Full text: Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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11. Seine Lehren. 
a) Der historische Materialismus. 
Innerhalb einiger weniger kurzen Aufsätze ist es natürlich ganz 
ausgeschlossen, irgendwie näher auf das gewaltige Gedankenyebäude des 
Marxischen Riesengeistes einzugeben, nur in ganz groben Zügen, fresken- 
haft.gewissermaßen, können wir Die allerwichtigsten Erundlehren von Karl 
Marx, diesem. „Gesandten des Gatts der Geschichte", wie ihn der edle Neu 
kantianer Hermann Cohen in seiner prachtvollen „Ethik des reinen Wil 
lens" (2. Auflage, 18Ö7, S. 1312) mit Recht nennt, vorführen und zu ihnen 
kritisch Stellung nehmen. 
Vorher nür sei im engen Anschluß an den schon mehrfach hier angeführ 
ten Werner S o m b a r t (Sozialismus und soziale Bewegung, S. 88 flg.) 
eine ganz kurze Skizzierung seiner Persönlichkeit vorausgeschickt. Sie zeich 
net sich durch ein Uebermaß der Verstandestätigkeit aus. „Sein Wesen ist 
das des schonungslosen, illusionsfreien Kritikers." Zu natürlich, daß der 
fortgesetzte erbitterte Kampf gegen die obrigkeitlichen Gewalten in fast al 
len Staaten seines Aufenthalts, in Frankreich, Belgien und namentlich in 
Preußen, seine vielfachen Verfolgungen und zum größten Teil gehässigen, 
kleinlichen Anfeindungen sowie das jahrelange Londoner Exilselend ihn 
zum schonungslosen Beurteiler aller staatlichen und gesellschaftlichen Ein 
richtungen gemacht haben, und daß er sich mit einer wahren Vorliebe in der 
Rolle des Mephisto gefällt. Ein Ungewöhnlich schärfer Blick für alle 
Schwächen und unedlen Seiten des menschlichen Geschlechts ist ihm in ganz 
hervorragendem Maße zu eigen. Seine Feder ist eingetaucht in Gift Und 
Galle, keinerlei Gütiges, Versöhnendes ist ihm verliehen. Innig überzeugt 
ist er von der Richtigkeit des Satzes Hegels, seines großen philosophischen 
Antipoden, daß es nur das Böse sei, was alle Entwickelung im Menschen 
geschlechte bewirke. Seine ganze Weltauffassüng drückt sich in dem Satze aus: 
„Dem bösen Geist gehört die Erde, nicht 
Dem guten: was die Göttlichen uns senden 
Bon oben, sind nur allgemeine Güter, 
Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich, 
In ihrem Staat erringt sich kein Besitz." 
Daß Marx so ungeheüren Einfluß auf das ganze Geistesleben unserer 
heutigen Zeit und zugleich die Entwickelung der Arbeiterbewegung fast der 
gesamten Welt gewann, erklärt sich, wie Sombart sehr zutreffend ausführt, 
daraus, „daß er die Kenntnis der höchsten Form der Eeschichtsphilosophie 
seiner Tage mit der Kenntnis der höchsten Form sozialen Lebens jener 
Epoche, daß er Hegel und ^Westeuropa, d. h. Frankreich und England ver 
einigte, daß er wie in einer Linse alle Strahlen, die von fremden Denkern 
vor ihm ausgegangen waren, zufaminenzufassen wußte, ynd daß es ihm.— 
aus seiner internationalen Lebenssphäre heraus — gelang, von allen Zu 
fälligkeiten nationaler Entwickelung absehen Und das Typische des moder 
nen Gesellschaftslebens, das Allgemeine also im Besonderen erfassen zu kön 
nen." (S. 69.)
	        
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