Full text : Die deutsche Hausindustrie

40

II.  Kap.:  Die  Entftehung  der  Hausinduftrie

der  Weimarifchen  Strumpfwirkerei,  in  der  Plauenfchen  Schleierinduftrie.
Sic  alle  fuchen  etwaige  Mißbräuche  in  dem  neuen  Syftem  zu  befeitigen  und
häufig  das  Vorrecht  des  Verlegers  auf  zünftige  Meifter  zu  befchränken,  das
Verhältnis  von  Verleger  und  Heimarbeiter  zu  regeln.  Aber  die  hausindu  ftrielle
Betriebsform  wird  von  ihnen  allen  mehr  oder  weniger  ausdrücklich  oder  ftillfchweigend
  anerkannt.  *)
Die  Umbildung  eines  handwerksmäßigen  Betriebs  in  einen  hausinduftriellen
  ift  ohne  Zweifel  diejenige  Entftehungsform,  der  die  Hausinduftrie  in  den
meiften  Fällen  ihren  Urfprung  verdankt.  Die  Erweiterung  des  Verkehrs ­
  in  Verbindung  mit  einer  fortgcfchrittenen
Technik,  das  Ungenügen  des  lokalen  Marktes  und  die
dadurch  hervorgerufene  Notlage  zahlreicher  Handwerker
warendieUrfachen,  die  allmählich  einen  Teil  des  Handwerks ­
  in  die  Hausinduftrie  hinüberführen  mußten.
Auch  Handwerke,  die  fich  bis  in  die  neuefte  Zeit  felbftändig  erhalten  hatten,
mußten  fich  aus  diefen  Gründen  allmählich  mit  der  Hausinduftrie  befreunden.
Zahlreiche  Schneider,  die  bis  vor  wenigen  Jahrzehnten  felbftändig  für  das
bürgerliche  und  bäuerliche  Publikum  arbeiteten,  haben  fich  jetzt  als  Hausinduftrielle
  in  den  Dienft  der  Konfektionsgefchäfte  gestellt,  fobald  diefe  anfingen, ­
  die  ganze  Bekleidungsinduftrie  infolge  billigerer  Herftcllung  und  ausgedehnterer ­
  Marktbeziehungen  zu  beherrfchen.  ln  der  Schwarzwälder  Uhreninduftrie
  haben  fich  bis  heute  felbftändige  Kleinmeifter  erhalten,  die  den  Einkauf ­
  von  Rohftoffen  wie  den  Verkauf  ihrer  Erzeugniffe  auf  eigne  Rechnung
bewerkftelligten.  Aber  in  dem  unaufhaltfamen  Auflöfungsprozeß  fpalten  fich  ,
aus  dem  Kleinmeiftertum  fortgefetzt  Hausinduftrielle  ab,  die  dem  Verlagsfyftem
  Zufällen.  *  2 )
§  4-  Die  Rückentwicklung  der  Fabrik  zur  Hausinduftrie
ln  vielen  Gewerbezweigen  folgte  die  Hausinduftrie  als  eine  neue  zeitentfprechende
  Form  des  gewerblichen  Betriebs  auf  das  Handwerk,  während  dann
fpäter  die  Hausinduftrie  vielfach  wieder  abgelöft  wurde  durch  das  Fabrikfyftem.
Sie  war  —  im  großen  und  ganzen  —  das  hiftorifche  Mittelglied  zwifchen  Handwerk ­
  und  Fabrik.  Es  ift  aber  auch  vorgekommen,  daß,  nachdem  fchon  jahrelang ­
  eine  Fabrik  in  einer  beftimmten  Branche  an  einem  Orte  beftanden  hatte,
neben  oder  anftatt  der  Fabrik  im  felben  Orte  jene  Branche  hausinduftriell  be-*)
  Vgl.  S  t  i  e  d  a  a.  a.  0.  125  ff;  S  c  h  m  o  I  I  c  r,  Die  Hausinduftrie  und  ihre  altem
Ordnungen  und  Reglements,  in  Schmollers  Jahrbuch  1887-2
 )  K.  Bittmann,  Hausinduftrie  und  Heimarbeit  im  Grofzherzogtum  Baden,
Karlsruhe  1907,  125.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.