Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Adolf  Bleichert  &  Co.,  Leipzig.

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in  der  Fabrik  in  Leipzig  etwa  750  Arbeiter  Beschäftigung.  Bei  den  Montagen  außerhalb
des  Werkes,  von  denen  sich  durchschnittlich  etwa  100  zu  jederzeit  im  Bau  befinden,  sind
mehr  als  170  Monteure  der  Firma  und  30  Vermessungsingenieure  beschäftigt,  die  mit
einem  an  Ort  und  Stelle  angeworbenen  Arbeiterstamm  arbeiten,  der  in  seiner  Höhe  auf
durchschnittlich  5000—6000  Mann  geschätzt  werden  kann.
Die  Leitung  des  Geschäftes  ist  immer  bestrebt  gewesen,  ein  nahes  persönliches  Verhältnis ­
  unter  allen,  die  an  dem  Gelingen  des  Unternehmens  beteiligt  sind,  herzustellen  und
ihnen  das  Gefühl  enger  Zugehörigkeit  zum  Ganzen  zu  geben.  Ein  erfreuliches  Zeichen  für
den  Erfolg  dieses  Strebens  ist  die  große  Anzahl  von  Jubiläen,  die  Angestellte  und  Arbeiter
im  Hause  Bleichert  feiern  konnten,  denn  die  bei  der  Gründung  und  in  den  ersten  Jahren
des  Unternehmens  tätigen  Beamten  und  Arbeiter  sind  mit  wenigen  Ausnahmen,  soweit  sie
nicht  der  Tod  abgerufen  hat  oder  sie  nicht  im  wohlverdienten  Ruhestand  leben,  heute  noch  bei
der  Firma  beschäftigt.  Mehr  als  25  Ingenieure  und  höhere  kaufmännische  Beamte  konnten
den  Ehrentag  der  25  jährigen  Zugehörigkeit  zur  Firma  begehen,  an  ihrer  Spitze  die  beiden
Direktoren  der  Drahtseilbahnabteilung  des  Werkes.  Dazu  kommen  etwa  150  Arbeiter  und
Monteure,  die  ein  Menschenalter  lang  ihr  Geschick  mit  dem  Hause  Bleichert  verbunden  haben.
Die  Ausdehnung,  die  die  Fabrik  heute  hat,  wird  auch  dadurch  gekennzeichnet,  daß  an
allen  wichtigeren  Plätzen  des  In-  und  Auslandes,  in  Europa,  wie  jenseits  der  See  eigene
Firmen  oder  Ingenieurbureaus  und  Vertretungen  bestehen,  die  die  engste  Fühlung  des
Stammhauses  mit  der  Industrie  aller  Länder  herstellen.
HILDEGARD-BLEICHERT-KASSE.  Schon  Adolf  Bleichert  hatte  Wert  darauf  gelegt, ­
  Gesundheit  und  Alter  seiner  Angestellten  und  Arbeiter  sicherzustellen,  und  zu  dem
Zwecke  eine  Fabrikunterstützungskasse  gegründet  und  mit  Kapital  versehen,  die  von
seinen  Söhnen  nach  seinem  Tode  erweitert  wurde  und  unter  dem  neuen  Namen  Hildegard-Bleichert-
  Kasse  fortgeführt  wird.  Diese  Kasse  ist  ein  Verein,  den  die  Firma  mit  einem
Teil  ihrer  Beamten,  Monteure  und  Arbeiter  gebildet  hat,  der  den  Zweck  hat,  den  Mitgliedern  im
Falle  der  Invalidität  eine  lebenslängliche  Pension,  im  Falle  unverschuldeter  Notlage  und  bei
besonderen  Anlässen,  wie  bei  Ableistung  militärischer  Übungen  und  Arbeitslosigkeit  Unterstützungen ­
  zu  zahlen.  Für  den  Fall  des  Todes  eines  Mitgliedes  wird  der  Witwe  aus  der  Kasse
eine  Pension  und  für  die  hinterlassenen  Kinder  eine  Erziehungsbeihilfe  gewährt.  Außerdem  bewilligt ­
  die  Kasse  Konfirmandenunterstützungen  und  bei  Sterbefällen  Begräbnisunterstützungen.
Das  ursprüngliche  Stiftungskapital  der  Firma  beträgt  90  000  M.,  während  in  der  Zeit
von  1901—1910  von  der  Firma  153  529  M.  der  Kasse  überwiesen  wurden.  Die  Zahlungen
der  Mitglieder  betragen  im  gleichen  Zeitraum  61  612  M.  Das  Kapital  der  Kasse  belief  sich
Ende  1910  auf  342  000  M.  Die  Mitgliedschaft  des  Kassenvereins  steht  allen  in  der  Fabrik
von  Adolf  Bleichert  &  Co.  beschäftigten  Personen,  deren  Lohn  oder  Gehalt  bis  zu  150  M.
monatlich  beträgt,  offen,  sofern  sie  keiner  sozialdemokratischen  Gewerkschaft  angehören;
anderen  in  der  Fabrik  beschäftigten  Personen  ist  die  Mitgliedschaft  nur  mit  besonderer
Genehmigung  der  Firmenchefs  und  des  Kassenvorstandes  gestattet.  Die  Beiträge  der  Mitglieder ­
  betragen  1  %  des  Lohnes  oder  Gehaltes,  sofern  der  Tagesverdienst  4  M.  nicht  übersteigt, ­
  während  die  Fabrik  das  Dreifache  der  laufenden  Beiträge  der  Mitglieder  leistet.
Die  Leistungen  der  Hildegard-Bleichert-Kasse  betrugen  im  Zeiträume  von  1901  1910
17  948  M.  an  14  Pensionäre  ausgezahlte  Pensionen,  6035  M.  Sterbegelder,  Krankenbeihilfen
und  Konfirmandenunterstützung  und  17  231  M.  Unterstützungen  aus  besonderen  Anlässen.
Der  Kassenverein  zählt  zurzeit  etwa  600  Mitglieder.
Die  Wohltaten  dieser  Pensions-  und  Unterstützungskasse  kommen  in  der  Hauptsache ­
  der  Arbeiterschaft  zugute,  die  zwei  Drittel  der  Mitgliederzahl  stellt,  dann  aber  den
Angestellten  und  Beamten  in  den  unteren  Gehaltsstufen.
ADOLF-BLEICHERT-KASSE.  Zur  Sicherstellung  der  Beamten  in  gehobenen  Stellungen ­
  schuf  die  Firma  zum  Andenken  an  den  verstorbenen  Gründer  am  29.  Juli  1902
die  Adolf-Bleichert-Kasse  in  Form  eines  Kassenvereins,  den  sie  mit  ihren  Beamten  er-*4

            
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