Full text : Die deutsche Hausindustrie

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§  2.  Einteilung  der  Hausinduftrie  23

eigner  Stoff  ift,  den  er  verarbeitet,  da  er  direkt  für  den  Arbeitgeber  gekauft
hat.  Diefe  Annahme  ift  doch  eine  höchft  willkürliche,  ebenfo  wie  die  andere,
dafz  der  Rohftoff  gegenüber  der  auf  feine  Verarbeitung  verwendeten  Arbeit
einen  fo  geringen  Wert  hat,  da|z  er  überhaupt  nicht  in  Betracht  kommt.  *)
Mu|z  L.  den  Kreis  der  Verlagsarbeiter  nach  der  einen  Seite  hin  einengen,
fo  ift  er  anderfeits  gezwungen,  ihn  auf  Grund  feiner  Theorie  zu  erweitern.
Selbft  die  Arbeiter  in  den  Fabriken  der  Markircher  Fabrikanten  wie  in  den
diefen  zugehörigen  Ateliers  (Filialen)  werden  als  Verlagsarbeiter  bezeichnet,
da  fie  einerfeits  im  Werkverdingungsvertrag  ftehen,  anderfeits  von  Arbeitsordnung, ­
  Kündigungsfrift,  überhaupt  den  fonft  üblichen  Befchränkungen  der
Fabrikarbeit  frei  find.
So  ift  es  Liefmann  gelungen,  eine  Theorie  aufzuftellen,  nach  der  die  Markircher
  Arbeiter  fich  klar  als  Verlagsproduzenten  erweifen.  Aber  das  fcheint
eben  der  Grundfehler  der  ganzen  Behandlung  zu  fein,  dafz  eine  Theorie  aufgebaut ­
  wird  auf  Grund  eines  doch  recht  begrenzten  und  dazu  noch  recht  eigenartigen ­
  Unterfuchungsgebietes,  anftatt  die  bisher  als  folche  geltenden  Kategorien ­
  der  Verlagsarbeit  zu  unterfuchen  und  das  Typifche  und  Wefentliche
herauszufinden.  Liefmanns  Anfichten  haben  denn  auch  in  der  Fachwiff  nfchaft
  kaum  Anklang  gefunden.
§  2.  Einteilung  der  Hausinduftrie
Eine  Einteilung  des  Hausinduftrie  wird  am  füglichften  vorgenommen  nach
der  Stellung  des  Hausinduftriellenzu  feinem  Verleger,  die
fich  auf  den  trften  Blick  als  das  Verhältnis  einer  wirtfchaftlichen  und  fozialen
Abhängigkeit  charakterifiert.  Diefe  ift  überall  da,  trotz  der  vielfach
ftark  betonten  perfönlichen  Selbftändigkeit,  fie  ift  im  Wefen  der  Hausinduftrie
begründet,  und  nimmt  verfchiedene  Formen  und  Grade  an.  Danach  ergeben
fich  (drei)  verfchiedene  Formen  der  Hausinduftrie: 2  3  * )
1.  Der  Hausarbeiter  befchafft  den  Rohftoff  felbft  und  befitzt,  wie  feine  eigne
Werkftätte,  fo  auch  feine  eignen  Werkzeuge.  Er  produziert  entweder  auf  Beftellung
  und  nach  Muftern  des  Veilegers  gegen  einen  im  voraus  beftimmten
Dutzendpreis,  oder  aber  er  arbeitet  nach  bekannten  allgemein  feftftehenden
Typen  und  bietet  feine  Waren  bald  diefem,  bald  jenem  Verleger  an.  So  zieht
der  Breslauer  hausinduftrielle  Möbeltifehler  mit  feinen  nach  bekannten  Typen
angefertigten  Möbeln  von  Magazin  zu  Magazin.  Bei  jedem  Magazininhaber
*)  A.  a.  0.  74,  75.
3 )  Vgl.  Bücher,  Art.  „Gewerbe“  im  Handwörterbuch  der  Staatswiffenfchaften
IV 8 ;  Schönberg  in  feinem  Handbuch;  Liefmanna.a.  0.  74  ff-
            
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