Full text : Die deutsche Hausindustrie

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IV.  Kap. :  Wirifchaftliche  und  foziale  Zuftände  in  der  Hausinduftrie

13jährigen  und  einem  10jährigen  Sohn,  einer  Tochter  von  6  und  einer  von
%  Jahren.  Für  diefe  7  Perfonen  find  2  Bettftellen,  I  Sofa  und  I  Bettkaften
"vorhanden.
Die  Wohnungen  der  ländlichen  Heimarbeiter  mögen,  was  die
Höhe  der  Miete  und  Befchränkung  des  Raumes  anbelangt,  nicht  f  o
{  c  h  1  e  c  ht  geftellt  fein  als  die  ftädtifchen,  fpeziell  die  grojzftädtifchen  Heimarbeitsftätten.
  Wenn  auch  in  der  ländlichen  Hausinduftrie  elende  und  gefundheitswidrige
  Wohnungen  angetroffen  werden,  fo  ift  das  weniger  der  Hausinduftrie
als  folcher,  als  vielmehr  der  Sorglofigkeit  und  Nachläffigkeit  der  ländlichen  Bevölkerung ­
  überhaupt  zuzufchreiben,  die  ganz  allgemein  für  die  Wohnungsfrage ­
  erftaunlich  wenig  Verftändnis  und  Intereffe  zeigt,  vielleicht  deshalb,
weil  ihre  Wohnungen  in  fanitärer  Hinficht  weniger  Kontrollvorfchriften
-unterliegen  als  die  ftädtifchen.
In  einem  Punkte  find  jedoch  ländliche  wie  ftädtifche  Hausinduftriewohnungen
  gleich  ungünftig  geftellt.  Da|z  bei  den  Hausinduftriellen  in  ein
und  demfelben  Raum  gearbeitet,  gewohnt,  gekocht
undauchgefchlafenwird,  ift  eine  in  der  Stadt  wie  auf  dem  Lande
häufig  begegnende,  weil  kaum  zu  vermeidende  Erfcheinung.  Die  Ausdünftungen
der  zu  kochenden  Speifen  und  der  zu  bearbeitenden  Roh-  und  Hilfsftoffe,
die  während  des  Arbeitsprozeffes  erfolgenden  Staubabfonderungen  machen  die
Luft  in  den  ohnehin  mit  Menfchen  dicht  gefüllten  Wohnungen  nicht  blojz
unerträglich,  fondern  auch  höchft  gefundheitswidrig.  x )
In  der  Zigarrenhausinduftrie  findet  das  Trocknen  des  Rohtabaks, ­
  das  in  der  Fabrik  in  befondern  von  den  Arbeitsfälen  getrennten  Räumen
gefchieht,  über  oder  neben  dem  einzig  ftändig  erhaltenen  Feuer,  alfo  in  den
zum  Kochen  verwandten  Räumlichkeiten  ftatt,  die  zugleich  als  Arbeitsraum
und  häufig  als  Schlafraum  dienen.  Der  durch  das  Trocknen  erzeugte  ftarke
Tabakdunft  fowie  der  beim  Entrippcn  fich  entwickelnde  Staub  hat  den
denkbar  ungünftigften  Einflujz  auf  alle  Wohnungsinfaffen,  fpeziell  auf  die
Kinder.  2 )
In  den  kleinern  Werkftätten  der  Berliner  Kürfchnerei  zeigen
fich  die  den  kleinern  hausinduftriellen  Werkftätten  allgemein  anhaftenden
Mängel.  In  kleinen,  dunklen  Wohnungen,  die  meift  nur  aus  Stube  und  Küche
beftehen,  wird  gearbeitet,  ln  den  Arbeitsräumen  hält  |ich  die  Familie  des
')  A.  E  I  f  t  e  r,  Gefundheitsgefährliche  Heimarbeit,  im  „Archiv  für  Soziale  Medizin
una  Hygiene“,  Jena  1904,  I,  2,  115  ff.
2 )  E.  J  a  f  f  e,  Hausinduftrie  und  Fabrikbetrieb  in  derdeutfehen  Zigarrenfabrikation,
Sehr.  d.  V.  f.  S.  86,  312;  vgl.  Gefetzentwurf  betreffend  Zigarrenhausarbeit  vom
.23.  April  1907  (Verhandlungen  des  Reichstags  XII.  I.  Aktenftück  Nr.  329).
            
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