Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Rudolph Hertzog, Berlin. 
Das Haus Rudolph Hertzog, das im Jahre 1839 begründet wurde und zurzeit ein 
Personal von 2000 kaufmännisch und gewerblich Angestellten beschäftigt, hat im Laufe 
der Zeit Wohlfahrtseinrichtungen mancherlei Art getroffen. In erster Linie sorgt die 
Firma selbst für die 
BEKLEIDUNG DER 700 HAUSDIENER, indem ihnen die Uniform, ebenso der 
Arbeitsanzug ohne Abzug vom Gehalt geliefert wird. Sämtlichen Angestellten der 
Firma wird eine 
WEIHNACHTSGRATIFIKATION überreicht, die je nach der Dienstzeit bis zu einer 
gewissen Höhe steigt. Zur Sommerszeit wird den Angestellten ein 
ERHOLUNGSURLAUB gewährt, während dessen die volle Gehaltszahlung auf 
recht erhalten wird. Zur stillen Geschäftszeit im Januar und Februar verlassen die jungen 
Leute zweimal in der Woche bereits um 6 Uhr das Geschäft, wodurch ihnen Gelegenheit 
geboten wird, an den edleren Genüssen des Lebens teilzunehmen. 
BIBLIOTHEK. Für geistige Nahrung und Unterhaltung sorgt eine reichhaltige 
Bibliothek, die mit allen Klassikern ausgestattet ist und ebenso die neuesten Erscheinungen 
auf literarischem Gebiete aufweist. 
LEHRLINGSSCHULE. Auch für die Fortbildung der jungen Leute ist Vorsorge ge 
troffen; in einer im Hause untergebrachten Lehrlingsschule wird Unterricht in den Handels 
wissenschaften durch einen hervorragenden Fachlehrer erteilt. 
VERPFLEGUNG. Für eine gute Verpflegung des gesamten Personals ist gesorgt, 
die diesem gestattet, in den Ruhepausen sich zu sehr mäßigen Preisen zu beköstigen. 
UNTERSTÜTZUNGSKASSE. Dieselbe ist aus einer Stiftung der Frau Elise Hertzog 
von 200 000 M. hervorgegangen und tritt oft in Wirkung, wo dringender Not abgeholfen 
werden kann. 
BETRIEBSKRANKENKASSE. Außer der staatlichen Invaliden- und Unfallversiche 
rung besteht eine 1750 Mitglieder zählende Betriebskrankenkasse. Der Reservefonds dieser 
Kasse beträgt 57 000 M. Im Vorjahre wurden für die Kassenmitglieder und deren Familien 
an Krankengeld, Arzt, Arznei, Krankenhausbehandlung usw. über 58 000 M. aufgewendet. 
Außerdem existieren sowohl Sterbe- und Unterstützungskassen des kaufmännischen als 
des gewerblichen Personals, die ansehnliche Fonds aufweisen. 
GESCHÄFTSARZT. Außer den Ärzten der Krankenkasse ist ein Geschäftsarzt von 
der Firma angestellt, der täglich seine Sprechstunden im Hause hat und dem zwei geprüfte 
Heilgehilfen zur Verfügung stehen. 
Ein großer Teil des Dienerpersonals ist in der Krieger-Sanitätskolonne vom roten 
Kreuz ausgebildet und dadurch in der Lage, bei Unfällen die erste Hilfe zu leisten. 
Die Firma hat für Feuersicherheit weitgehende Einrichtungen getroffen, einen Teil 
ihres Dienerpersonals durch die hiesige Feuerwehr ausbilden lassen, um bei Brandunglück 
in geeigneter Weise eintreten zu können.
	        
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