550 Schiffahrtszeichen.
Schwankungen der Boje in Schwingungen geraten und die Glocke anschlagen, wie in
Abb. 535 dargestellt ist.
Diese Glockenbojen haben jedoch den Nachteil, daß sie bei ruhiger Witterung, bei
der vorzugsweise die Nebel eintreten, und daher ihre warnende Stimme am nötigsten ist,
den Dienst versagen. Besser bewährte sich die von dem Amerikaner Courtenay Anfang
der 70er Jahre erfundene Heulboje, die in Amerika vielfach Verwendung gefunden
hat; auch an der deutschen Küste wiegen sich drei solche Truen, vor den Einfahrten in
die Kriegshäfen Kiel und Wilhelmshaven und bei dem Fedderort-Riff unweit Hela.
Die Heulboje wirkt als Pfeife, sie besteht aus einer 4 in hohen eisernen Boje, die von
einem 7 bis 9 in unter den Wasserspiegel reichenden Rohre durchdrungen wird. In
diesem Rohre steht der Wasserspiegel immer gleich hoch, weil in der Tiefe von 7 bis
9 m die Wellenbewegung sich kaum mehr fühlbar macht. Hebt sich die Boje, so ver
dünnt sich die Luft in dem Rohr, sinkt die Boje, wird die Luft verdichtet. Durch verschiedene
Röhren und Ventile im Inneren der Boje wird die Luft in dieser wie in einem Wind
kessel aufgespeichert und bringt von Zeit zu Zeit, wenn die Verdichtung einen gewissen
Grad erreicht hat, eine oben auf der Boje angebrachte Signalpfeife so stark zum Tönen,
daß sie bei gewöhnlichen Witterungsverhältnissen 7 bis 9 km, bei Sturm noch etwa
2 kru weit hörbar ist.
Bojen, die zwar nicht bei Nebel sich bemerkbar machen wie die Heulbojen, aber nicht
nur bei Tage, sondern auch bei Nacht sichtbar sind, sind die von Julius Piutsch*) in
*) Der Erfinder der Gasbojen, Julius Pintsch, ist im Jahre 1884 in Berlin im 70. Lebens
jahr als Kommerzienrat gestorben. Er war ein Berliner Kind und hat sich wie mancher andere
aus bescheidenen Berhältnissen — er war früher Klempnergescll in einer Kellerwcrkstatt — durch
Fleiß, Thatkraft und Erfindungsgabe zum Großindustriellen emporgearbeitet. Durch seine Er
findungen zur Beleuchtung der Eisenbahnwagen und Seezeichen mit Fettgas ist sein Name aus
der ganzen Erde bekannt.