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Seehäfen.
Hellinge, Schleppen oder Slips. Größere Ausbesserungen führt man lieber
ans dem Lande aus, als im Trockendock, damit dieses nicht allzulange von einem Schiff
besetzt und für andere unbenutzbar ist. Man hat daher schiefe Ebenen konstruiert, auf
welchen das Schiff vom Wasser aus auf das Land gezogen wird. Die einfachste Vor
richtung ist ein Helling, wie zum Stapellauf dienend. Vor Erfindung der Mortonschen
Patentschleppe war zum Aufschleppen eines Schiffes eine Zugkraft gleich J / 6 des Schiffs
gewichtes notwendig. Bei den Patentschleppen wird das Schiff statt auf einem Schlitten
auf einem niedrigen Wagen mit auf Schienen laufenden Rollen aufgeschleppt, wodurch
die Reibung von 1 / lt auf 1 / 40 des Schiffsgewichtes verringert ist. Die Vorwärtsbewegung
des Wagens geschieht durch Wasserdrnckpressen; Sperrklinken, welche in eine Zahnstange
in der Mitte des Geleises einfallen, verhindern das Zurückgehen des Wagens. Statt in
der Längsrichtung werden kleinere Schiffe auch in der Querrichtung aufgeschleppt. Neben
den mit der Größe der Schiffe sich rasch steigernden Betriebskosten haben die Schleppen
noch den Nachteil starker Abnutzung und schwieriger Unterhaltung, sowie nachteiliger Ein
wirkungen auf den Schiffskörper.
Erhaltung der Tiefe der Häfen. Um einem Hafen seine Leistungsfähigkeit
zu erhalten, sind die baulichen und maschinellen Einrichtungen, wie Kräne, Brücken,
Docks, Schleusenthvre, Gleisanlagen, Speicher, Ladestraßen u. s. w., jederzeit in bestem
Stand zu erhalten. Ein Hanpterfordernis ist aber die Erhaltung der Wassertiefe
in den Hafenbecken, dem Vorhafen und der Hafeneinfahrt. Denn alle Hafenbecken er
fahren im Laufe der Zeit eine Aufhöhung ihrer Sohle und damit eine Verminderung
ihrer Wassertiefe entweder durch Verunreinigung von den Hafen durchströmenden oder
in denselben sich ergießenden Wasserläufen, oder durch Sandzuführung infolge von Küsten
strömungen und endlich auch durch die Abfälle von den Schiffen beim Löschen von Ballast,
Kohlen u. dergl. Die Aufhöhung der Sohle kann je nach den örtlichen Verhältnissen
30 ein bis 1 m im Jahre betragen. Das beste Mittel gegen die Verflachung eines Hafens
ist eine kräftige natürliche Durchströmnng des Hafens durch einen Wasserlauf oder infolge
einer Küstenströmung oder von Ebbe und Flut. Wo solche natürliche Strömung an sich
nicht kräftig genug ist, kann ihre Wirkung durch Anlage künstlicher Leitdämme, durch
welche die Strömung zusammengehalten wird, gesteigert werden. In Ermangelung natür
licher Durchströmung hat man Ablagerungen auf der Hafensohle durch künstliche Spülung
zu beseitigen gesucht, indem man in geschlossenen Hafenbecken, oder in eigens zu diesem
Zweck angelegten, durch Spülschleusen abgeschlossenen Spülbecken bei Flut große Wasser-