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326 Eisenbahnen: Zugdienst.
es lassen sich daher, wie auch in Frankreich, die Gefällstrecken besser ausnutzen, und deshalb
werden dort Höchstwerte von 120 bezw. 130 Lin/Std. bei einzelnen Zügen erreicht.
Die Gepäckbeförderung ist in den einzelnen Ländern sehr verschieden, sowohl
an Gewicht des Freigepäcks, wie in der Beförderungsart. Während in Deutschland das
Gepäck gewogen und beklebt wird und der Reisende einen sogenannten Gepäckschein
erhält, der ihm die Aushändigung des Gutes an der Bestimmungsstation sichert, muß
sich in England der Reisende an letzterer selbst darum bemühen. Wohl wird es beklebt,
aber an der Endstation muß es vom Besitzer auf dem Bahnsteig am Gepäckwagen in
Empfang genommen werden, was gerade nicht zur Annehmlichkeit der Reise beiträgt.
In Amerika wird das Gepäck vielfach nicht gewogen, es auch mit der Freigewichtsgrenze
nicht genau genommen. Der Reisende erhält bei Abgabe desselben eine Blechmarke,
eine zweite gleicher Art wird mittels Riemens an dem Frachtstücke befestigt. Vor der
Endstation nehmen besondere Agenten der Gepäckbeförderungsgesellschaften die Wünsche
der Reisenden im Zuge entgegen und besorgen ihm die Sachen schnell nach dem
Hotel u. s. w., so daß man beim Verlassen des Bahnhofs der Gepäcksorge enthoben ist.
Die amerikanische Gepäckbehandlung ist versuchsweise auch in einem Bezirke der preußischen
Staatsbahnen eingeführt.
Die Benutzung der einzelnen Wagenklassen weicht sehr von einander ab. Nachstehende
dem „Bulletin de Statistique 1899“ entnommene Übersicht gibt für sechs europäische
Länder bemerkenswerten Aufschluß hierüber.
Zahl der beförderten Personen
Einnahmen in Prozenten der Gesamt-
Länder
in Prozenten des Gesamtverkehrs
einnähme des Personenverkehrs.
I. Kl.
II. Kl.
III. Kl.
I. Kl.
II. Kl.
III. Kl.
Deutschland
0,6
10,2
89,2
4,9
26,9
68,2
Österreich
1,2
12,7
86,1
7,5
27,6
64,9
Rußland
1,4
7,1
91,5
6,2
15,1
64,1
England
3,6
8,1
88,3
12,4
10,6
77,0
Holland
7,0
23,0
70,0
16,5
36,2
47,2
Frankreich
8,0
36,0
56,0
21,0
. 27,0
52,0'
Hiernach wird in allen diesen Ländern die III. Wagenklasse am meisten benutzt
Die I. Wagenklasse ist in Deutschland nur schwach besetzt, in Frankreich und Holland
dagegen erheblich stärker. Der Anteil der in Norddeutschland bestehenden IV. Klasse ist
in obiger Übersicht der III. Klasse zugerechnet worden. Die dort bezüglich der Einnahmen
angegebene Verhältniszahl (68,2°/ 0 ) verteilt sich mit 20,7% auf die IV. und mit 47,5%
auf die III. Klasse.
Um die vorstehenden Zahlen richtig vergleichen zu können, ist die Kenntnis der
Fahrpreise erforderlich. Wir beschränken uns auf Deutschland und stellen mit der heutigen
Preislage die Werte aus dem Jahre 1840 zusammen. Für die damals bestehende Leipzig-
Dresdener Eisenbahn bestanden für die einfacheFahrt folgende auf Mark umgerechnete Preise:
Jahr 1840.
Von Leipzig nach
Entfernung
von Leipzig
Fahrpreis in der Wagenklasse
I 1 II ( III
Riesa . . .
Dresden . .
66 km
115 „
Jahr
5,40 Mk.
9,00 „
1900.
4,10 Mk.
6,80 „
2,70 Mk.
4,50 „
Fahrpreis für 1 km: Einfache Fahrt.
Preußische StaatSbahncn.
Wagenilasse
i ! ii i in I iv
Bayrische Staatsbahnen.
Wagenklasse
I 1 II 1 III
Bemerkungen:
Personcnzng .
Schnellzug. .
Fahrpi
Personenzug .
Schnellzug. .
8 Pfg.
9 „
-eis für
}12
6 Pfg.
6,67 „
L km: H
9
4 Pfg. 1 2 Pfg.
4,67 „ 1 -
in- und Rückfahrt
o! -
8 Pfg.
9,1 „
(Rückfal
13,3 Pfg.
15,5 „
5.3 Pfg.
6.4 „
rkarte).
8 Pfg-
10,2 „
3.4 Pfg.
4.5 „
5,3 Pfg.
1.5 „
Die IV. Wagenklasse
fehlt auf den süddeut
schen Bahnen, desgl.
in Schnellzügen.
Eine Änderung der
Einheitspreise wird an
gestrebt.