Full text: Die deutsche Hausindustrie

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VII. Kap.: Selbfthilfe 
und Uniformfehneiderei arbeiteten 1907 insgefamt 11 336 Heimarbeiter nach 
Tarif, 1909 21 978; in der Damenfehneiderei 1907 keine, 1909 129 männ 
liche und 7 weibliche Heimarbeiter. In der Herrenkonfektion arbeiteten 1907 
5053 männliche und 748 weibliche Heimarbeiter, 1909 waren es 5326 männliche 
und 1786 weibliche; in der Wäfchebranche arbeiteten 1909 etwa 2000 Heim 
arbeiterinnen nach Tarif. Äujzerft wichtig war es, dajz die Schaffung eines 
einheitlichen Tarifvertragsfchemas gelang, auf dem feit 1907 alle Tarifverträge 
beruhen. Eine weitere Einrichtung brachte das Jahr 1909, nämlich die Über 
nahme fämtlicher Ortsgruppenverträge auf die Zentralverbände. Weitere 
Fortfehritte hinfichtlich der Zentralifation der Verhandlungen brachte die 
Lohnbewegung des Jahres 1912. 
In der Branche der Holzarbeiter find die wichtigften Tarifverträge die der 
Berliner Stockarbeiter, der Frankenhaufener und Kelbraer Knopfarbeiter, 
der Münchener Bürftenmacher, der Neuenhauer Spielwarenarbeiter, der 
Schmöllner Knopfdrechfler, der Steinacher Griffelkaftenmacher. Sämtliche 
Verträge beziehen fich zum Teil auf Heimarbeiter und find durch den Holz 
arbeiterverband abgefchloffen. 
Sehr gut geregelt find die Verhältniffe in der Sattler- und Portefeuiller 
branche, wo Heim- und Fabrikarbeit nebeneinander beftehen. 1908 wurden 
zwifchen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganifationen einheitliche 
Ge fichtspunkte für ganz Deutfchland in bezug auf Verträge in der Leder 
waren- und Reifeartikelinduftrie aufgeftellt, auf Grund deren Lokaltarifver 
träge in Berlin, Freiberg i. S., Offenbach, Stuttgart abgefchloffen wurden. 
Neben den verhältnismäßig hohen Löhnen ift für die Verträge bezeichnend 
die Tendenz, Heimarbeit und Zwifchenmeifterbetriebe nach Kräften einzu- 
fchränken. 
Die Metallinduftrie weift eine Anzahl von Tarifverträgen in Solingen auf, wo 
in einer Reihe von Spezialiftengruppen auch Heimarbeiter einbezogen find. 
Wenn auch der weitaus größte Teil der Heimarbeiter zurzeit ohne Tarife 
arbeitet, fo find doch die aufgezählten Erfolge hoch anzufchlagen, um fo mehr, 
als der Abfchluß von Tarifverträgen in der Heimarbeit überall mit den größten 
Schwierigkeiten zu rechnen hat, einmal wegen der mangelnden Organifations- 
fähigkeit und dann wegen der Leichtigkeit, mit der Streikarbeit hergeftellt 
werden kann. 
Neben den Tariferrungenfchaften ift hoch zu fchätzen der indirekte 
Erfolg der gewerkfchaftlichen Organifation der Heimarbeiter, der darin 
befteht, daß öffentliche Meinung und gefetzgeberifche Faktoren auf die Zu- 
ftände in der Hausinduftrie fortwährend aufmerkfam wurden und auf eine
	        
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