Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  3.  Die  Entwicklung  der  Hausinduftrie  aus  dem  Handwerk

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d.  h.  der  Schwertfeger,  arbeiteten,  dajz  fie  von  ihnen  Eifen,  Stahl  und  andere
Rohftoffe  bezogen,  mit  einem  Worte,  da(z  fie  hausinduftrielle  Lohnarbeiter
wurden.  —  Eine  ähnliche  Entwicklung  vollzog  [ich  bei  den  Meffermachern
in  Solingen.  In  dem  Beftreben,  durch  Arbeitsteilung  beffere  und  feinere  Arbeiten
zu  liefern,  hatte  fich  dies  Gewerbe  mit  der  Zeit  gefpalten  in  Schmiede,
Reider,  Hefte-  und  Bändemacher.  Keiner  von  ihnen  bot  ein  fertiges  Produkt,
und  fo  trat  ein  neuer  Faktor  in  die  Produktion  ein,  der  Fertigmacher,  welcher  die
in  zerftreut  liegenden  Werkftätten  erzeugten  Fabrikate  kaufte  und  zu  Meffern
zufammenftellte.  Er  konnte  dann  auch  den  Verkauf  der  fertigen  Produkte  übernehmen,
  wurde  reich  und  kapitalkräftig,  während  die  Produzenten  der  Halbfabrikate ­
  immer  mehr  von  ihm  abhängig  und  oft  fo  arm  wurden,  dajz  fie,  wie  alle  Beftellungen,
  fo  auch  das  ganze  Rohmaterial  von  ihm  empfingen.  Auch  die  heute
noch  beftehende  Hausinduftrie  im  Textilgewerbe  zu  Elberfeld  verdankt  der
Arbeitsteilung  ihren  Urfprung.  *)  Zuweilen  führte  oie  Arbeitsteilung  zunächft
dahin,  dajz  MeiJ'ter  gewiffe  nicht  der  Zunft  angehörige  Perfonen,  namentlich
Frauen,  in  deren  Behau  fung  gegen  Lohn  befchäftigten.  So  waren  die  Teilarbeiten
der  Gewebeinduftrie:  Wollfchlagen,  Spinnen,  Weben,  Walken,  Färben  und
Scheren  der  Tuche,  fechs  verfchiedene  Operationen,  die  teils  von  Angehörigen
verfchiedener  Zünfte  geleiftet  wurden,  teils  von  verfchiedenen  Mitgliedern  einer
und  derfelben  Zunft,  teils  auch  von  Perfonen  außerhalb  der  Zunft.  Namentlich
das  Wollfchlagen  und  Spinnen  übertrugen  die  Webermeifter  und  Tücher  oft
befondern  Spinnerinnen  oder  Kämmerinnen,  die  fie  (vielleicht  aus  fittlichen
Rückfichten)  nicht  in  der  Werkftätte  mit  den  Weberknechten  zufammen,
fondern  in  ihren  eignen  Wohnungen  arbeiten  liejzen.  So  war  es  der  Fall  in
Frankfurt  a.  M.,  Schweidnitz,  Hamburg,  Brandenburg,  Lüneburg,  Lübeck.  2 )
War  aber  erft  einmal  das  alte  Zunftgefctz  durchbrochen,  das  dem  Meifter
nur  zünftige  Gefellen  und  Lehrlinge  in  vorgefchriebener  Anzahl  zu  befchäftigen
geftattete,  fo  war  es  nichts  ganz  Unerhörtes,  wenn  auch  ein  verarmter  Zunftmeifter
  ftatt  direkt  für  Kunden  für  den  reichern  Meifter  arbeitete.  Und  in  der
Tat  fehen  wir,  wie  nicht  feiten  der  reiche  Weber  über  den  armen,  der  reiche
Böttchermeifter  über  den  armen  den  Vorfprung  gewann  und  ihn  als  Heimarbeiter ­
  in  feinen  Dienft  nahm.
Und  wie  ftellte  fich  die  Zunft  zu  diefem  zunftwidrigen  Vorgehen?  In  vielen
Fällen  war  die  Verletzung  des  Zunftftatuts  nicht  fo  klar.  Vielfach  waren  es,
wie  wir  fahen,  Frauen,  die  hausinduftriell  befchäftigt  wurden  und  die  in  der
Regel  gar  keiner  Zunft  angehörten.  Außerdem  „waren  cs  gewöhnlich  kleine
‘)  Vgl.  A.  T  h  u  n,  Die  Induftrie  am  Niederrhein  und  ihre  Arbeiter,  Leipzig  I879>
2.  Teil,  8—12,  23—25,  164—166.
2 )  Vgl.  S  t  i  e  d  a  a.  a.  0.  123.
            
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