Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Die  Luftschiffe  Zeppelins,  Groß'  und  Parsevals.  959  yy

Graf  Zeppelin  den  Betrag  von  6  096  555  Mark  als  Nationalspende  zur  Fortsetzung  seines
Lebenswerkes  entgegennehmen,  von  denen  1300  000  Mark  schon  am  Abend  des  Unglückstages ­
  von  Echterdingen  gezeichnet  waren!
Ter  Sieg  des  Luftschiffes  war  damit  gesichert!  Noch  mancher  stolze  Luftkrenzcr  ist  in
der  Folgezeit  durch  allerhand  widrige  Unfälle  zerstört  worden,  ohne  daß  jemals  Menschen
dabei  zu  Schaden  kamen,  aber  immer  neue  Luftschiffe  entstanden,  und  immer  sicherer  legen
sie  ivcite  Fahrten  mit  überraschender  Zuverlässigkeit  zurück.  Tie  Zeit  ist  sicher  nicht  mehr
fern,  wo  man  von  Land  zu  Land  regelmäßige  Luftfahrten  unternehmen  wird,  aber  das
Schönste  und  Erhabenste  in  der  bisherigen  Geschichte  des  Luftschiffs  war  doch  die  herrliche
Begeisterung  All-Deutschlands  in  den  Augusttagen  des  Jahres  1908  und  die  bewundernswerte ­
  Kundgebung  des  ganzen  Volkes,  die  allzeit  ein  stolzes  Ruhmesblatt  in  der  Geschichte
des  deutschen  Idealismus  bilden  wird.

857.  Das  Zeppelin-Luftschiff  Viktoria  Luise  bei  der  Vegatia  der  Mieter  Woche.
Hinter  den  Großtaten  der  Zeppelinlnftschifse  verschwanden  damals  die  verschiedenen
ähnlichen  Bestrebungen  andrer  tüchtiger  Erfinder  in  fast  bedauerlicher  Weise.  Major  Hans
Groß,  der  Kommandeur  des  preußischen  Luftschifferbataillons,  schuf  gemeinsam  mit  dem
Ingenieur  Basenach  ein  „halbstarres"  Luftschiff,  das  am  23.  Juli  1907  zum  erstenmal
aufstieg  und  wenige  Wochen  nach  Zeppelins  Triumphfahrt,  am  13.  September  1908,  eine
höchst  achtenswerte,  13stündigc  Nachtfahrt  von  Berlin-Tegel  nach  Magdeburg  und  wieder
zurück  unternahm.  Doch  scheint  dieses  System  noch  am  wenigsten  dauernde  Bedeutung
zu  erlangen.  —  Ein  dritter  deutscher  Offizier,  Major  August  v.  Parseval,  ein  Bayer,
wurde  gleichzeitig  der  Schöpfer  des  „unstarren"  Systems.  Ein  48  m  langes  Luftschiff  von
2500  cbm.  Inhalt,  das  tunlichst  wenig  Metall-  und  Holzbeitandteile  enthielt,  und  das
durch  zwei  ins  Innere  der  Gashülle  eingebaute  Balloiretts  eine  straffe  Form  erhielt,  stieg
schon  am  26.  Mai  1906  in  Tegel  bei  Berlin  zum  ersten  Male  auf.  Tie  Konstruktion  erfuhr ­
  in  der  Folge  noch  mehrfache  Verbesserungen,  und  ebenfalls  im  Jahre  1908  wurden
auch  Parseval  die  entscheidenden  Erfolge  beschert:  sein  neues,  58  in  langes  und  3800  cbm
fassendes  Luftschiff  entfaltete  eine  Eigengeschwindigkeit  bis  zu  14  m  in  der  Sekunde  und
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