Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  2.  Einteilung  der  Hausinduftrie

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Arbeitskraft,  zu  welcher  Summe  von  wirtfchaftlichem  und  fozialem  Elend
dies  Sweatingfyftem  geführt  hat,  beweifen  die  aus  früherer  und  neuerer  Zeit
ftammenden  zahlreichen  Schilderungen  der  unter  den  Sweaters  herrschenden
Zuftände.  x )  Das  Syftem  ftellt  natürlich  keinen  befondern  Typus  der  Arbeitsorganisation ­
  in  der  Verlagsinduftrie  dar,  fondern  verdient  als  eklatantes  Beifpiel
  harter  Ausbeutung,  zu  der  das  Zwifchenmeifterfyftem  leicht  Anlaß  bietet,
befondere  Erwähnung.  Im  übrigen  find  die  Klagen  über  das  Schwitz-  und
Zwifchenmeifterfyftem  heute  lange  nicht  mehr  fo  häufig  und  eindringlich  als
früher.  Beide  Scheinen  auch  an  Umfang  abzunehmen.  Nach  einer  Privat  -
enquete  *  2 )  liefern  25  Prozent  der  Heimarbeiterinnen  in  Deutfchland  an  Zwifchenmeifter,
  und  zwar  hauptsächlich  in  den  Konfektionszentren  Berlin,  Stettin,
Breslau.
Noch  nach  einer  andern  Seite  ift  das  Zwifchenmeifter-  bzw.  Werkftattfyftem
  der  Beachtung  wert,  hinfichtlich  feiner  innern  Verfaffung.  Diefe  unter  -
fcheidet  (ich  nicht  von  einem  handwerksmäßigen  Betriebe  oder  einer  kleinen
Fabrik.  Die  Arbeiter  in  der  hausinduftriellen  Werkftatt  unter  ftehen  in  der
Regel  bezüglich  Arbeitsordnung,  Arbeitszeit,  Kündigungsfrist  denfelben  Bedingungen ­
  wie  die  Fabrikarbeiter.  Rechtlich  gelten  fie  auch  als  gewerbliche
Arbeiter.  Ein  Unterfchied  liegt  nur  darin,  daß  der  Arbeitgeber  diefer  Arbeiter
nicht  felbftändig,  fondern  verlegt  ift,  ein  wirklicher  Hausinduftrieller  ift.  Er
gibt  dadurch  feiner  Werkftatt  gewiffermaßen  ein  hausinduftrielles  Gepräge,
und  nur  infofern  nehmen  die  Werkftattgehilfen  am  Charakter  der  Hausinduftrie
teil,  der  fich  für  fie  allerdings  oft  recht  fühlbar  ausprägt  z.  B.  in  der  Entlohnung. ­
  Infolge  folchen  Teilnehmens  an  der  Hausinduftrie  ift  man  berechtigt,
auch  die  Werkftattgehilfen  der  Hausinduftrie  zuzurechnen.
Wächft  die  bisher  hausinduftrielle  Werkftatt  weiter  aus  zur  Fabrik,  nimmt
fie  deren  Eigentümlichkeiten  an  in  Umfang,  Krafterzeugung,  technifchen  Vorrichtungen, ­
  fo  verflüchtigt  fich  im  felben  Maße  der  Charakter  der  Hausinduftrie
auch  beim  Betriebsinhaber  felbft.  Von  Arbeit  im  eignen  Haufe  kann  keinesfalls ­
  mehr  die  Rede  fein,  wenn  er  auch  nach  wie  vor  Arbeitsaufträge  von  feinem
Unternehmer  ausführt  und  infofern  „verlegt“  wird.  Betrieb  und  Betriebsinhaber ­
  kann  man  nicht  mehr  zur  Hausinduftrie  rechnen,  fondern  zur  Fabrikinduftrie.
  Die  großen  Färbereien,  Appreturanftalten  und  Druckereien,  die  das
fertige  Gewebe  zur  Weiterverarbeitung  vom  Weber  erhalten  und  es  gegen
’)  Vgl.  beifpielsweife  L.  Brentano,  Die  chriftlich.foziale  Bewegung  in  England
(1883)  35  ff.  —  Sidney  and  Beatrice  Webb,  Industrial  Democracy,  London  1897:
deutfeh  unter  dem  Titel:  Theorie  und  Praxis  der  englifchen  Oewerkvereine.  Stuttgart
1898.
2 )  K.  0  a  e  b  e  I,  Die  Lage  der  Heimarbeiterinnen,  Berlin  1912,  90  ff.
            
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