Full text: Die deutsche Hausindustrie

60 III. Kap.: Umfang der Hausinduftrie in Deutfchland 
näherei, dort die Spitzenklöppelei von Bedeutung. In Niederbayern endlich 
kommt die Hausinduftrie kaum in Betracht. 
Das Königreich Sach fen 1 ) verdankt feinen Weltruf als Induftrie- 
ftaat urfprünglich der dortigen Hausinduftrie. Erzeugniffe hausgewerblichen 
Fleißes brachten das Land in Handelsbeziehungen zu allen Erdteilen. Als 
dann der fabrikmäßige Großbetrieb immer mehr im Lande erftarkte, ließ fich 
die Hausinduftrie nicht kurzerhand verdrängen: in zähem Wettkampf haben 
fich die Hausgewerbe, die in fcharfer Konkurrenz mit der Fabrik ftehen, 
bis heute erhalten; andere, moderne Hausinduftrien, zum Teil veranlaßt durch 
die Fabrikproduktion, find hinzugekommen. 
Auch jetzt noch fteht Sach fen bezüglich des Hausgewerbes an erfter Stelle 
unter den deutfchen Staaten. Rund ein Drittel des gefamten deutfchen Haus 
gewerbes entfällt auf Sachfen. Und während im Reiche das Hausgewerbe 
in ftetem Rückgang begriffen ift, nimmt es in Sachfen feit 1895 wieder zu. 
Während im Reiche auf 100 in der Induftrie befchäftigte Perfonen 13,5 haus 
gewerblich Befchäftigte entfallen, find in Sachfen 24,3 Prozent der induftriellen 
Bevölkerung in der Hausinduftrie tätig. 
Die ftärkfte fächfifche Hausinduftrie ift noch immer die Hausweberei 
mit rund 20 000 Befchäftigten. Sie ift über das ganze Königreich verbreitet, 
konzentriert fich aber befonders in zwei Gegenden, in der Laufitz und in der 
Amtshauptmannfchaft Glauchau. Letztere ift das Zentrum der Woll- und 
Baumwollweberei, die fich am dichteften zufammendrängt im Mülfengrund. 
Das zweite Gebiet fächfifcher Weberei ift die Lau fitz mit der Leinenweberei 
im füdlichen und der Tuch- und Bandfabrikation im nördlichen Teil. — Die 
Wirkerei tritt befonders in zwei Gruppen auf: als Trikotagen- und Hand- 
fchuhwirkerei in den Amtshauptmannfchaften Chemnitz, Glauchau und 
Rochlitz, und als Strumpfwarenfabrikation in der Amtshauptmannfchaft 
Annaberg. 
Stickerei und Spitzenfabrikation haben ihren Haupt 
fitz im fächfifchen Vogtlande. Die verfchiedenften Arbeiten: Handftickerei, 
Klöppeln, Mafchinenftickerei und die vielerlei Appreturarbeiten werden in der 
Heimarbeit ausgeführt. In jedem Städtchen und Flecken des Vogtlandes 
hört man die Stickmafchine in den Häufern. An der Spitze ftehen Plauen, 
Auerbach, Treuen, Falkenftein und Schöneck. Im Süden hat fich die Stickerei 
bis nach Klingenthal ausgedehnt. Oftwärts herrfcht mehr und mehr Bunt- 
ftickerei. Nördlich finden fich zahlreiche Hausgewerbetreibende als Hand- 
') Vgl. W. Krebs, Das Hausgewerbe nach den Berufs- und Betriebszählungen. 
Zeitfchrift des Kgl. Sächfifchen Statiftifchen Landesamts, 57- Jahrg. (1911), 297 ff.
	        
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