Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

128  RUSSLAND.  —  Sociale,  Gewerbs-  und  HandelsverhâltuÍ9.se.

Im  J.  1859  hatte  die  Flotte  erst  wieder  227  Fahrzeuge,  wovon
186  Dampfer.  Es  befanden  sich  161  im  Baltischen,  6  imWeissen,  17
im  Kaspischen,  33  im  Schwarzen  und  10  im  grossen  Stillen  Meere.*)

Sociale,  (iewerbs-  und  Handelsverhältnisse.
Allgemeine  Bemerkungen.  Russland  befindet  sich  in  einer  der  gewaltigsten ­
  socialen  Uebergangsperioden.  Um  den  Ungeheuern  Fortschritt
richtig  zu  bemessen,  den  das  colossale  Reich  begonnen  hat,  muss  man
sich  zunächst  den  Zustand  vergegenwärtigen,  welcher  bis  nach  Beendigung ­
  des  Krimkrieges  bestand.  Von  dem  gesammten  urbaren  Lande
gehörten  etwa  der  Krone,  dem  Adel  oder  Stiftungen,  und  fast  die
ganze  Masse  des  Volkes  war  leibeigen  oder  mindestens  unfrei.  —
Ueber  die  betr.  Ergebnisse  der  letzten  Zählung  liegen  uns  zwei  nicht
ganz  übereinstimmende  Angaben  vor.  Nach  einer  Veröffentlichung  im
»Journ.  des  Ministeriums  des  Innern«  gehörten:
Männer  Frauen
437,326  436,828  zum  Erb-oder  Personaladel,
9,074  7,764  zur  Classe  der  Ehrenbürger,
223,514  208,320  zum  Kaufmannsstande,
281,501  315,027  zum  geistlichen  Stande  der  orthodoxen  Kirche,
3*043,987  3*104,758  waren  steuerfrei,
9*803,201  10*370,957  waren  eigentliche  Leibeigene.
Eine  Veröffentlichung  des  Geheimr.  Troinitzki  (Mitglieds  des  statist.
Centralcomité’s)  brachte  auf  Grundlage  der  nemlichen  letzten  Zählung
folg.  Resultate:  Zahl  der  Leibeigenen  23’069,631,  nemlich  H’244,913
männl.  u.  11  824,718  weibl.,  —  sonach  34,39  Proc.  der  Bevölkerung.
Dabei  waren  aber  die  blos  dem  Namen  nach  freien  s.  g.  Krön-  und  Apanagebauern ­
  nicht  eingerechnet.  Man  zählte  bei  der  vorigen  Aufnahme ­
  9*457,000  männl.  Krön-  und  2*234,800  männl.  Apanagebauern;
ferner  (damals)  132,300  Handelsleute  und  1*434,700  »Bürger.«  (Von
der  letzten  Aufnahme  fehlen  uns  die  dessfallsigen  Nachweise.)  —  Von

*)  Vor  dem  letzten  Kriege  war  die  Seemacht  in  die  des  Baltischen  und  jene
des  Schwarzen  Meeres  getheilt,  erste  von  3,  letzte  von  2  Divisionen,  zus  mit
45  Linienschiffen,  30  Fregatten,  20  Briggs  etc.  Die  Zahl  der  Seeleute  ward  zu
42,000  angegeben.  Die  Schiffe  waren  meistens  schlecht  (sogar  aus  weichem
Holze  erbaut)  ;  die  Bemannung  eben  so  übel,  unter  ihr  viele  Juden  die  beste
Mannschaft.  Als  vorzüglichster  Tbeil  galt  die  Flotte  des  Schwarzen  Meeres.
Diese  ward  bekanntlich  durch  die  Russen  selbst  im  Hafen  von  Sebastopol  zerstört. ­
  Die  Stärke  der  vernichteten  Flotte  ward  in  dem  Militärblatte  »Wojenny
Listok«  so  angegeben  :  18  Linienschiffe  mit  1628  Kanonen  (4  zu  110  bis  120  12
von  80  —  100  und  2  Reservelinienschiffe  von  80  Kan.)  ;  12  Fregatten  von  52  —
56  Kan.  ;  40  Segelschiffe  zweiten  (dritten)  Ranges  von  je  10  Kan.  ;  endlich  15
Kriegsdampfer,  von  denen  etwa  die  Hälfte  vom  Range  einer  Fregatte  und  mit
Bombenkanonen  bewaffnet.  Die  ganze  Pontusfiotte  trug  2800  K.  —  Nach  dem
Pariser  Friedensvertrage  von  1856  darf  keine  Kriegsflotte  auf  dem  Schwarzen
Meere  bestehen.  Zufolge  Uebereinkunft  zwischen  Russland  und  der  Pforte  hält
jeder  dieser  beiden  Staaten  blos  6  leichte  Kriegsschiffe  in  demselben,  während
England,  Frankreich  und  Oesterreich  je  2  solcher  Fahrzeuge  an  der  Donaumündung ­
  aufstellen  dürfen.  (Nach  obiger  Notiz  hat  Russland  das  vertragsnaässige
  Verhältniss  bereits  weit  überschritten,  eventuell  mit  dem  Vorwände,
die  Fahrzeuge  im  Azow*schen,  nicht  im  Schwarzen  Meere  zu  halten.)
            
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