Asien. Nord- und Südamerika.
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in Kanada werden die Neubauten großenteils nach Gesichtspunkten ins Leben gerufen, die
für die Allgemeinheit, zumal für Europa, sehr wenig Interesse haben: die Bahnen befinden
sich dort durchweg im Besitz von Privatgesellschaften, die sich untereinander oft scharf
befehden und durch neue Bahnnnternehmungen hier und da einen „Einbruch" in das
Interessengebiet irgendeines Konkurrenten anstreben. Kein Wunder, wenn unter solchen
Umständen die amerikanische „Verkehrspolitik" von der europäischen grundverschieden ist!
In anderen amerikanischen Staaten hingegen, z. B. in Mexiko, Argentinien, Brasilien usw.,
sind die reichlich entstehenden neuen Bahnen überwiegend von lokaler Bedeutung; sie
erschließen dem Wirtschaftsleben oftmals neue, z. T. wichtige Gebiete, aber sie haben selten
für die Abwicklung des Weltverkehrs merkliche Bedeutung.
Ans Nordamerika seien ihrer Eigenart wegen zwei neue Bahnstrecken besonders
hervorgehoben. Tie eine ist die sonderbare, mitten durch den großen Salzsee ver
laufende Bahn, die andre die Bahn über die Florida Keys, die neuerdings als Eisen
bahn durchs Meer des öfteren besprochen worden ist. Die erstgenannte hat der ältesten,
1869 entstandenen nordamerikanischen Pazisikbahn eine nicht unwichtige Abkürzung
geboten, die sich für den Schnellverkehr zwischen New Uork und San Franzisco bemerkbar
genug macht. Tie Pazifikbahn umging den großen Salzsee, der sich ihrer gradlinigen
Verlängerung entgegenstellte, früher im Norden. Nun aber faßte man den Entschluß, die
von New Pork kommende Bahn genau westwärts über den See hinwegzuleiten. Trotz der
sehr beträchtlichen Breite des gewaltigen Sees konnte man eine solche Idee ins Auge
fassen, weil das Gewässer fast durchweg nur sehr geringe Tiefen, meist nur 1—2 m, und
nur ganz vereinzelt 13 m als Maximaltiefe aufweist, und weil außerdem auf dem infolge
seines hohen Salzgehalts fischlosen See keine Schiffahrt stattfindet. Tie Bahn ist auf eine
Länge von 46 lein durch den See gebaut und Ende 1906 eröffnet worden. Tie Pazifik-
Route ist dadurch um 88 km abgekürzt worden. Tie Brücke über den See allein hat
16 Millionen Mark gekostet nnb 125000 cbm Holz erfordert. — Die Bahn über die
Florida Keys (Abb.851) hat hingegen die Aufgabe, den Verkehr der Vereinigten Staaten, vor
allem New Docks, mit Kuba und mit dem Luxusbad Key West in der Floridastraße zu be
schleunigen. Dies tvird dadurch ermöglicht, daß sich von der Südküste Floridas, 320 km
weit, eine langgestreckte Kette flacher Inseln, genannt die Florida Keys, quer durch die
halbe Floridastraße bis nach Key West, der letzten dieser Inseln, erstreckt und daß das Meer
zwischen diesen insgesamt 42 kleinen Inseln ganz außerordentlich seicht ist und überall nur
Tiefen von etwa 3—8 m aufweist, so daß vielfach Erdanschüttungcn möglich sind, die die
Herstellung eines Bahndammes ermöglichen, während an den übrigen Stellen überall
Brückenpfeiler fundamentiert werden konnten, die aus Beton gefertigt sind und Eisenrippen
enthalten. Nicht weniger als insgesamt 45 km der 210 km langen Bahn verlaufen auf
großartigen Viadukten in 10 m Höhe über dem Meeresspiegel. Der Bau hat 60 Millionen
Mark gekostet. Tie Strecke ist am 22. Januar 1912 dem Betrieb übergeben worden. Sie
ist auch von Bedeutung für den Verkehr der Vereinigten Staaten mit Kuba, da zwischen
Key West und Havana ein Trajekt-Schnellverkehr eingerichtet ist, der die gesamten Eisen
bahnzüge in 4 Stunden nach Kuba hinüberschafft.
In Südamerika ist außer den schon oben (S. 959c) aufgezählten Strecken noch
keine neueBahn von allgemeinerem Interesse dem Verkehr eröffnet worden. Tie wichtige chile
nische Längsbahn, die in dem langgestreckten Chile parallel der Küste eine Verbindung
der hauptsächlichsten Städte untereinander schaffen will, wird noch lange auf ihre Fertig
stellung warten lassen. — Einer besonderen Erwähnung wert sind aber die außerordent
lichen Meereshöhen, in denen die südamerikanischen Bahnen des Andengebiets nicht
selten verlaufen. Den Ruhm, die höchste Eisenbahn der Welt zu sein, konnte seit 1873
volle vier Jahrzehnte lang die berühmte Oroyabahu in Peru für sich in Anspruch nehmen,
die vom Hafen Lima aus in das peruanische Hinterland läuft und bei durchaus nicht
großer Gesamtlänge in eine Höhe hinaufklimmt, die ziemlich genau der höchsten Erhebung
Europas, der Montblanchöhe, entspricht. Bei 4775 m betritt sie den sogenannten Passo
di Galera und steigt in diesem noch weiter an, um erst bei 4834 m (nach Hahn) ihren
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