Full text: Die deutsche Hausindustrie

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§ 2. Kon fumenten Vereinigungen 
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Programm der Begründer ift er eine „Vereinigung von Männern und Frauen 
aller Konfeffionen und Richtungen, welche als Käufer und Konfumenten 
fich ihrer Verantwortlichkeit gegenüber den Heimarbeitern, Werkftätten- 
arbeitern und Handelsangefteliten bewußt find und eine Verbefferung der Ar- 
beitsverhältniffe derfelben erftreben“. Er fucht fein Ziel zu erreichen, indem 
er auf die Arbeitgeber einwirkt durch Ausgabe weißer Liften, und indem er 
weiterhin das kaufende Publikum beeinflußt durch Hinweis auf die fozialen 
Käuferpflichten (Konfumentenmoral). Die weiße Lifte ift an eine Anzahl 
arbeiterfreundlicher Bedingungen geknüpft, unter denen die wichtigften find: 
die Forderung einer angemeffenen Arbeitszeit, die Durchführung der gefetz- 
lich angeordneten Sitzgelegenheit für die Verkäufer, gewiffe Garantien bezüglich 
der Herfteliungsart und des Lohnes. Auf die in Amerika und auch in der Schweiz 
üblich gewordene lobende Kennzeichnung der Fabrikate durch eine Kontroll 
marke (label) hat der Deutfche Käuferbund verzichtet, weil der Vorftand glaubt, 
damit eine zu große Verantwortung gegenüber den Käufern auf fich nehmen 
zu müffen, und weil anderfeits die Erfahrungen mit dem labe! der Konfumenten- 
vereinigungen in Amerika durchaus keine glänzenden find. 1 ) 
Um fo energifcher wird die Erziehung des Publikums zur Konfumenten 
moral betrieben. Während weiße Liften bisher nur in Berlin und Leipzig 
ausgegeben wurden, wird von allen Ortsgruppen durch Vorträge und Flugblätter 
und mit Zuhilfenahme der Tagespreffe die Macht der Käufer in ihren verfchie- 
denen Ausgeftaltungen dargeftellt und zugleich an die fozialen Pflichten 
gemahnt, die mit diefer Macht verknüpft find und von deren Beachtung oder 
Nichtbeachtung die Lebenslage bedrängter Volksfchichten in hohem Maße 
abhängt. 
Daß die Käufervereinigungen durch direkte Beeinfluffung der Arbeitgeber 
augenfcheinliche Erfolge zugunften der Heimarbeiter erzielt haben, ift weder 
in Amerika noch in Deutfchland klar nachweisbar. Um auf diefem Wege 
Großes zu erreichen, müßte die Zahl der Mitglieder und die Zahl derjenigen, 
welche die weiße Lifte als Norm bei ihren Einkäufen beobachten, eine un 
geheure fein; ebenfo müßte auch die Mehrzahl der Firmen fich auf die weiße 
Lifte verpflichten. Von folchen Erfolgen find aber die Käuferbünde weit ent 
fernt. Die Gefchäfte find einer Kontrolle feitens einer privaten Vereinigung 
vielfach fehr abgeneigt. Anderfeits würde der Käuferbund durch umfangreiche 
weiße Liften eine Verantwortung gegenüber den Käufern übernehmen, der er 
nicht gewachfen wäre. Und felbft im günftigften Falle würde eine Befferung 
*) Vgl. E. Luders, Kontrollmarken als Erkennungszeichen für gute Waren’ 
.Soziale Praxis“ XXI 72.
	        
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