Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Eisenbahnen:  Signalwesen  und  Weichensicherung.

Auf  weite  Entfernungen  hin  sind  aber  Farben  bei  Tage  nicht  zu  unterscheiden,  auch
nicht  immer  auf  nähere  Entfernungen  bei  gewissen  Luft-  und  Beleuchtungsverhältnissen.
Schon  die  Gebrüder  Chappe,  die  t792  ihren  bekannten  Flügeltelegraphen  von  Paris
nach  der  Ostgrenze  erstellten  und  daher  die  Begründer  der  Flügelsignale  sind,  hatten
wertvolle  Untersuchungen  über  diesen  Punkt  angestellt.  Ihre  wichtigsten  Ergebnisse
sind  folgende  drei:  1)  Die  Sichtbarkeit  des  weißen  Lichtes  ist  am  größten.  Wird  sie
gleich  1  gesetzt,  so  ist  die  eines  gleich  stark  brennenden  farbigen  Lichtes  nur  ein  Bruchteil
davon  und  zwar  rotes  Licht--  1 / Sl  grünes  Licht  =  J / 5 ,  blaues  Licht  --  */7*  Weißes
Licht  eignet  sich  jedoch  nicht  zur  Zeichengabe  auf  weite  Entfernungen,  da  es  unter  gewissen ­
  Feuchtigkeitsverhältnissen  der  Luft  farbig  (rot,  orange,  selbst  grün)  erscheinen
kann.  2)  Die  Sichtbarkeit  eines  beleuchteten  Körpers  nimmt  ab  mit  der  Quadratwurzel
seiner  Beleuchtungsstärke  und  seiner  Fläche.  3)  Unter  gewissen  Beleuchtungsverhältnissen
verschwinden  alle  Farben;  deshalb  eignet  sich  nur  die  Form,  nicht  die  Farbe  der  Signale
  zu  Fernzeichen.
Jsambart  Brunel  gab  in  Übereinstimmung  mit  dem  letzteren  Erfahrungssatze  den
von  ihm  auf  der  Great  Western-Bahn  eingerichteten  Signaltafeln  neben  der  Farbe  auch
besondere  Formen,  die  das  Erkennen  sehr  erleichterten.  Sind  nun  auch  jene,  zum  Teil
höchst  seltsamen  Brunelschen  Sigualbilder  in  der  Folge  nicht  beibehalten,  so  sind  doch
auch  unsere  heutigen  sichtiiP)


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286  bis  288.  Atteste  Standstgnate
286  der  Liverpool-Manchester  Eisenbahn,  287  der  Grand-Junction  Bahn,
288  der  Great  Western-Bahn.

baren  Signale  ebenfalls
auf  Farben  und  Formen ­
  begründet.  Die
ältesten  Signale  der
Great  Western-Bahn  gibt
Abb.  288  wieder.  Die
rechteckige  rote  Scheibe
bedeutete  „Halt",  die
runde  weiße  „Fahrt".
Hier  finden  wir  auch
zum  erstenmal  das  Fahrsignal ­
  ausdrücklich  durch
ein  besonderes  Zeichen
erteilt,  während  die  Abb.  286  u.  287  die  Fahrt  durch  das  Fehlen  eines  solchen  andeuten.
Im  Eisenbahnbetriebe  kann  aber  volle  Sicherheit  nur  durch  Befehlsformen,  nicht  durch
Unterlassungsformen  erzielt  werden.  Letztere  wurden  deshalb  auch  später  überall  aufgegeben ­
  und  der  in  Abb.  288  niedergelegte  Gesichtspunkt  allein  zur  Geltung  gebracht.
Das  jetzt  auf  allen  Bahnen  übliche  Mastensignal  mit  Flügeln  oder  Armen  (Semaphore) ­
  wurde  1842  durch  Gregory  erfunden  und  zuerst  auf  der  englischen  Croydon-Bahn
  zur  Anwendung  gebracht.  Die  Signalmasten  standen  am  Bahnsteig,  entsprachen
also  unseren  heutigen  Stationssignalen,  den  hörne  signals  der  Engländer.  Ihre  Flügel
wurden  durch  einen  unten  am  Maste  befindlichen  Handhebel  gestellt.  Drei  Signale
konnten  gegeben  werden:  „Halt"  durch  wagerechte  Flügellage,  „Vorsicht"  durch  schräg
nach  unten  zeigende,  „freie  Fahrt"  durch  senkrechte,  also  nicht  sichtbare.  Nach  Findlays
Angabe  kam  1846  ein  findiger  Weichensteller,  dem  die  Bedienung  zweier  von  seiner
Bude  abseits  stehender  Mastensignale  übertragen  war,  auf  den  Gedanken,  diese  entfernten ­
  Signale  von  seiner  Hütte  aus  durch  ein  Stück  Draht  zu  stellen,  so  daß  er  sich
die  Wege  nach  und  von  den  Masten  ersparen  konnte.  Als  Belastungsgewicht  diente  ihm
ein  alter  Schienenstuhl.  Damit  war  die  Möglichkeit  gezeigt,  Flügelsignale  aus  der  Entfernung ­
  zu  stellen,  und  das  „Distanzsignal"  —  ein  heutigestags  bis  1000  nr  weit
über  das  Stationssignal  hinausgeschobener  Signalmast  —  wurde  eingeführt.  Es  zeigt
dem  englischen  Lokomotivführer  schon  von  weitem  die  Stellung  des  Stationssignals  an.
Steht  letzteres  ans  „Halt",  so  zeigt  das  Distanzsignal  ebenfalls  „Halt",  aber  in  der  Bedeutung ­
  von  „Langsam  fahren".  Der  Führer  muß  dann  die  Geschwindigkeit  seines  Zuges
so  weit  mäßigen,  daß  er  unter  allen  Umständen  den  Zug  dicht  vor  dem  Stationssignal
            
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