Full text : Die deutsche Hausindustrie

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Hl.  Kap.:  Umfang  der  Hausinduftrie  in  Deutschland

So  ift  es  zu  verftehen,  da|z  nach  den  Angaben  der  Hausgewerbetreibenden
felbft  der  Umfang  des  Hausgewerbes  zu  gering  erfcheint,  wenn  man  auch
damit  rechnet,  da(z  manche  Handwerker  aus  Unkenntnis  oder  Unachtfamkeit
  fich  als  „zu  Haufe  für  fremde  Rechnung  Arbeitende“  eingetragen  haben.
Die  Angaben  der  Unternehmer  über  das  Hausgewerbe  ergeben ­
  durchweg,  wie  auch  bei  den  frühem  Erhebungen,  höhere  Zahlen.  Aber
auch  fie  find  nicht  einwandfrei.  Doppelzählungen  find  hier  faft  unvermeidlich.
Wenn  ein  Zwifchenmeifter  oder  Faktor  die  von  ihm  aufzer  Haus  Befchäftigten
angegeben  hat,  fo  hat  auch  feinerfeits  der  Unternehmer  Zwifchenmeifter
und  Faktoren  famt  den  von  diefen  abhängigen  Befchäftigten  angegeben,
wenigftens  fchätzungsweife.  So  wird  eine  ganze  Reihe  Hausgewerbetreibender
doppelt  gezählt.  —  Es  ift  ferner  nichts  Seltenes,  dafz  ein  Hausgewerbetreibender
für  mehrere  Unternehmer  befchäftigt  ift.  Er  wurde  alfo  auch  an  mehrern
Stellen  als  au(zer  Haufe  befchäftigt  eingetragen,  alfo  doppelt  und  mehrfach
gezählt.
Anderfeits  ift  mit  gro(zer  Wahrfcheinlichkeit  anzunehmen,  da(z  auch  die
Angaben  der  Unternehmer  an  die  Höchftzahl  der  Hausgewerbetreibenden
nicht  heranreichen.  Der  Unternehmer  kann  bei  einem  weitverzweigten  Verlagsgefchäft
  unmöglich  genaue  Kenntnis  von  dem  Umfange  des  Arbeitsperfonais
haben,  mit  dem  er  in  gar  keinen  perfönlichen  und  gefchäftlichen  Beziehungen
fteht,  namentlich  werden  viele  mitarbeitende  Frauen,  Kinder,  Verwandte
und  alte  Leute  feiner  Kenntnis  fich  entziehen.
Alles  in  allem:  die  Zahlen  der  Reichsftati  ftik  über  das
deutfehe  Hausgewerbe  —  fowohl  nach  den  Angaben  der  Haus  -
gewerbetreibenden  wie  der  Unternehmer  —  bleiben  höchftwahrfcheinlich
  hinter  der  Wirklichkeit  zurück.  Zählungen,
die  von  anderer  Seite  gewiffenhaft  ausgeführt  wurden,  gehen  über  die  Zahlen
der  Reichsftatiftik  in  der  Regel  weit  hinaus.  Während  die  letztere  z.  B.  für
Bayern  36  759  Hausgewerbetreibende  angibt,  zählt  die  von  der  bayerifchen
Gewerbeinfpektion  1907  veröffentlichte  Denkfchrift  über  die  Heimarbeit
46  616  Hausgewerbetreibende.  Für  Baden  gibt  die  Statiftik  des  Deutfchen
Reiches  nach  den  Mitteilungen  der  Gewerbetreibenden  2820,  nach  den  Mitteilungen ­
  der  Unternehmer  11  717  Heimarbeiter  an;  nach  den  Unterfuchungen
der  Grofzherzogliehen  Gewerbeinfpektion  (Bittmann)  befchäftigen  die  Hausinduftrien
  Badens,  ausfchliefzlich  der  fremden  Gehilfen,  insgefamt  18  810
Perfonen.  In  Königsberg  find  nach  der  offiziellen  Stati  ftik  1287  Hausgewerbetreibende ­
  tätig,  K.  Kalisky  fchätzt  ihre  Zahl  auf  3500  bis  4000.  *)

*)  K.  Kalisky,  Die  Hausinduftrie  in  Königsberg,  Leipzig  1907-
            
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