Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  3.  Bereitftellung  von  Kapital  und  motorifcher  Kraft

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es  fich  in  erfter  Linie  darum,  durch  lohnenden  Nebenverdien  ft  die  fpärliche
Bevölkerung  zur  Bebauung  des  Landes  feftzuhalten,  die  Abwanderung  zu
hemmen.  Die  Einführung  elektrifchen  Antriebs  der  Webftühle  in  der  Bafler
und  rheinifchen  Seidenbandinduftrie  veranlagte  nun  1902  die  badifchen
Verwaltungsbehörden  zur  Prüfung  der  Frage,  ob  damit  nicht  auch  der  badifchen
Seidenband-Hausweberei  ein  Erhaltungs-  und  Förderungsmittel  gegeben
werden  könnte.  In  einer  Verfammlung  zu  Säckingen  am  25.  März  1902  erklärte
fich  die  Mehrheit  der  Hausweber  in  26  Gemeinden  zur  Entnahme  von  Licht
und  Kraft  für  ihre  Stühle  und  zur  Zeichnung  eines  Genoffenfchaftsanteils
von  100  M.  bereit.  Die  Landesverficherungsanftalt  Baden  gewährte  durch
■die  Gemeinden  ein  Darlehen  von  225  000  M.  zu  3%  Prozent.  Der  Staat  bewilligte ­
  eine  Subvention  von  40  000  M.  und  fo  wurde  am  10.  Mai  1903  die
Kraftabfatzgeno  ffenfchaft  Wald  -  Elektra  Säckingen
Waldshut,  eingetragene  Geno  ffenfchaft  m.  b.  H.  mit  dem  Sitzein  Herrifchried
  konftituiert. 1 )
Die  Genoffenfchaft  liefert  jedoch  auch  für  andere  gewerbliche  und
landwirtfchaftliche  Zwecke  Kraft  und  Licht.  1911  waren  614  Motoren
mit  429,95  PS  angefchloffen,  davon  entfielen  auf  die  Webftühle  526  Motoren
mit  131,50  PS.  Während  die  erften  Jahresabfchlüffe  mit  beträchtlichen  Unterbilanzen ­
  abfchloffen  (1905  :  40  000  M„  1906  :  32  000  M.),  hat  fich  indeffen  die
Lage  von  Jahr  zu  Jahr  gebeffert,  und  in  den  letzten  Jahren  find  felbft  Reingewinne ­
  erzielt  worden  (1911  :  1974  M.).  Dabei  ift  in  Betracht  zu  ziehen,  dajz
für  die  nur  etwa  10  000  Einwohner  der  30  angefchloffenen  Waldgemeinden
•neben  vielen  Niederfpannungsnetzen  eine  Hochfpannungsleitung  von  faft  60  km
erforderlich  war.  Die  Hausweberei  felbft  nahm  wohl  in  einigen  Gemeinden
zugunften  der  Arbeit  in  der  Fabrik  ab.  Dafür  trat  aber  wieder  in  andern  Fällen
der  elektrifch  betriebene  Band  ftuhl  an  Stelle  der  Handftühle  für  Seidenund
  Baumwollftoff,  fo  dajz  die  Zahl  der  Hausweber  ungefähr  gleich  blieb.
Wohl  aber  hat  durch  technifch  vervollkommnete  Stühle,  fogenannte  Doppel-Jäufer,
  die  Produktion  felbft  fich  gehoben.  Kam  es  auch  fchon  vor,  dafz  etwa
die  Hälfte  der  Stühle  ohne  Arbeit  war,  fo  wird  doch  als  Durchfchnitt  nur  eine
Paufe  von  1  bis  6  Wochen  für  Jahr  und  Stuhl  gefchätzt,  je  nach  dem  Gefchäftstfange
  der  den  Auftrag  gebenden  Firmen,  die  auch  Eigentümer  der  Stühle  find.
Bezüglich  der  Löhne  finden  fich  ähnliche  Verhältniffe  wie  im  Bergifchen.
Die  einzelnen  Stücklöhne  find  gefunken.  Das  Gefamteinkommen  ift  dagegen
*)  Die  folgenden  Angaben  verdanken  wir  einer  Rundfrage  des  Gro|zherzoglich
Badifchen  Notars  Bau  mann  (Karlsruhe)  bei  den  Waldgemeinden  und  dem  Betriebsleiter ­
  der  Wald-Elektra  K.  Fl  uh  rer  (Herrifchried).
Koch 2 ,  Die  deutfche  Hausinduftrie

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