Full text : Die deutsche Hausindustrie

§  2.  Lohnverhältniffe

81

z.  B.  durch  Zuführung  elektrifcher  Kraft,  fo  daß  der  von  oben  ausgehende
Druck  nicht  mehr  ausfchliefzlich  auf  den  einen  Punkt  der  menfchlichen  Arbeit
konzentriert  zu  werden  braucht.  Die  Schmutzkonkurrenz  gewiffer  Verleger
kann  eingefchränkt  werden  (Veröffentlichung  der  Lohnliften).  Die  ftarke
Nachfrage  nach  minderwertigen  Erzeugniffen  kann  durch  Beeinfluffung
der  Mode  und  Käuferfitten  gemildert  werden  (Konfumentenmoral).  Weiterhin ­
  find  jene  Tendenzen  kräftig  zu  unterftützen,  die  dem  Lohndruck  entgegenwirken, ­
  an  erfter  Stelle  die  fachliche  Ausbildung  der  Heimarbeiter.  Die
Berufsorganifation  ift  als  felbftbewußte  Gegenwehr  in  der  Lohnbewegung
um  fo  mehr  zu  fördern,  als  fie  in  vielen  Fällen  die  vorhandenen  Möglichkeiten
einer  Hebung  erft  zur  Wirklichkeit  umgeftaltet.  Sie  gibt  auch  erft  dem  unfcheinbaren,
  aber  unleugbar  vorhandenen  Einfluß  des  Lohnminimums  den
gehörigen  Nachdruck.  Immer  bleibt  eine  wichtige  Vorausfetzung  zur  Lohnreform ­
  der  Wille  des  Unternehmers,  der  den  ftarken  Reizen  zu  einer  Lohnfenkung
  in  der  Hausinduftrie  nicht  immer  widerfteht.  Er  kann  beeinflußt
werden  durch  ethifche  und  foziale  Kräfte.  Schließlich  aber  muß  —  nach  der
Erfahrung  der  verfchiedenften  Länder  —  hinzukommen  die  beugende  Macht
des  Gefetzes,  die  am  ftärkften  zum  Ausdruck  kommt  in  Lohnämtern  mit
Zwangscharakter.
Wenn  wir  nunmehr  zu  einer  detaillierten  zahlenmäßigen
Schilderung  der  Heimarbeitslöhne  übergehen,  fo  foll  kein
Gefamtbild  der  Lohnverhältniffe  geboten  werden.  Das  wäre  mangels  einer  umfaffenden
  und  zuverläffigen  Statiftik  unmöglich.  Zudem  würde  es  bei  den  großen
Abftänden  der  Löhne  von  Induftrie  zu  Induftrie  und  innerhalb  derfelben  Induftrie
  einen  Raum  beanfpruchen,  der  weit  über  den  Rahmen  diefer  Schrift
hinausginge.  Wir  haben  vor  allem  folche  Lohnangaben  gewählt,  welche  die
Reformbedürftigkeit  der  Hausinduftrie  deutlich  dartun.  Wenn  das  Bild  infolgedcffen
  etwas  trüber  geworden  ift,  als  es  im  Dienfte  ruhiger  Objektivität
gerechtfertigt  erfcheint,  fo  bemerken  wir  von  vornherein,  daß  es  auch  in  der
Hausinduftrie  auskömmliche,  ja  fehr  gute  Löhne  gibt,  von  5  und  6  M.,  z.  B.
für  Qualitätsprodukte  in  der  beffern  Konfektion  und  in  der  Portefeuilleinduftrie.
  Sie  beweifen  eben,  daß  auch  in  der  Heimarbeit  niedrige  Löhne
keine  abfolute  Notwendigkeit  find.  Aber  fie  find  in  der  Minderheit.  Ihr  natürliches ­
  Gepräge  erhält  die  Heimarbeit  durch  niedrige  Löhne,  zumal  diefe  für
ganze  Voiksfchichten,  ganze  Gegenden,  ja  ganze  Zweige  der  Hausinduftrie
oft  typifch  find.
*
Beginnen  wir  mit  der  Konfektionshausinduftrie.  Hier
bezüglich  der  Lohnfätze  ins  reine  zu  kommen,  ift  außerordentlich  fchwierig.
Koch 2 ,  Die  deutfehe  Hausinduftrie  6
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.