fullscreen: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

Es liegt aber in der Natur der Sache, daß man für viele 
zwar allgemein bekannte Dinge doch keine bestimmten Tatsachen 
anzuführen vermag. So z. B. über die finanzielle Lage be 
stimmter privater Betriebe. Die von diesen veröffentlichten 
Geschäftsberichte geben erfahrungsgemäß äußerst selten zuver 
lässige und klare Bilder der wahren finanziellen Lage. Es ist 
jedem im wirtschaftlichen Leben Orientierten bekannt, daß diese 
Geschäftsberichte aus mannigfachen Gründen tendenziös ge 
färbt werden- Das kann man als Außenstehender mangels in 
timer Kenntnis der finanziellen Methoden zwar nicht immer im 
Einzelnen durch bestimmte Tatsachen beweisen, aber doch ist es 
so. So hatten wir in unserer Eingabe vom 18. März 1918 u. a. 
hervorgehoben, daß die Bergarbeiter der Ueberzeugung sind, die 
finanzielle Lage der Werke sei schon in der Vorkriegszeit von 
jeher eine so günstige gewesen, daß ihnen ein angemessenes Ent 
gegenkommen in der Lohnsrage möglich gewesen wäre, - selbst 
wenn die Werke während des Krieges keine Gewinne erzielt 
hätten. Das wußten wir damals auch und alle mit dem hiesi 
gen Bergbau Vertrauten, aber wir waren in dem Augenblicke 
nicht in der Lage, dies durch Zahlen zu beweisen. 
Inzwischen ist uns nun aber eine Petition der Zehnten- 
berechtigtenverbände im Zwickauer Reviere zugegangen, worin 
aus Grund intimer Kenntnis von fünf Werken des Zwickauer 
Revieres die seit 1898 verteilten Dividenden mitgeteilt werden. 
Abschrift dieser Aufstellung fügen wir als Anhang hier bei. 
Danach betrug beim Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktien- 
Verein (gegründet 1840) die gesamte Dividende in den Jahren 
1898 bis 1916 6 586 000 Mk. Dazu kommen noch 366 694,41 M. 
eigener Zehnten auf die Jahre 1913 bis 1916, so daß sich seit 
1898 ein Gesamtgewinn in Höhe von 6 962 694,41 Mk. ergibt. 
Das Aktienkapital betrug ursprünglich 720 000 Mk., wurde 1876 
um 2 400 000 Mk., und 1913 nochmals um 1 200 000 Mk. erhöht, 
so daß dieses z- Zt. 4 320 000 Mk. beträgt. Es sind also allein 
seit 1898 Gewinne in doppelter Höhe des Aktienkapitals erzielt 
worden. 
Beim Zwickauer Brückenberg-Steinkohlenbau-Verein (gegr. 
1865) betrug in der gleichen Zeit die gesamte Dividende 
4 660 000 Mk. bei einem seit 1890 unverändert gebliebenen 
Aktienkapital von 2 700 000 Mk. Es wurde also auch hier eine 
Dividende in faßt doppelter Höhe des Aktienkapitals verteilt. 
Bei der Zwickauer Bürgergewerkschaft (gegr. 1842) betrug 
die verteilte Dividende bei einem seit 1890 unverändert geblie 
benen, bar eingezahlten Aktienkapital von nur 160 000 Mk. und 
1 250 000 Mk. Wert des von den Aktionären eingebrachten Un 
terirdischen seit 1898 6 637 600 Mk. Somit wurde hier eine 
gesamte Dividende in mehr als dreifacher Höhe des Aktienkapi- 
tals verteilt.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.