Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.
Staudt  &  Co.,  Berlin  W  9  (durch  ihren  mit  500  000  M.  errichteten  „Wilhelm  -  Staudt  -
Pensions-  und  Unterstützungsfonds“  “),dieMechanischeBaumwoll-Spinn  -  und  Weberei
Kempten,  usw.  usw.
Die  Firma  C.  Woermann  -  Hamburg  errichtete  mit  anderen  Hamburger  Firmen
zusammen  1903  die  „Versicherungskasse  Vereinigter  Reedereien  A.-G.  in  Hamburg“,  die
jetzt  ein  Vermögen  von  5000000  M.  besitzt.  —  Der  Seemannskasse  des  Norddeutschen
Lloyd,  Bremen  gehörten  am  31.  Dezember  1911  11446  Mitglieder  an.  Das  Vermögen
dieser  Kasse  betrug  an  demselben  Termin  8328991  M.,  der  Reservefonds  19785002  M.
Bisher  wurden  an  Mitglieder  8  114  900  M.  Zahlungen  geleistet.  —
In  das  Gebiet  der  Unterstützungen  fällt  auch  die  Beschaffung  von  Arbeitsgelegenheit
für  invalide  Arbeiter.  Die  Schultheiß’Brauerei,  Berlin  bietet  den  Arbeitern,  die  durch
Krankheit  oder  infolge  Unfalls  teilweise  erwerbsunfähig  geworden  sind,  in  der  von  ihr  eingerichteten ­
  Invalidenwerkstatt  Gelegenheit,  sich  durch  leichte  Arbeiten,  wie  Bürstenbinden, ­
  Flechtarbeiten  usw.  auch  weiterhin  eine  auskömmliche  Existenz  zu  sichern.
Bei  einigen  großen  Firmen  werden  den  Unterstützungskassen  die  vom  Verkauf  alkoholischer ­
  Getränke  in  den  Kantinen  erzielten  Überschüsse,  sowie  die  für  die  Bierlieferung
gezahlten  Pachtsummen  überwiesen;  wir  halten  diese  Maßnahmen  nicht  für  nachahmenswert..
LEBENSVERSICHERUNGEN  und  HEIRATSZUSCHÜSSE  gehören  auch  zu  den  Wohlfahrtseinrichtungen ­
  vorstehender  Kategorie.  In  der  Hilfeleistung  zur  Abschließung  von
Lebensversicherungen  für  Angestellte  und  Arbeiter  geht  z.  B.  die  Firma  Krupp  in  Essen
planmäßig  mit  sehr  gutem  Erfolg  vor.  Die  Neckarsulmer  Fahrzeugwerke,  A.-G.  in
Neckarsulm  nimmt  diejenigen  Arbeiter,  welche  eine  ununterbrochene  Arbeitszeit  von
10  Jahren  in  den  Werken  hinter  sich  haben,  auf  ihre  Kosten  in  Höhe  von  1000  M.  in  die
Lebensversicherung  auf  und  gewährt  bei  freiwilliger  Erhöhung  der  Police  Zuschüsse;
Gebr.  Sulzer,  Maschinenfabrik  in  Ludwigshafen  a.  Rh.,  vermitteln  seit  1897  für
ihre  Arbeiter  den  Abschluß  von  Lebensversicherungen  zu  besonders  günstigen  Bedingungen
auf  Grund  einer  Vereinbarung  der  Firma  mit  einer  großen  deutschen  Lebensversicherungsgesellschaft. ­
  Die  Gruschwitz  -  Textilwerke  A.-G.  in  Neusalz  a.  d.  Oder  kauft  alle
ihre  verheirateten  Beamten  und  Aufseher  in  die  Lebensversicherung  auf  ihre  Kosten  ein,,
und  zwar  mit  Beträgen  von  1000—10  000  M.  Sie  bemerkt  dazu:  „Ein  Zwang,  die  Wohlfahrtseinrichtungen ­
  zu  benützen,  besteht  nicht.“  —  Auch  die  Continental-Gasgesell-Schaft
  zu  Dessau,  sowie  die  Chemischen  Werke  Henkel  &  Co.  in  Düsseldorf
gewähren  Erleichterungen  beim  Abschluß  von  Lebensversicherungen  durch  von  ihnen
mit  großen  Lebensversicherungen  abgeschlossene  Spezialverträge.  —  Dr.  Theinhardts.
Nährmittel  G.  m.  b.  H.  in  Stuttgart-Cannstadt  bezahlt  für  Lebensversicherungen
ihren  männlichen  verheirateten  Angestellten  4 / 5  der  Prämie.  —  Die  Continental-Caoutchouc-
  und  Guttapercha  Comp.,  Hannover  versichert  alle  10  Jahre  lang
in  ihren  Diensten  stehenden  Beamten  und  Arbeiter  mit  1500  bis  zu  50000  M.  Die  Versicherungssumme ­
  ist  mit  dem  65.  Lebensjahre  zahlbar.  —  Die  Zigarettenfirma  Yenidze-Dresden
  bezahlt  für  alle  2  Jahre  bei  ihr  im  Dienst  stehenden  Beamten  eine  kostenund
  prämienfreie  Lebensversicherungspolice  in  Höhe  von  10000  M.  —  Heiratszuschüsse ­
  gewährt  die  Leinen-  und  Gebildweberei  F.  V.  Grünfeld  in  Landeshut:
i.  Schl,  an  alle  weiblichen  Angestellten,  welche  sich  verheiraten,  sofern  dieselben  mehr
als  5  Jahre  für  die  Firma  arbeiten,  und  zwar  für  jedes  weitere  Jahr  100  M.  als  Mitgift;
desgl.  die  Lithographische  Anstalt  C.  G.  Röder,  G.  m.  b.  H.,  Leipzig.  —
Auch  die  Erleichterung  in  der  Beschaffung  von  Hausrat  für  Angestellte  und
Arbeiter,  wie  sie  z.  B.  von  den  Farbenfabriken  vorm.  Bayer  &  Co.  in  Leverkusen
durchgeführt  ist,  gehört  in  dieses  Gebiet.  Diese  Firma  richtet  in  ihrem  Kaufhaus  „Musterwohnungen“ ­
  ein  und  vermittelt  den  Ankauf  solcher  Ausstattungen  zu  vertragsmäßig  billigen
Preisen.  Die  Möbel  werden  in  Abzahlungsraten  an  die  Firma  geleistet,  ohne  daß  dadurch
sich  der  Preis  für  dieselben  erhöht.  Zunächst  werden  die  Möbel  nur  mietweise  den  Erwerbern
            
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