Heizfläche: Kesselausrüstung. 181
das Dominnere von dem Kessel noch durch durchlöcherte Blechplatten oder dergl. (vergl.
Abb. 165) ab, damit das Kesselwasser noch mehr von der Dampfentnahmestelle zurück
gehalten wird. An den Dampfcylindern sitzen zudem Hähne oder Ventile, um etwa in
ihnen vorhandenes Wasser schleunigst ins Freie ablassen zu können.
Kesselausrüstung. Jeder Lokomotivkessel muß nach gesetzlicher Vorschrift mit be
sonderen Teilen ausgerüstet sein, die stets die Höhe des Dampfdruckes, die Wasserfüllung,
namentlich den zulässig tiefsten Stand des Wasserspiegels anzeigen, die ferner das ver
brauchte Kesselwasser ersetzen und ein zu starkes Anwachsen des Dampfdruckes thunlichst
verhindern. Hierzu dienen die Dampfdruckmesser (Manometer), die Wasserstandszeiger,
die Speisevorrichtungen (Pumpen) und die Sicherheitsventile. Letztere öffnen sich selbst
thätig und lassen den überschüssigen Dampf ins Freie entweichen, sobald der Dampfdruck
die für jeden Kessel vorgeschriebene Grenze überschreitet. Außerdem muß jede Lokomotive
eine Dampfpfeife für die Signalgebung besitzen, sowie eine Bremsvorrichtung zum Anhalten.
Durch den Verbrauch des Dampfes in der Maschine sinkt der Wasserspiegel im Kessel.
Führer und Heizer erkennen dieses mit Hilfe der Wasserstandszeiger, die in der Regel
177. Explodierte Lokomotive bei Lninge» nahe Kitdroheim, 29. Juni 1894.
aus einem Wasferstandsglase (Glasröhre) und 2 bis 3 Probierhähnen bestehen (vergl.
W u. P in Abb. 169). Zerspringt das Glas, so treten die in verschiedener Höhenlage
angebrachten Probierhähne in Benutzung. Der obere Hahn soll, geöffnet, bei richtigem
Wasserstande stets Dampf geben, der untere dagegen, der in der Linie des zulässig niedrigsten
Wasserstandes sitzt, stets Wasser. Gibt auch er Dampf, so liegt Wassermangel im Kessel
vor. War kurz zuvor das Wasser im Glase noch sichtbar oder durch den Hahn nach
gewiesen, so kaun die Gefahr durch Speisen des Kessels abgewendet werden. In zweifel
haften Fällen muß aber das Feuer sofort vom Roste entfernt werden, denn es können
möglicherweise die vom Wasser entblößten Wandungen bereits erglüht sein. Füllt in solchem
Falle der Maschinist Wasser auf, so erfolgt plötzlich eine starke Dampfentwickelung.
Können dann die Sicherheitsventile den überschüssigen Dampf nicht entweichen lassen, so
steigert sich der Dampfdruck über den normalen oft erheblich. Falls nun die schwächste
Stelle des Kessels dem Drucke nicht mehr gewachsen ist, gibt sie nach, und die Explosion
mit ihren oft gräßlichen Folgen tritt ein. Die Zertrümmerung eines so zerstörten Kessels
ist meistens recht gründlich. Die einzelnen Kesselteile werden weit weggeschleudert und
richten oftmals auf ihrer Flugbahn noch viel Unheil an. Abb. 177 zeigt das Bild einer
im Jahre 1894 explodierten Güterzuglokomotive. Der Mantel des Langkessels, der
Schornstein und Dom waren hier in mehrere Stücke gerissen und lagen über 60 ur wei
zerstreut umher. Die Heizröhren waren infolge des plötzlich ringsum fehlenden Dru e»
durch das aus dem Inneren des Kessels hervorschießende Kesselwasser ausgebaucht, wahren»