Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VII.  Kap.:  Selbfthilfe

kleinern  Betrieb  für  Schwefternkleidung  unter  Dach,  der  immer  wieder  erneuert
wird.  Im  Frühjahr  1907  war  die  Organifation  mit  dem  freien,  dem  Hirfch-Dunckerfchen
  und  dem  chriftlichen  Schneiderverbande  am  Abfchlufz  von
Tarifverträgen  in  der  Herrenkonfektion  beteiligt.  Im  Herbfte  desfelben  Jahres
führte  eine  mehrwöchige  friedliche  Lohnbewegung  im  M.Gladbacher
Konfektionsbezirke  zwar  nicht  zu  den  erfehnten  Tarifabfchlüffen,  wohl  aber
zu  einer  Regulierung  und  Vereinheitlichung  der  dort  in  der  Herrenkonfektion
gezahlten  Löhne.  Januar  1912  kam  es  auch  hier  zu  einem  Tarifabfchlujz.
Die  beiden  letzten  Jahre  (1911  und  1912)  endlich  brachten  noch  Tarife  in  der
Herren-  und  Damenfehneiderei  in  Königsberg,  in  der  Mafchinenftrickerei
ebendort  und  in  der  Stickerei  in  Stolp  in  Pommern.  —  Das  find  gewerkfehaftliche
  Erfolge,  die  aufzer  der  wirtfchaftlichen  Befferftellung  der  direkt  und  indirekt ­
  Beteiligten  auch  das  Gute  haben,  dajz  die  viel  angezweifelte  Möglichkeit
von  Tarifen  in  der  Heimarbeit  erwiefen  ift.
Verfchiedene  Gruppen  des  Gewerkvereins  vermitteln  ihren  Mitgliedern
Arbeitsaufträge.  Zuweilen  haben  auch  Wohltätigkeitsvereine,  wie  der  Verein
„Frauenhilfe“  in  Berlin,  der  Katholifche  Frauenbund  in  München  Arbeitsvermittlungsftellen
  für  die  Heimarbeiterinnen  errichtet.  Die  Arbeitsvermittlung
aber  fetzt  Berufstüchtigkeit  voraus,  und  fo  fah  man  fich  zu  Lehrkurfen  veranlagt, ­
  die  in  den  letzten  Jahren  von  der  Leitung  des  Gewerkvereins  energifch
gefördert  wurden.  Man  geht  dabei  von  dem  gefunden  Gedanken  aus,  dafz  die
Heimarbeit  nur  dann  würdig  ift,  empfohlen  und  überhaupt  erhalten  zu  werden,
wenn  fie  Qualitätsarbeit  ift;  als  Grundlage  einer  Heimarbeitreform  durch
Selbfthilfe  kann  nur  die  Erziehung  der  Berufsangehörigen  zu  hoher  Arbeitsleiftung
  gelten,  eine  Leiftung,  die  das  Recht  in  fich  fchliejzt,  volle  volkswirtfchaftliche
  Anerkennung  und  angemeffene  Bezahlung  zu  fordern.  So  wurden
denn  Lehrkurfe  eingerichtet  im  einfachen  und  feinem  Wäfchenähen,  im  Ausbeffern,
  in  der  Spitzenanfertigung  u.  a.,  wobei  nicht  feiten  ftädtifche  und  gewerbliche ­
  Behörden  durch  geeignete  Lehrkräfte,  durch  Überlaffen  von  Räumlichkeiten, ­
  durch  finanzielle  Unterftützung  Hilfe  leifteten.
Das  Ideal  einer  Verbindung  von  Arbeitsnachweis  und  Lehrkurfus  fuchte  der
Hauptvorftand  in  Berlin  zu  erreichen  durch  Errichtung  einer  Betriebswerkftätte,
  die  den  Heimarbeiterinnen  genügend  Arbeitsaufträge  verfchaffen
  und  fie  zugleich  zu  guter  Ausführung  anleiten  will.  Dem  Beifpiele
des  Hauptvorftandes  find  die  Ortsgruppen  in  Stolp  in  Pommern  und
Leipzig  gefolgt.  Der  erfte  Bericht  der  Betriebswerkftätte  für  Stickerei
in  Stolp  kann  von  fehr  günftiger  Entwicklung  erzählen.  Es  heijzt  dort:
„Während  wir  im  April  1911,  dem  erften  Monat,  für  Sticklohn  etwa  350  M.
            
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