Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Sicht-  und  hörbare  Signale.

zum  Halten  bringen  kann,  falls  dieses  bis  dahin  noch  „Halt"  zeigt.  Aus  dem  Distanzsignal
hat  sich  das  deutsche  „Vorsignal"  (Abb.  9  auf  der  Signaltafel)  entwickelt.  In  Deutschland ­
  darf  grundsätzlich  niemals  über  ein  Haltsignal  hinausgefahren  werden.
Als  dann  1853  das  auf  S.  308  geschilderte  Blockverfahren  zur  Einführung  gelangte,
wurden  auch  Ausfahrsignale  notwendig.  Diese  drei  Arten:  Stations-,  Distanz-  und
Ausfahrsignale  sind  heutigestags  auf  allen  englischen  Bahnen  gebräuchlich.  Auf  den
deutschen  Linien  haben  wir  ebenfalls  eine  Dreizahl:  Einfahr-,  Vor-  und  Ausfahrsignale.
In  beiden  Ländern  bezeichnet  die  wagerechte  Flügellage  „Halt"  oder  „Gefahr",  dagegen
wird  in  Deutschland  „Fahrt"  durch  den  unter  45°  schräg  nach  oben  gerichteten,  in  England ­
  durch  den  ebenso  nach  unten  geneigten  Flügel  angezeigt.
Entsprechend  dem  Rechtsfahren  der  deutschen  Bahnen  weist  hier
der  Flügel  —  von  dem  Zuge  aus  betrachtet  —  stets  nach  rechts,
in  England  dem  dort  üblichen  Linksfahren  entsprechend  nach  links.
Die  Mastenhöhe  kommt  drüben  bis  zu  21  m  vor.  Abb.  289
zeigt  ein  englisches  Mastensignal  für  2  in  gleicher  Richtung  befahrene ­
  Gleise  mit  kurzen  Stationsabständen.  Die  oberen  Flügel
stellen  das  Stations-  bezw.  Ausfahrtsigual  dar,  die  unteren,
durch  einen  Pfeilausschnitt  gekennzeichneten,  das  Distanzsignal.
Vergl.  auch  Abb.  294  u.  325.
Neben  den  sichtbaren  Signalen  haben  sich  sehr  bald  auch
die  hörbaren  als  notwendig  erwiesen.  Die  Abfahrt  der  Züge,
das  Ingangsetzen  einzelner  Lokomotiven  bedingte  aus  naheliegenden ­
  Sicherheitsgründen  für  Reisende  und  Beamte  ein  zuvor ­
  gegebenes,  weithin  hörbares  Signal;  desgleichen  die  Annäherung ­
  an  einen  Gleisabschnitt,  auf  welchem  Hindernisse
(Menschen,  Tiere)  bemerkt  wurden;  nicht  minder  der  Beginn  des
Anziehens  der  Bremsen,  sowie  ihres  Lösens  u.  s.  w.  Derartige
Signale  wurden  anfangs  mit  dem  Rufhorn,  später  mit  der  Dampftrompete ­
  (Abb.  205)  gegeben,  dann  seit  Mitte  der  30  er  Jahre
von  der  jetzt  überall  herrschenden,  weit  wirksameren  Dampfpfeife. ­
  Anfangs  von  der  Öffentlichkeit  mit  Entsetzen  und  Unwillen ­
  aufgenommen,  hat  letztere  sich  als  eines  der  nützlichsten
Signalmittel  erwiesen.  Der  schon  genannte  geistvolle  Eisenbahn-Schriftsteller
  Max  Maria  v.  Weber  gibt  in  seiner  1867  erschienenen ­
  Schrift:  „Das  Telegraphen-  und  Signalwesen  der
Eisenbahnen"  für  ersteres  einige  köstliche  Belege.  So  klagte  der
„Globe"  im  Juli  1834,  „daß  es  als  ein  Rückschritt  in  der  Zivilisation ­
  bezeichnet  werden  müsse,  wenn  man  gestatte,  daß  dieses
entsetzliche  Geschrei,  gegen  welches  das  Kampfgeheul  der  Rothäute ­
  Wohllaut  sei,  mitten  in  großen  Städten  am  Wohnplatze  2  9
der  stillen  geistigen  Thätigkeit  und  an  den  Edelhöfen  der  ge-  EnglW-o°M«stknstsliai.
nießenden  Nobility  erklingen  dürfe."  Andere  Blätter  machten
auf  die  Gefahren  aufmerksam,  welche  dieses  markerschütternde  Schreien  auf  Frauen  mit
zarten  Nerven  und  auf  Kranke  haben  müsse,  welches  Unheil  angerichtet  werden  könne,
wenn  Zugtiere  dadurch  scheu  würden  —  und  so  kam  es  nahe  an  die  Möglichkeit,  daß  das
Instrument  verboten  wurde.  Nur  die  Klarheit,  mit  der  dessen  hohe  Nützlichkeit  für  die
Sicherheit  des  Eisenbahnbetriebes  nachgewiesen  wurde,  rettete  dasselbe.
Außer  den  vorgenannten  wurden  auch  für  mancherlei  andere  Zwecke  des  Eisenbahnbetriebes ­
  sicht-  und  hörbare  Signale  nach  und  nach  eingeführt.  Dahin  gehören  die
Knallsignale,  welche  1846  in  England  erfunden  wurden  und  von  denen  weiter  unten
die  Rede  ist;  ferner  auch  die  Signale  des  Zugpersonals,  um  die  Lokomotivführer
in  gewissen  Fällen  zum  Langsamfahren  oder  Halten  zu  veranlassen.  Eine  der  ältesten
und  zugleich  seltsamsten  Ausführungsformen  hierfür  war  die  Tenderwache.  Ein  auf
dem  Tender  eigens  dazu  bestimmter  Mann  mußte  während  der  Fahrt  stets  den  Zug
            
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