Die Bevölkerung nach Beruf und Erwerb. 903
entfällt. Man muß daselbst in Rechnung ziehen, daß die mithelfenden Familienglieder,
die gerade in der Landwirtschaft eine große Rolle spielen, hier zum Teil nicht erfaßt
wurden, und daß insbesondere in Dänemark zahlreiche Hilfsarbeiter der Landwirtschaft
als häusliche Dienstboten gezählt werden. Zu bemerken ist auch, daß in diesen Ländern
ein nicht unbeträchtlicher Teil der in der Urproduktion thätigen Bevölkerung auf die
Fischerei entfällt, in Norwegen 8—9°/ 0 . Immerhin aber ist die Zahl der in der Landwirtschaft
im engeren Sinne thätigen Personen um ein erhebliches größer als in Deutschland.
Von den übrigen europäischen Staaten weist nur noch Frankreich in der Landund
Forstwirtschaft eine größere Zahl von Erwerbsthätigen auf als in der Industrie.
Die Ursache davon liegt hier in der weiten Verbreitung des kleinen Grundbesitzes. Doch
beträgt die Gesamtzahl der landwirtschaftlich thätigen Personen in Frankreich schon
weniger als die Hälfte aller Erwerbsthätigen (40%). In Deutschland hält sich die
Landwirtschaft und die Industrie ungefähr die Wage. Auf jede dieser beiden Hauptbernfsgruppen
entfallen rund 37% der erwerbsthätigen Bevölkerung. Faßt man
jedoch Industrie, Handel und Verkehr zusammen, so übersteigen diese Berufsgruppen mit
einem Anteil von 49% aller Erwerbsthätigen um ein bedeutendes den Anteil, der auf
die Land- und Forstwirtschaft entfällt. Die Landwirtschaft hat somit in Deutschland
aufgehört, den Haupterwerbszweig der Bevölkerung zu bilden, und der sich vollziehende
Übergang vom Agrar- zum Jndustriestaate kommt in diesen Zahlen deutlich zum Ausdruck.
Ähnlich wie in Deutschland liegen die Verhältnisse in der Schweiz und in den
Niederlanden; in Belgien übertrifft die Industrie schon um ein bedeutendes den
Anteil der Landwirtschaft an der erwerbenden Bevölkerung. Den reinen Typus des
Industriestaates stellt Großbritannien dar. Hier entfallen nur noch 15% von
der Gesamtzahl der Erwerbsthätigen auf die Landwirtschaft, und bei einer Einwohnerzahl
von 40 Millionen, die somit erheblich hinter der des Deutschen Reiches (52 Millionen)
zurückbleibt, stellt es die Riesenzahl von mehr als nenn Millionen in der Industrie thätiger
Personen, nahezu um eine Million mehr als im Deutschen Reiche in den gleichen Berufen
thätig sind. Allerdings fällt auch hier wieder ins Gewicht, daß die in der Landwirtschaft
besonders zahlreichen mithelfenden Familienangehörigen nicht gezählt werden. Aus dem
gleichen Grunde erscheint auch die Zahl der im Handel thätigen Personen kleiner, als
sie wirklich ist, abgesehen davon, daß ein Teil des Handels (der Detailhandel und die
Gast- und Schankwirtschaft) von der englischen Berufsstatistik bei der Industrie gezählt
wurde; immerhin bilden jedoch diese Zahlen eine treffende Kennzeichnung der englischen
Volkswirtschaft und der britischen Wirtschaftspolitik, die darauf hinausgeht,
England gewissermaßen zur Zentralindustriewerkstätte der Welt zu machen.
Einen scharfen Gegensatz zu den übrigen Teilen des vereinigten Königreiches bildet
nur Irland, wo noch 40% der erwerbsthätigen Bevölkerung in der Landwirtschaft
gezählt werden.
Eine ganz eigentümliche Gliederung zeigt im Hinblick auf den Beruf die Bevölkerung
der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der agrarische Grundzug seiner Wirtschaft
kommt zum Ausdrucke in der Stärke seiner landwirtschaftlichen Bevölkerung, die
ungefähr gleichviel Köpfe zählt wie die der gleichen Berufsgruppe in Deutschland und
annähernd ebenso stark ist als Industrie und Handel zusammengenommen. Gleichzeitig
tritt aber das rasche Emporblühen der amerikanischen Industrie in der großen Zahl der
in dieser Berufsgruppe gezählten Personen zu Tage.
Über die soziale Schichtung der Bevölkerung, das ist über das Verhältnis
der selbständigen und der angestellten Arbeiter in den einzelnen Berufsgruppen liegen
nicht für alle der oben angeführten Länder vergleichbare Angaben vor. Soweit solche
vorhanden, sind sie in der Tabelle ans S. 904 zusammengefaßt. Unter den verschiedenen
Hauptberufsgruppen ist die Zahl der Selbständigen am größten in der Landwirtschaft.
Sie beträgt hier in Deutschland nahezu 31% der in dieser Berufsgruppe erwerbsthätigen
Personen. Nahezu dasselbe Verhältnis dürfte auch in den Niederlanden
und in Österreich obwalten, obwohl für das letztgenannte Land infolge von Ver-