Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. 13 
Das freundliche Grün des Fabrikhofes und der Umgebung, die schönen stilechten Formen 
der Gebäude, der Schmuck der Wände und die geschmackvolle Ausstattung der Räume 
sollen die Freude an der Arbeit heben und den Sinn für das Schöne, auch im Interesse der 
eigenen Häuslichkeit, fördern. Die Fenster der Fabrikräume sind mit Blumen geschmückt, 
deren Pflege während der Arbeitszeit gestattet ist. Die Blumen werden den Arbeiterinnen 
zur Verfügung gestellt und die bestgepflegten von der Firma prämiiert.“ — 
Über spezielle Wohlfahrtspflege findet sich im Hinblick auf die in den Tabellen 
nachgewiesene ziffernmäßige Entwicklung der einzelnen Gruppen und unter Berücksich 
tigung der Beiträge zum speziellen Teile folgendes zu bemerken: 
PENSIONS-, FAMILIEN- UND UNTERSTÜTZUNGSKASSEN. Es ist besonders 
charakteristisch, daß gerade seit dem Inkrafttreten der staatlichen Arbeiterversicherung, 
also seit der gesetzmäßigen, nicht unerheblichen Belastung für Kranken-, Unfall- und 
Invaliditätsversicherung, eine andauernde Steigerung der freiwilligen Zuwendungen 
der Arbeitgeber (also ohne Berücksichtigung etwaiger Beitragsleistungen der Kassen 
mitglieder) für diese Einrichtungen erfolgt ist. Unsere quellenmäßig nachgewiesenen Ermitt 
lungen ergeben, daß diese Position von 8 274 115 M. im Jahre 1898 auf das Doppelte, 
nämlich auf 17 026 579 M. im Jahre 1905, und auf das Sechsfache im Jahre 1912, 
nämlich auf 49 348 290 M. gestiegen ist. 
Die Gesamtziffer der im Zeitraum 1883—1912 für freiwillige Zuwendungen an vorhandene 
oder zu begründende Pensions- und Unterstützungskassen oder für die Ergänzung der 
Versicherungsleistungen durch die gesetzliche Versicherung, oder für die Übernahme der 
teilweisen oder gänzlichen Arbeiterbeiträge auf den Arbeitgeber weist in Gruppe 1 den 
erheblichen Betrag von 395 797 897 M. auf! 
Es ist für die Beurteilung der Zuwendungen zu Pensions- und Unterstützungs 
kassen auch darauf hinzuweisen, daß die Gruppe 3, „Arbeiterwohlfahrtszwecke, nicht 
spezialisiert“, eine große Anzahl Beträge enthält, welche für solche Kassen bestimmt sind. 
Die Bildung unserer Gruppe 3 ist ja nur deshalb entstanden, weil in den Quellen vielfach 
nur die Gesamtsumme der in Jahresfrist auf gewendeten Wohlfahrtsbeiträge auf geführt ist. 
Da diese nicht spezialisierten Wohlfahrtsaufwendungen beispielsweise für das Jahr 1905 
auf 38 244 873 M. sich beliefen, und die Gesamtsumme für den Zeitraum 1883 1912 auf 
261 099 967 M. fixiert werden konnte, so kann man schließen, daß von dieser Summe ein 
sehr erheblicher Betrag auf die kassenartig eingerichteten Wohlfahrtseinrichtungen, 
sowie auf die in Gruppe 2 fallenden Altersprämien, Gratifikationen usw. entfällt. 
Um nur einige Beispiele aus dem speziellen Teile dieses Werkes herauszugreifen: 
Die Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer & Co. in Leverkusen hatten 1911 
für gesetzliche Versicherungen ihrer Werksangehörigen 238053 M. auszugeben, ihre 
freiwilligen Aufwendungen, wovon der Hauptteil auf ihre Wohlfahrtskassen entfiel, 
betrugen dagegen 1 948 558 M., also einen mehr als achtmal so hohen Betrag wie die 
gesetzlichen Aufwendungen. Die Continental - Gasgesellschaft zu Dessau ge 
währt alljährlich gegen 125 000 M. Zuschuß für Alters- und Invalidenfürsorge ihrer Arbeiter. 
Von 1874—1912 hatte sie für diesen Zweck 1 360 000 M. aufgewendet, außerdem an Zu 
schüssen zur Beamten-Pensionskasse von 1896—1912 450 000 M. — Der Pensionsfonds 
als Zuschußkasse bei der Firma Gold- und Silberscheidefabrik vorm. Roeßler in 
Frankfurt a. M., zu der die Arbeiter keine Beiträge leisten, hatte Ende 1912 eine Höhe 
von 750000 M. erreicht. — Bei Villeroy & Boch in Mettlach betrug das Vermögen 
der Unterstützungskassen am 1. Januar 1910: 1316 490 M. und das der Beamtenpensions 
kasse am 1. Januar 1913: 1 509223 M. — Die Aufwendungen der Chemischen Fabrik 
vorm. Schering, Berlin-Charlottenburg für ihre Pensionskasse betrugen bis Ende 
1912: 940000 M., die zur Wohlfahrtskasse 240000 M. — Das Vermögen der Beamten- 
Pensionskasse der deutschen Waffen- und Munitionsfabriken, Berlin und Karlsruhe 
(Beitrag der Angestellten 4% % des Gehalts, der Firma 6)4 % sämtlicher Gehälter) ist auf
	        
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