Full text: Die deutsche Hausindustrie

§ 3. Bereitftellung von Kapital und motorifcher Kraft 
241 
es fich in erfter Linie darum, durch lohnenden Nebenverdien ft die fpärliche 
Bevölkerung zur Bebauung des Landes feftzuhalten, die Abwanderung zu 
hemmen. Die Einführung elektrifchen Antriebs der Webftühle in der Bafler 
und rheinifchen Seidenbandinduftrie veranlagte nun 1902 die badifchen 
Verwaltungsbehörden zur Prüfung der Frage, ob damit nicht auch der badifchen 
Seidenband-Hausweberei ein Erhaltungs- und Förderungsmittel gegeben 
werden könnte. In einer Verfammlung zu Säckingen am 25. März 1902 erklärte 
fich die Mehrheit der Hausweber in 26 Gemeinden zur Entnahme von Licht 
und Kraft für ihre Stühle und zur Zeichnung eines Genoffenfchaftsanteils 
von 100 M. bereit. Die Landesverficherungsanftalt Baden gewährte durch 
■die Gemeinden ein Darlehen von 225 000 M. zu 3% Prozent. Der Staat be 
willigte eine Subvention von 40 000 M. und fo wurde am 10. Mai 1903 die 
Kraftabfatzgeno ffenfchaft Wald - Elektra Säckingen 
Waldshut, eingetragene Geno ffenfchaft m. b. H. mit dem Sitzein Herrifch- 
ried konftituiert. 1 ) 
Die Genoffenfchaft liefert jedoch auch für andere gewerbliche und 
landwirtfchaftliche Zwecke Kraft und Licht. 1911 waren 614 Motoren 
mit 429,95 PS angefchloffen, davon entfielen auf die Webftühle 526 Motoren 
mit 131,50 PS. Während die erften Jahresabfchlüffe mit beträchtlichen Unter 
bilanzen abfchloffen (1905 : 40 000 M„ 1906 : 32 000 M.), hat fich indeffen die 
Lage von Jahr zu Jahr gebeffert, und in den letzten Jahren find felbft Rein 
gewinne erzielt worden (1911 : 1974 M.). Dabei ift in Betracht zu ziehen, dajz 
für die nur etwa 10 000 Einwohner der 30 angefchloffenen Waldgemeinden 
•neben vielen Niederfpannungsnetzen eine Hochfpannungsleitung von faft 60 km 
erforderlich war. Die Hausweberei felbft nahm wohl in einigen Gemeinden 
zugunften der Arbeit in der Fabrik ab. Dafür trat aber wieder in andern Fällen 
der elektrifch betriebene Band ftuhl an Stelle der Handftühle für Seiden- 
und Baumwollftoff, fo dajz die Zahl der Hausweber ungefähr gleich blieb. 
Wohl aber hat durch technifch vervollkommnete Stühle, fogenannte Doppel- 
Jäufer, die Produktion felbft fich gehoben. Kam es auch fchon vor, dafz etwa 
die Hälfte der Stühle ohne Arbeit war, fo wird doch als Durchfchnitt nur eine 
Paufe von 1 bis 6 Wochen für Jahr und Stuhl gefchätzt, je nach dem Gefchäfts- 
tfange der den Auftrag gebenden Firmen, die auch Eigentümer der Stühle find. 
Bezüglich der Löhne finden fich ähnliche Verhältniffe wie im Bergifchen. 
Die einzelnen Stücklöhne find gefunken. Das Gefamteinkommen ift dagegen 
*) Die folgenden Angaben verdanken wir einer Rundfrage des Gro|zherzoglich 
Badifchen Notars Bau mann (Karlsruhe) bei den Waldgemeinden und dem Be 
triebsleiter der Wald-Elektra K. Fl uh rer (Herrifchried). 
Koch 2 , Die deutfche Hausinduftrie 
16
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.