Full text : Die deutsche Hausindustrie

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VIII.  Kap.:  Hilfe  von  aujzenftehenden  Kreifen

fetzen,  wenn  man  erfährt,  dafz  die  Stickerin  eine  alte  erblindete  Frau  ift.  Es
koftet  oft  nicht  geringes  Studium,  aus  all  den  verfchiedenen  Lohnangaben  ein
Durch  fchnittsmajz  zu  gewinnen.  Wer  fich  auf  der  Frankfurter  Ausftellung
nicht  die  Mühe  geben  mochte,  aus  forgfältiger  Prüfung  der  Einzelgegenftände
fich  felbft  ein  typifches  Bild  zu  zeichnen,  dem  ftand  die  kurze  Befchreibung
des  betreffenden  Heimarbeitszweiges  zur  Verfügung,  der  bei  jeder  Abteilung
beigefügt  war.  Hier  war  gleichfam  die  Refultante  gezogen  aus  den  vielerlei
verwirrenden  Angaben,  die  auf  den  Etiketten  verzeichnet  waren.  Die  Ausftellungskomitees
  legen  auch  Wert  darauf,  dafz  möglichft  typifche  Beifpiele
zur  Darftellung  kommen.  So  heifzt  es  in  den  Unterweifungen  des  Frankfurter
Komitees  an  die  Mitarbeiter:  „Bei  der  Auswahl  der  auszuftellenden  Erzeugniffe
der  Heimarbeit  ift  darauf  zu  achten,  dajz  die  Ausftellung  ein  objektives  und
möglichft  vollftändiges  Bild  der  Leiftungen  der  Heimarbeiter  bieten  foll.  Es
müffen  daher  vor  allem  die  gewöhnlichen  (normalen,  typifchen)  Arbeitsprodukte ­
  gefammelt  werden.  Daneben  follen  aber  auch  die  vom  Durchfchnitt
abweichenden  Leiftungen  Berückfichtigung  finden.  Es  ift  Wert  darauf  zu  legen,
dajz  in  allen  Fällen,  in  denen  ungewöhnliche,  über-  oder  unterdurchfchnittliche
Leiftungen  vorgeführt  werden,  hierauf  befonders  aufmerkfam  gemacht  wird,
und  dafz  die  Gründe  des  Abweichens  von  der  Regel  angegeben  werden.“ 1 )
Eine  ähnlich  lautende  Inftruktion  erhielten  die  Sammler  für  die  Züricher  Ausftellung. ­

Alle  diefe  im  Intereffe  einer  fachlichen  und  objektiven  Darftellung  der
Lohnverhältniffe  getroffenen  Maßnahmen  find  von  Wichtigkeit,  damit  die  Ausftellung ­
  nicht  einen  agitatorifchen  und  aufreizenden  Charakter  annimmt,  wie
es  der  Berliner  Ausftellung  wohl  zum  Vorwurfe  gemacht  wurde.  Hinzufügen
möchte  ich  da  allerdings,  dafz  pofitive  Unrichtigkeiten  auch  der  Berliner  Ausftellung ­
  nicht  nachgewiefen  find,  wenngleich  hier  die  Aufklärung  über  die  unglaublich ­
  niedrigen  Heimarbeitslöhne  als  Hauptzweck  im  Vordergrund  ftand.
Auch  der  Bericht  der  Berliner  Handelskammer  über  die  Heimarbeit  in  Berlin,
der  fich  in  fcharfer  Kritik  gegen  die  Berliner  Heimarbeitausftellung  wandte,
war  wegen  des  einfeitig  befchafften  und  dazu  noch  unzureichenden  Materials
durchaus  nicht  geeignet,  die  Objektivität  des  dort  gebotenen  Gefamtbildes  von
der  Heimarbeit  zu  zerftören.
Der  Stundenlohn,  der  auf  den  erften  Blick  das  frappantefte  Bild
von  der  Lage  des  Heimarbeiters  gibt  und  darum  auch  bei  der  Etikettierung  in
den  Ausheilungen  ftets  in  den  Vordergrund  tritt,  ift  vielfach  angefochten
worden.  Der  befragte  Heimarbeiter  —  fo  heijzt  es  —  wüfzte  wegen  der  häufig

')  A  r  n  d  t  a.  a.  0.  30.
            
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