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Die Weltwirtschaft.
überseeischen Getreideproduktion bedrückte Landwirtschaft. Deutschland ging zu einer
Schutzzollpolitik über, und dasselbe geschah in den übrigen Festlandsstaaten von
Europa. Gleichzeitig begannen die Vereinigten Staaten von Nordamerika die
Monroe-Doktrin, die in dem Schlagworte „Amerika den Amerikanern" gipfelt, vom
politischen auf das wirtschaftliche Gebiet zu übertragen, durch hohe Schutzzölle den nord
amerikanischen Markt gegen die ausländische Einfuhr abzuschließen und die Herstellung
enger Beziehungen zu den übrigen amerikanischen Staaten zu einem bleibenden Grund
satz ihrer Politik zu machen. England, das sich durch diese Abschließungsmaßregeln
der anderen Staaten in dem Absätze seiner Jndustrieerzeugnisse bedroht sah, wurde
hierdurch mehr als bisher auf seine kolonialen Märkte hingewiesen, und fast gleichzeitig
mit den zollpolitischen Schutzmaßnahmen der europäischen Staaten taucht in England
der Gedanke auf, das vereinigte Königreich mit seinen Kolonien zu einem großen, dem
Auslande gegenüber sich abschließenden Wirtschaftsgebiete zu machen; die Kolonien sollen
die bevorzugten Lieferanten für den Bedarf des Mutterlandes an Nahrungsmitteln und
Rohstoffen werden und einen geschützten Markt für den Absatz der englischen Jndustrie
erzeugnisse bilden. Daher ist die englische Politik in den letzten Jahrzehnten von dem
Bestreben getragen, den englischen Kolonialbesitz zu sichern und zu erweitern. Die Be
setzung von Cypern und Ägypten, die Ausbreitung des Kolonialbesitzes in Ostafrika und
am Niger, der Sudanfeldzug, die Einverleibung des inneren Südafrika bis an die
Grenzen des Kongostaates und die Gewaltpolitik, die gegen die beiden Bnrenrepubliken
eingeschlagen wurde, sind Glieder einer Kette von Maßnahmen, die alle auf dasselbe
Ziel hinauslaufen. Zn immer energischerem Ausgreifen wurde diese Politik angespornt
durch die wirtschaftlichen Fortschritte Deutschlands und die politischen Er
rungenschaften Rußlands in Asien. Unter dem Schutze der von Bismarck einge
leiteten Zollpolitik war die deutsche Industrie zu einer auf vielen Gebieten ebenbürtigen,
auf manchen sogar überlegenen Konkurrentin der englischen emporgewachsen, bedrohlich
schob sich der deutsche Handel an den englischen heran, neben ihm die zweite Stelle im
Weltverkehr einnehmend. Die Entstehung deutscher Kolonien in Afrika ließ England
fürchten, in diesem Weltteil politisch überholt zu werden, und gestützt auf seine zur Zeit
noch überlegene Seemacht, trachtete es, ihm bei Zeiten durch Einverleibung weiter
Landesstrecken in seinen Schutzbereich einen Riegel vorzuschieben. Dem Vordringen des
deutschen Handels auf seinem Kolonialmarkte suchte es durch das Warenbezeichnungs
gesetz entgegenzutreten, und die Weigerung, in einen neuen Handelsvertrag die Bestimmung
wieder aufzunehmen, daß die deutsche Ausfuhr in die englischen Kolonien dieselben Vor
teile wie die englische genießen soll, läßt das Hinstreben nach einem engeren wirtschaft
lichen Zusammenschluß mit den Kolonien klar als das Ziel der englischen Politik hervor
treten. Thatsächlich hat seither bereits Kanada der englischen Einfuhr günstigere Zölle
eingeräumt als jener aller übrigen Staaten, und auch in Australien ist bei dem jüngst
erfolgten Zusammenschluß der dortigen Kolonien zu einer Zollunion ein gleiches Vor
gehen wenigstens in Betracht gezogen worden. Wie durch Deutschland in seiner wirt
schaftlichen, sieht Großbritannien durch Rußland sich in seiner politischen Weltstellung
bedroht. Die bedenkliche Annäherung der Grenzen des russischen Besitzes in Zentralasien
an Indien, den Schlüssel der englischen Weltmacht, das russische Vordringen in Persien,
wo es bereits in das englische Einflnßgebiet am Persischen Meerbusen überzugreifen be
ginnt, die Ausbreitung seines Machtgebietes im nördlichen China und an den Küsten
des Stillen Ozeans sind für England um so bedeutungsvoller geworden, als Rußland
durch die Vervollkommnung seines europäischen Bahnnetzes und durch den Ausbau der
sibirischen und transkaspischen Bahnen die Schwäche beseitigt hat, die in der ungeheuren
Ausdehnung seines Reiches gelegen war.
Aber nicht nur gegen England richtet sich die aus dem Wachstum des russischen Welt
reiches entspringende Gefahr. Nach einer Periode gemäßigter Schutzzölle seit ungefähr
20 Jahren zu einem Prohibitivzollsystem zurückgekehrt, stellt Rußland heute schon ein ein
heitliches Wirtschaftsgebiet von ungeheuerer Ausdehnung dar, das seiner wachsenden