Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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P.  Bruckmann  &  Söhne,
Silberwarenfabrik,  Heilbronn.
Gegründet  1805.
Aus  Anlaß  der  100  jährigen  Geburtstagsfeier  des  Gründers  der  Silberwarenfabrik  ,,Peter
Bruckmann“  wurden  im  Jahre  1878  für  die  Angestellten  und  Arbeiter  der  Fabrik  eine
Pensionskasse  und  eine  Krankenkasse  ins  Leben  gerufen.
PENSIONSKASSE.  Dieselbe  gewährt  ihren  Mitgliedern  bei  eintretender  Arbeitsunfähigkeit ­
  nach  25jähriger  Mitgliedschaft  Jahresrenten  von  570—1136  M.  Tritt  die  Arbeitsunfähigkeit ­
  früher  ein,  reduzieren  sich  die  Rentensätze  um  25—50  %.  Zurzeit  besitzt  die
Pensionskasse  36  Pensionäre,  an  die  im  Jahre  1912  insgesamt  27372,28  M.  ausbezahlt
wurden.  Es  kam  auf  einen  Pensionär  eine  durchschnittliche  Jahresrente  von  760,35  M.
An  Stiftungen,  Schenkungen  und  Verzinsungen  derselben  ließ  die  Firma  der  Pensionskasse ­
  bis  zum  heutigen  Tag  188  441,93  M.  zukommen  und  bezahlt  außerdem  durch  die
stets  freiwillige  Beteiligung  an  den  von  den  Versicherten  zu  leistenden  Beiträgen  12  000  M.
pro  Jahr.  Die  Pensionskasse  verfügt  heute  über  einen  Reservefonds  von  nahezu  500  000  M.
und  hat  eine  Mitgliederzahl  von  672.
KRANKENKASSE.  Die  Kasse,  die  6  Jahre  nach  ihrer  Gründung  den  reichsgesetzlichen ­
  Bestimmungen  angepaßt  wurde,  besitzt  einen  Reservefonds  von  52  616,17  M.  Sie
gewährt  Mitgliedern  von  Beginn  der  Krankheit  ab  Krankenunterstützung  in  der  Höhe
von  60  %  des  festgesetzten  durchschnittlichen  Tagelohnes,  nebst  freier  ärztlicher  Behandlung ­
  und  Übernahme  der  Kosten  für  Arzneien,  Brillen  und  Bruchbänder.  Wöchnerinnen
erhalten  auf  die  Dauer  von  6  Wochen  nach  ihrer  Niederkunft  eine  Unterstützung  in  der
Höhe  des  Krankengeldes.  Außerdem  übernimmt  die  Krankenkasse  die  Kosten  der  Arzneien ­
  und  ärztlichen  Behandlung  erkrankter  Familienangehöriger.  Für  den  Todesfall
eines  Mitgliedes  zahlt  die  Kasse  den  30  fachen  Betrag  des  festgesetzten  durchschnittlichen
Tagelohnes  aus.  Der  Krankenkasse  gehören  729  Mitglieder  an.
WITWEN-  UND  WAISENKASSE.  Im  Jahre  1891  wurde  mit  einem  Stiftungsfonds
von  25  000  M.  seitens  der  Betriebsinhaber  eine  dritte  Wohlfahrtseinrichtung,  die  Witwenund
  Waisenkasse,  geschaffen.  Die  Firma  leistet  hierzu  einen  jährlichen  Beitrag  von  ca.
3000  M.,  wodurch  der  Reservefonds  der  Witwen-  und  Waisenkasse  heute  auf  129  552,13  M.
anwachsen  konnte.  Der  Zweck  der  Kasse  ist,  den  Witwen  und  Waisen  bei  niederer  Beitragszahlung ­
  der  Ehemänner  eine  angemessene  Unterstützung  zu  bieten.  Die  Kasse  brachte
im  Jahre  1912  an  45  Witwen  6072,94  M.  zur  Auszahlung.
WIRTSCHAFTLICHE  VORTEILE.  Die  Firma  besitzt  große  helle  Räumlichkeiten
für  auswärts  wohnende  Arbeiter  und  Arbeiterinnen,  die  denselben  über  die  Mittagszeit  zur
Verfügung  stehen.  Sodawasser  und  Limonade  werden  im  Betriebe  hergestellt  und  an
die  Arbeiterschaft  zum  Selbstkostenpreis  abgegeben.  Kohlen  und  Koks  werden
in  großen  Mengen  eingekauft  und  zum  Selbstkostenpreis  den  Arbeitern  zugeführt. ­
  Auch  frische  Fische  werden  für  die  Arbeiter  in  großen  Quantitäten  bezogen.
Die  Fabrik  besitzt  eine  Badeeinrichtung,  die  der  Arbeiterschaft  zur  Benutzung  freisteht.
URLAUB.  Die  Firma  bezahlt  ihren  Arbeitern  sämtliche  bürgerlichen  Feiertage  und
gibt  ihnen  bei  einer  5jährigen  Arbeitszeit  einen  dreitägigen  und  bei  einer  iojährigen
  Arbeitszeit  einen  sechstägigen  Urlaub  unter  Fortzahlung  des  Lohnes.
WOHNUNGSGENOSSENSCHAFT.  Um  der  Arbeiterschaft  auch  billige  und  gesunde
Wohnungen  zu  verschaffen,  wurde  auf  Veranlassung  und  namhafter  Beteiligung  der  Firma
im  Jahre  1897  eine  Wohnungsgenossenschaft  gegründet.  Den  Arbeitern  wurde  es  freigestellt, ­
  sich  Anteilscheine  von  200  M.  zu  erwerben,  wodurch  ihnen  neben  gesunden  und
billigen  Wohnungen  auch  Gelegenheit  zur  zinstragenden  Anlegung  ihrer  Ersparnisse  gegeben ­
  werden  soll.  Die  Wohnungsgenossenschaft  besitzt  10  Häuser  mit  39  Wohnungen
im  Werte  von  260  000  M.  und  gibt  Wohnungen  mit  2  Zimmern  zu  156  M.,  mit  3  Zimmern
zu  300—320  M.  und  mit  4  Zimmern  zu  340  M.  pro  Jahr  ab.
            
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