Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

152 Die Eisenbahnen: Oberbau. 
volle Stege schräg nebeneinander lagen. Diese Anordnung ist in den 30 er Jahren in 
England viel angewandt worden. Der einfache schräge Stoß (Abb. 125b) ist wiederholt 
vorgeschlagen. Schon die schmiedeeiserne Nachschiene der Leipzig-Dresdener Bahn 1837 
hatte schräge Enden. Diese Form bewährte sich aber bei dem damaligen weichen Schienen 
eisen nicht. Etwa um die Mitte der 80 er Jahre wurde sie bei den harten Stahlschienen 
in Amerika erprobt und ist seitdem verschiedentlich, namentlich bei Straßenbahnen, in 
Anwendung gebracht. Auch für die zur Zeit im Bau begriffene Jungfraubahn hat man 
den schrägen Stoß gewählt. Bei Hauptbahnen hat er sich nicht bewährt, bei Straßen 
bahnen mit geringem Raddruck und kleiner Fahrgeschwindigkeit leidlich. 
Bei den Walzschienen der 1835 von Stephenson erbauten London-Birmingham 
Bahn kam zum erstenmal der in Abb. 125ci gezeichnete „Blattstoß" zur Verwendung. 
Er war auch für die in jenem Jahre eröffnete Nürnberg-Fürther Bahn vorgesehen, wurde 
aber der Kostenersparnis halber zu gunsten des stumpfen Stoßes fallen gelassen. Mitte 
der 40 er Jahre war er auf der bayerischen Staatsbahn benutzt. Der Blattstoß ist die 
beste aller bisher erprobten Stoßfvrmen. Er ist in der Neuzeit wiederholt in Ausführung 
gebracht. Im Jahre 1887 wurde er vom Osnabrücker Stahlwerk für Schienen mit einseitig 
zum Kopfe sitzendem Steg (Stegschienen) durchgebildet und zuerst 1890 bei der Hüggel- 
bahn dieses Werkes angewendet. Unabhängig davon wurde 
er 1890 von Rüppell und Kohn in Köln bei der links 
rheinischen und etwas später in ähnlicher Form bei der 
österreichischen Staatsbähn für Schienen mit dickem Steg 
(Dickstegschienen) verwendet. Die Rüppellsche Bauart 
erfordert nämlich Schienen von 18 mm Stegstärke, damit 
außer Kopf und Fuß auch der Steg auf die ganze Stoß 
länge (= 23 cm) in der Mitte geteilt, d. h. zur Hälfte 
fortgenommen werden kann. Beide Schienenenden treten 
also im Stoß mit je dem halben Querschnitt zusammen, so 
daß hier der Steg wieder 18 min dick ist. Mau büßt bei 
dem Blattstoß zwar an jeder Schiene 23 cm Sänge ein, das 
läßt sich aber bei Verwendung von 15 m langen Schienen 
gegen 9 oder 12 in lange durch Ersparnisse am sogenannten 
Kleineisenzeug (Laschen, Schrauben u. s. w.) wieder ein 
bringen; mindestens aber hat man eine vorzügliche Schienen 
geringeren Verschleiß und kleinere Unterhaltungskosten die 
teuerere Anlage mehr oder weniger ausgleicht, ganz abgesehen von dem besseren Gang 
der Fahrzeuge. 
Die Osnabrücker Stegschiene wird so verlegt, daß der Steg nach Abb. 126 abwechselnd 
rechts und links vom Stoße liegt. Auf der ganzen Stoßlänge liegen somit 2 volle Stege 
nebeneinander, was im Verein mit den kräftigen langen Laschen die Verbindung sehr wider 
standsfähig macht. Haarmann hat den Wechselsteg-Blattstoß für die verschiedensten Oberbau 
arten durchgebildet. Er ist auf Hauptbahnen zwar erst versuchsweise verlegt worden, dagegen 
schon in 470 km Länge auf Kleinbahnen einschließlich Straßenbahnen (Hannover n. s. w.), 
ferner in 26 km Länge auf der elektrischen Schwebebahn Barmen-Elberfeld. 
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Blattstoße sind bis jetzt recht gute. Die 
preußischen Staatsbahnen verwenden ihn nach Rüppell-Kohn für die Gleise eiserner 
Brücken, um das Geräusch der überfahrenden Züge zu dämpfen. Leider soll er im übrigen 
aus Ersparnisgründen nur auf Strecken mit lebhaftem Schnellzugsverkehr und ungünstigem 
Bettungsmaterial beschränkt bleiben. 
Auf amerikanischen Bahnen hat man neuerdings sich bemüht, die Stoßmängel durch 
brückenartige Laschen, welche auf den beiden, der Schienenfuge benachbarten Stoßschwellen 
fest ausruhen, zu beseitigen. Auch diese Anordnung ist alt. Schon 1849 führte I. Fowler 
auf der East Lincolnshirebahn eine kräftige gußeiserne Stoßbrücke nach Abb. 127 ein. 
Sie hatte verschiedene ähnliche Bauarten im Gefolge, aber alle verschwanden wieder aus 
dem Gleisbau, um etwa drei Jahrzehnte später in verbesserter Form in Nordamerika als 
„Fischerstoß" neu zu erstehen. Die vorzeitigen Erfolge desselben zeitigten zahlreiche 
125. Verschiedene KtnUarnirii. 
a stumpfer Stoß, b schräger Stoß, 
o schräger Blattstoß, d gerader Blattstoß 
Verbindung erzielt, die durch
	        
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