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rechnen. Die Arbeitskräfte, die in den Luxus
industrien tätig sind, werden vielleicht — soweit
sie nicht einberufen werden — in der Lebens
mittelindustrie Verwendung finden.
Es sind dies alles Fragen, die einer ein
dringenden Bearbeitung harren. Vergessen wir
nicht, daß wir bis jetzt nur eine unzureichende
Produktionsstatistik besitzen, und daß es großer
Mühe bedarf, um dieselbe auch nur in grober An
näherung für den Kriegsfall umzurechnen.
Praktische Fragen dringendster Art treten an
die Zivil- und Militärverwaltung heran; an erster
Stelle steht die Versorgung der Bevölkerung mit
Nahrungsmitteln und Kohlen. Insbesondere muß
die Frage historisch und systematisch studiert
werden, wie die Großstädte entsprechend ver
sorgt werden können. Im allgemeinen werden
diese Studien immer von Fall zu Fall angestellt,
ohne daß ausreichende Vorarbeiten vorliegen
würden; fehlen doch bis jetzt geeignete kriegs
wirtschaftliche Institute. Wenn die Verpflegung
der Großstädte in Betracht gezogen wird, muß
man einerseits die Möglichkeit der Zufuhr, ander
seits die Möglichkeit der Magazinierung erwägen.
Je größer die Magazine und die eingelagerten
Nahrungsmengen sind, desto später werden die
Bahnlinien für die Großstadtverpflegung in An
spruch genommen werden, desto länger stehen
sie der Mobilisierung ungestört zur Verfügung.
Sind die aufgestapelten Warenmengen zu gering,
so muß schon während der Mobilisierung die
Einschaltung von Lebensmittelzügen für die Zi
vilbevölkerung veranlaßt werden. Es ergibt sich
so die Notwendigkeit, einen allgemeinen Mobili
sierungsplan auszuarbeiten, der nicht nur die
Armee umfaßt, sondern die gesamte soziale
Struktur und auch auf die verbündeten Staaten
Rücksicht nimmt. Wie wichtig für den militäri
schen Widerstand entsprechende Vorsorgen sein
können, beweist eine Erfahrung aus dem russisch
japanischen Kriege. Rußland hatte bereits im Jahre
1904 einen zweijährigen Lebensmittelvorrat auf
der Insel Sachalin angehäuft. Der Vorrat reichte
für die Zivil- und Militärbevölkerung aus. Hätte
er z. B. nur für die Militärbevölkerung allein aus
gereicht, so würde die Insel bald dem Feinde in
die Hände gefallen sein. Dies alles läßt die For
derung gerechtfertigt erscheinen, die insbesondere
in Deutschland von Kriegswirtschaftlern vertreten
wird, daß gemischte Kommissionen, bestehend
aus Zivil- und Militärpersonen, ständig die Ge
samtmobilisierungsvorkehrungen beraten und er
gänzen.
Im Weltkriege der Zukunft dürfte insbeson
dere die Getreideversorgung eine große Rolle
spielen und daher auch das Vorhandensein von
Magazinen.
Wir sehen deutlich im modernen Staat
wieder das Bestreben auftauchen, die Getreide
versorgung der staatlichen Kontrolle zu unter
stellen oder sogar dem Staate direkt zu über
tragen. Zu Ende des 19. Jahrhunderts haben der
artige Anträge die Agrarier Deutschlands und die
Sozialisten Frankreichs gestellt, augenblicklich
denkt man in Rußland eifrig über diese Frage
nach. Die Entwicklung des landwirtschaftlichen
Genossenschaftswesens dürfte mit dazu beitragen,
die Schaffung von Magazinssystemen, die ganze
Reiche umspannen, zu beschleunigen. Wir sehen
die landwirtschaftlichen Genossenschaften heute
in der ganzen Monarchie in reger Tätigkeit be
griffen, sie erleichtern dem Bauer durch Ver
kaufsgelegenheiten den Absatz seiner Waren und
können durch Schaffung geeigneter Lagerhäuser
auch der Heeresverwaltung von großem Vorteil
sein. In Serbien scheint das Vorhandensein von
Dorfspeichern der Armee willkommen gewesen
zu sein, auch sollen die Genossenschaften sich in
mancher Richtung bewährt haben.
ln welcher Weise könnte die Heeresver
waltung diese 'Entwicklung des Genossenschafts
und Lagerhauswesens für sich ausnützen? Die
Heeresverwaltung ist an zwei Dingen vor allem
interessiert, an der Lage, eventuell auch an der
Ausführung des Magazins und an dem Vorhan
densein von Minimalvorräten. Bis jetzt sind nur
einzelne Fälle vorgekommen, daß die Aimeever-
waltung mit Genossenschaften Lieferungsverträge
abgeschlossen hat, in denen z. B. ausdrücklich be
züglich des von der Genossenschaft zu errich
tenden Lagerhauses eine Minimaldistanz von
dem Verpflegsmagazin angegeben erscheint. Es
wäre sehr gut denkbar, daß die Armeeverwaltung
prinzipiell mit allen neu zu gründenden
Lagerhäusern Verträge abschließt, durch welche
bestimmt wird, wo und in welcher Weise die
Magazine anzulegen sind, aus denen die Armee
verwaltung Lieferungen bezieht.
Für einen garantierten Minimalvorrat könnte
die Armeeverwaltung z. B. eine bestimmte Ver
zinsung Zusagen. Es ist hier nicht der Platz, auf
einzelne Schwierigkeiten einzugehen, die sich ins
besondere aus den verschiedenen Bedingungen
ergeben, unter denen die gemeinsame Intendanz
und unter welchen die beiden Landwehrinten
danzen arbeiten. Bis jetzt fehlt jedenfalls eine
systematische Ueberprüfung der Frage, wie sich
eine Subventionierung bestimmter Lagerhaustypen,
nach Analogie der Subventionierung von Motor
fahrzeugen, bewähren würde.
Ein Budgetposten dieser Art könnte leicht
von den Delegationen und den Parlamenten be
willigt werden, weil er indirekt eine Förderung
des Genossenschaftswesens bedeutet. Freilich
müßte dann für eine Kontrolle der Genossen
schaften, welche für die Armee liefern, durch Re
gierungs- oder Armeekommissäre Sorge getragen
werden. Aber das sind Einzelheiten, die hier nicht
näher erörtert werden können.
Es handelt sich dabei um Maßnahmen, wel
che nicht beliebig aufgeschoben werden können-
Es besteht ja gar keine Garantie, daß die heute