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I. Kap.: Begriff und Einteilung der Hausinduftrie
Weit einflußreicher als der Faktor ift der Zwifchenmeifter
(Zwifchenverleger). Er erhält eine Menge Arbeitsaufträge vom Verleger und
vereinbart mit diefem den Lohn. Er felbft führt aber diefe Aufträge nur zum
Teil oder gar nicht aus, fondern gibt fic weiter an Arbeiter, mit denen er feinerfeits
wieder die Löhne und Lieferungszeiten feftfetzt. Hierin beruht die für die
Heimarbeiter gefahrvolle Pofition des Zwi(chenmeifters: er fucht feinen Gewinn
in der Differenz der nach zwei Seiten vereinbarten Löhne, die er mit allen
Mitteln zu vergrößern fucht. Und da er dem Verleger gegenüber weniger erzielen
wird, fucht er um fo mehr bei der widerftandslofen Arbeitermaffe einen
Lohndruck auszuüben. Das ift die wirtfchaftliche Gefahr des Zwifchenmeifterfyftems,
die diefem den Ruf fchlimmfter Ausbeuterei eingetragen hat. Für
den Verleger ergibt fich aus demfelben Syftem ein großer Vorteil daraus,
daß er aller Verhandlungen mit den Arbeitern ledig ift; er kontrahiert nur mit
dem Zwifchenmeifter, an den er fich hält bei Materialverluft, fchlecht abgelieferter
Arbeit ufw. — Der Zwifchenmeifter hat fich nicht feiten aus dem
Faktor der alten ländlichen Induftrien entwickelt, ift aber eine viel häufigere
Erfcheinung in den modernen großftädtifchen Hausinduftrien, namentlich
in der Konfektion, wo meiftens ehemalige Arbeiter fichzudiefer Stellung emporgefchwungen
haben.
Die übernommene Arbeit verlegt der Zwifchenmeifter weiter, zum Teil an
folche, die in ihren Häufern arbeiten, zum Teil aber fammelt er Männer und
Frauen in feiner Wohnung um fich und läßt fie unter feiner Aufficht die Aufträge
ausführen. Diefe Arbeitsorganifation nennt man diehausindu ftrielle
Werkftatt, unter der jedoch nicht ftets ein von der Wohnung des
Zwifchenmeifters getrennter Arbeitsraum zu verftehen ift. Sie begegnet uns
fehr häufig in der großftädtifchen Konfektion als Arbeitsftube oder Nähftube.
Gerade in den hausinduftriellen Werkftätten der Konfektion hat die Ausbeutung
zuweilen gegenüber meift ungelernten Arbeitskräften die fchärfften
Formen angenommen und den berüchtigten Namen Schwitzfyftem
(sweating System) aufgebracht. Der Zwifchenmeifter heißt in folchen
Fällen Schwitzmeifter (sweater). „Sweater“, fagt Sombart, „ift derjenige,
der unmittelbar Männer, Weiber und Kinder im Lohn hat, um die Arbeit auszuführen,
und der hofft, aus deren Schweiß (by sweating) Gewinn herauszufchlagen.“
Befondere Ausdehnung gewann das Syftem in den englifchen
Großftädten, wo zwifchen dem Verleger und Schwitzmeifter als weitere Mittelsperfon
häufig noch der Kontraktor fteht und das Syftem komplizierter und
die Lohndrückung härter geftaltet. Zu welcher Ausbeutung der menfchlichen