaft  hatte  (“ich  in  den  letzten  Jahren  fehr  eingehend
  mit  der  Hausinduftrie  und  ihrer  Reform  befchäftigt.  Insbefondere  hatten
angefehene  Spezialforfcher  aus  dem  fchier  unentwirrbaren  Knäuel  diesbezüglicher ­
  gefetzgeberifcher  Vorfchläge  die  Lohnfrage  als  den  Kern  der  Sache  herausgelöft
  und  dement  fprechend  ihre  Forderungen  formuliert.  Der  Gewerkverein
der  Heimarbeiterinnen  Deutfchlands  (feit  Oktober  1900)  [teilte  ein  gut  entwickeltes ­
  und  begründetes  Mindeftprogramm  für  den  gefetzlichen  Heimarbeiterfchutz
  auf,  worin  die  Lohnfrage  auch  mehr  und  mehr  in  den  Vordergrund
rückte.  Ein  hervorragendes  Verdienft  gebührt  auch  der  Gefellfchaft  für  Soziale
Reform,  deren  Vorftand  mit  wärmftem  Intereffe  fich  der  Heimarbeiterfache
annahm.  Indem  vorzüglichen  Organ  der  Gefellfchaft,  der  „Sozialen  Praxis“,
erfchienen  fortgefetzt  fehr  gediegene  Artikel  (meift  aus  der  Feder  des  Redakteurs, ­
  Prof.  Francke),  die  immer  wieder  mit  ftärkftem  Nachdruck  gefetzlichen
Heimarbeiterfchutz  forderten,  aus  der  unüberfehbaren  Menge  von  Vorfchlägen
das  Befte  prüfend  auswählten  und  gangbare  Wege  vorzeichneten.  Außerdem
hatte  fich  innerhalb  der  Gefellfchaft  ein  Ausfchu(z  gebildet,  der  aus  Parlamentariern ­
  der  verfchiedenen  Parteien,  Unternehmern  und  Vertretern  der  Wiffenfchaft ­
  beftand  und  fich  mit  der  gefetzlichen  und  aufzergefetzlichen  Reform
der  Hausinduftrie  eingehend  befchäftigte.  Zu  den  vorliegenden  diesbezüglichen
Gefetzentwürfen  nahm  der  Ausfchufü  Stellung  in  R  folutionen,  die  dem  Reichstage ­
  zugefandt  wurden.  Die  internationale  Konferenz  für  gefetzlichen  Arbeiterfchutz,
  zu  der  die  Gefellfchaft  für  Soziale  Reform  ihre  Delegierten  entfandte,
  betonte  feit  1904  in  der  alle  zwei  Jahre  ftattfindenden  Verfammlung
mit  gefteigertem  Nachdruck  die  Notwendigkeit  eines  ftaatlichen  Eingreifens
in  die  Arbeiterverhältniffe  der  Hausinduftrie,  und  empfahl  fchliejzlich  (1908
in  Luzern  und  1910  in  Lugano)  die  Einführung  von  Lohnämtern  nach  englifchem
  Mufter.
Das  durch  die  Heimarbeitausftellung  erregte  Mitleid,  aber  auch  der  ehrliche
Wille  zur  Reformarbeit  kam  alsbald  zum  Ausdruck  in  zwei  Anträgen.
Auf  Anregung  des  Abgeordneten  Dr.  Hitze  brachten  Vertreter  faft
fämtlicher  bürgerlichen  Fraktionen  am  16.  März  1906/i
            
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