Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Englisch-ostindische Überlandpost. Postamt aus der Boobyinsel. 765 
Bewunderung erregend durch die Massenhaftigkeit der mit ihr zur Beförderung ge 
langenden Briefe ist die 
Englisch-ostindische Überlandpost. Während diese bis zum Jahre 1870 über 
Marseille und Suez befördert wurde, nimmt sie gegenwärtig ihren Weg über Brindisi 
und Suez. Die Abfertigung der Post aus London erfolgt ivöchentlich einmal, und zwar 
des Freitags abends. Sie durchläuft Calais Sonnabend um 12^ Uhr früh, Paris an 
demselben Tage um 7 Uhr morgens, geht dann durch den Mont Cenis und quer durch 
Italien nach Brindisi, immer unter der Obhut eines englischen Postbegleiters, ivelcher 
Sonntags abends an letzterem Orte eintrifft. Dort wird die Post sogleich auf einen 
Dampfer der Peninsular- und Oriental-Steam-Navigation-Company übergeladen, welcher 
sie durch den Suezkaual nach Suez bringt. Von da geht das Schiff mit der Post jeden 
Donnerstag ab, berührt Aden und fährt von hier direkt nach dem Bestimmungsorte 
Bombay, wo es Sonnabends nachmittags eintrifft. Die Entfernung zwischen London und 
Brindisi, welche 2384 km beträgt, wird in 45 Stunden, diejenige zwischen Brindisi und 
Bombay in 13 Tagen zurückgelegt. Die Beförderung vom Anfangs- bis zum Endpunkte 
der Linie geschieht demnach in 15 Tagen, während früher (vor dem Jahre 1834), als 
die Beförderung noch um das Kap der Guten Hoffnung stattfand, dazu 84 Tage nötig 
ivaren. Die Fahrt über Brindisi hat sich im allgemeinen im Vergleich zu derjenigen über 
Marseille als die vorteilhaftere erwiesen, da der Weg über Brindisi eine schnellere Be 
förderung gestattet. Eine Zeitlang hat die Post auch ihren Weg durch Deutschland über 
Triest und später über den Brenner genommen, und sie wird ohne Zweifel auf die deutsche 
Linie zurückkehren, sobald im Anschlüsse an die Eisenbahnlinie Wien-Konstantinopel die 
Bahn von Haidar-Pascha über Konia nach Bagdad fertig gestellt und von da noch bis 
Bassora weitergeführt sein wird. 
Die Peninsular- und Oriental-Steam-Navigation-Company besorgt die Beförderung 
schon seit dem Jahre 1840 und erhält dafür von der englischen Regierung eine Beihilfe 
von 5 200000 Mark. Die gewöhnliche Post umfaßt etwa 800 bis 1000 Briefsäcke, 
von denen jeder ungefähr 25 kg wiegt, tritt jedoch die australische Post hinzu, was 
alle 14 Tage geschieht, so vermehrt sich die Zahl der Säcke auf etwa 1200 Stück, zu 
deren Fortschaffung fünf bis acht Eisenbahnwagen erforderlich sind. Im Berwaltungs- 
jahre 1891/92 sind mit der englisch-ostindischen Überlandpost nach Indien im ganzen 
58 539 Postsäcke und in umgekehrter Richtung 19 342 Säcke befördert worden. Der 
Postverkehr nach Indien ist also viel stärker als der aus Indien. Daß bei solchem Ber- 
kehrsumfauge keine häufigere als eine wöchentlich einmalige Postverbindung zwischen Ost 
indien und England besteht, ist für das Sparsamkeitssystem der englischen Postver 
waltung bezeichnend. 
Postamt auf der Boobyinsel. Nur wenigen wird diese einzig in ihrer Art da 
stehende postalische Einrichtung in den gefährlichen, korallen- und klippenreichen nordaustra 
lischen Gewässern bekannt sein. Hier ereignen sich häufig Schiffbrüche, und namentlich ist 
es die zwischen Neuguinea und Australien liegende Torresstraße, welche unter den See 
fahrern eine traurige Berühmtheit erlangt hat. In ihr liegt unter 10° 36' südl. Breite 
und 141° östl. Länge die Boobyinsel, aus der sich ein ozeanisches Postamt von ganz 
eigentümlicher Beschaffenheit befindet. Die englische Admiralität hat dort für einen 
Briefkasten sowie für Vorräte zum Nutzen der Seefahrer aller Nationen gesorgt. Ein 
hoher Flaggenstock deutet die Örtlichkeit an; am Fuße derselben befindet sich eine Tonne 
mit der Aufschrift „Postamt". Dort liegen Papier, Tinte, Federn und ein Buch, in welches 
man den Namen und Bemerkungen einträgt, die für später kommende Seefahrer von Nutzen 
sein können. In der Tonne befindet sich eine Blechbüchse mit einer Menge von Brief 
schaften. Wenn Schiffe aus dem Atlantischen Ozean vorbeikommen, so legen sie ihre Briefe 
nach der Heimat in die Büchse nieder, und wenn Schiffe aus der anderen Richtung die 
Insel passieren, so nehmen sie diese Briefe mit, soweit sie dieselben ihren Bestimmungs 
ländern zuführen können. In der Tonne lagern ferner Vorräte von Zigarren, Zucker, 
Thee, Salz, Tabak, Schiffsbrot, gesalzenem Fleisch und Rum; denn jedes Schiff, welches
	        
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