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dingungen bestimmen demnach die Grenzen des Bergbaues. Da
mit bestimmen sie
I. die sog. Abbauwürdigkeit der Fiötze, d. h. die Mindestmäch
tigkeit, bei welcher jeweils der Abbau noch lohnt. Je tiefer ein
Schacht ist, desto schwieriger ist allgemein schon der Abbau
an sich: der Gebirgsdruck, die Temperatur des Gebirges, die Schlag
wetterentwicklung nehmen zu. Damit wird die Bewetterung schwie
riger. Gleichzeitig ist ein grösseres Anlagekapital erforderlich.
Und so werden in der Tat »auch viele Lagerstätten, die in mitt
leren Teufen noch mit Vorteil ausgebeutet werden können, in
grosser Tiefe unbauwürdig allein durch die bedeutend gesteiger
ten Kosten des Abbaues« 1 ). Die Gewinnbarkeit als solche ist
infolge des grösseren Gebirgsdruckes vielleicht leichter 1 2 ). Somit
ist der Begriff der Bauwürdigkeit ein äusserst relativer. Neben
natürlichen Verhältnissen spielt die jeweilige Abbautechnik eine
grosse Rolle. Das zu erstrebende Ziel dieser muss sein, die Ab
bauwürdigkeit der Fiötze auszudehnen, d. h. schwieriger zu bau
ende Fiötze ohne zu grosse Preissteigerungen auch abzubauen,
damit die Kohlenvorräte nicht verloren gehen. Ich erwähne hier
die volkswirtschaftlichen und privatwirtschaftlichen Vorteile des
Schlammversatzverfahrens 3 ). »Das Spülverfahren wird einen emi
nenten staatswirtschaftlichen Nutzen mit sich bringen, weil damit
auch z. Z. als unbauwürdig in der Grube belassene Fiötze für
die spätere Gewinnung reserviert bleiben, während nach dem ge
genwärtigen Stande der Technik die auf einer Sohle nichtgewinn
baren Kohlenvorräte für alle Zukunft als verloren gelten müs
sen« 4 ).
Ferner ist der Einfluss der Qualität der Kohle auf die Bau
würdigkeit zu beachten. Die für gute Sorten gezahlten Preise
ermöglichen den Abbau geringerer Fiötze.
Es bleibt uns noch übrig, für die Bauwürdigkeiten der Fiötze
1) Hraback-Tietze, Ueber die Möglichkeit des Abbaues in grossen Tiefen. Gl.A.
1901. 277.
2) Gl.A. 1904. 1240.
3) Dies besteht darin, dass in die abgebauten Hohlräume durch Röhrenleitungen
eine breiigflüssige Masse (Sand, Lehm, gemahlene Hochofenschlacke) gespült wird,
wodurch die mit den unterirdischen Hohlräumen verbundenen Gefahren (Einsturz des
darüber befindlichen Hangenden, oberirdische Brüche) fast beseitigt werden.
4) Jahresbericht des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamts
bezirk Dortmund 1903. I. 66.