422
Stromkorrektioncu.
Seitdem verschwand die Dampfkraft nicht wieder von den Wasserläufen, und in einer
immer vielgestaltigeren Form fand sie Ausnutzung. Das Dampfboot wurde dem Güter
transport nutzbar gemacht, indem es entweder selbst diese Güter aufnimmt oder indem
es lange Schleppzüge die Flüsse ab- und aufwärts bewegt. Welche Umwandlung durch
die Dampfkraft auf diesem Gebiete eingetreten ist, wird ersichtlich, wenn man sich den
früheren Schiffahrtsbetrieb vergegenwärtigt. Zur Bergfahrt wurden, wie auch vereinzelt
heute noch, zum Ziehen der Schiffe Menschen, Pferde und, wenn die Umstände günstig
waren, der Wind benutzt. Im Anfange dieses Jahrhunderts hatten die Rheinschiffe
eine höchste Ladefähigkeit von 5000 Zentnern. Man brauchte für diese für die Berg
fahrt etwa 12 Pferde. Die Fahrt von Amsterdam bis Düsseldorf beanspruchte 8 bis
10 Tage, die Kosten einer Bergfahrt beliefen sich damals auf 3000 Thaler, heute
betragen dieselben höchstens 300 Thaler. Die Ladefähigkeit beträgt heute über
20 000 Zentner.
Neben den eigentlichen Schleppdampfern hat man die Dampfkraft in der Tauerei,
d. h. der Seil- und Kettenschiffahrt ausgenutzt. Hierbei zieht sich das Schleppschiff mit
dem angehängten Schleppzug an einer auf der Sohle verlegten Kette oder einem Seile
entlang. Das Bestreben ist darauf gerichtet, die Dampfkraft für diesen Zweck durch
43-t. Elektrisches Dauertisot.
die elektrische Energie zu ersetzen, und der menschliche Scharfsinn beschäftigt sich zur Zeit
damit, als Kraftquelle zur Erzeugung des elektrischen Stromes die Flußläufe selbst aus
zunutzen, und zwar gilt es, neben dem strömenden Wasser die vorhandenen Staudämme
und Wehre nach dieser Richtung hin nutzbar zu gestalten, eine Aufgabe, die jedoch noch
nicht ihre Lösung gefunden hat. Auf die besondere Ausgestaltung des Schiffszuges auf
den Kanälen wird im Abschnitt „Schiffahrtskanäle" zurückzukommen sein.
Siromkorrektionen.
Handel und Schiffahrt stehen in enger Wechselwirkung zu einander. Wie die zahl
reicher und reger gewordenen Handelsbeziehungen einen gewaltigen Aufschwung der
Schiffahrt im Gefolge gehabt haben, so wirkt jede Verbesserung der Schiffahrtseinrich
tungen vermehrend und fördernd auf Handel und Industrie und damit auf Wohlstand,
Reichtum, Macht und Lebensfähigkeit der Völker. Die Beförderung der wachsenden
Gütermengen verlangt gebieterisch den Bau immer größerer Schiffe; diese bedürfen tieferer
Wasserstraßen für die Fahrt, größere und tiefere Hafenbecken für die Landung. Die
meisten großen Häfen liegen an den Mündungen der Ströme und oberhalb derselben.
Die oberhalb der Strommündung gelegenen Häfen bildeten früher vielfach die Grenze
zwischen Fluß- und Seeschiffahrt; in den letzten Jahrzehnten ist dies anders geworden,
indem mancher dieser Häfen wegen ungenügender Fahrwassertiefe den neueren tiefer
gehenden Schiffen unzugänglich geworden ist. Als Beispiel sei hier nur Bremen an-