i6 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege.
überlassen. An Miete sind jährlich 6% des Anschaffungswertes zu zahlen. Die Miete ist
in Wochenbeträgen bei der Lohnzahlung zu entrichten. Bei einem Anschaffungswerte
von 500 M. beträgt also die Miete pro Jahr 30 M., welche in 50 Wochenraten zu 60 Pf.
eingezogen wird. Als Anzahlung auf den zukünftigen Kauf der Möbel hat der Mieter
wenigstens 10% des Kaufpreises zu zahlen. Die Anzahlung wird auf den Namen des Mieters
in der Arbeitersparkasse der Farbenfabriken angelegt und zu 5 % verzinst. Außerdem muß
der Mieter sich verpflichten, daß wöchentlich 1 % des Anschaffungswertes (also bei einem
Anschaffungswert von 500 M. 5 M.) von seinem Lohne einbehalten wird. Diese Beträge
werden ebenfalls der Sparkasse gegen 5% Verzinsung überwiesen. Der Mieter muß sich
ferner bereit erklären, die in die Sparkasse eingezahlten Hausratgelder so lange stehen zu
lassen, bis sie die Höhe des Anschaffungswertes abzüglich der bis dahin geleisteten Miete
zinsen erreicht haben. Sobald dieser Betrag erreicht ist, gehen die Möbel usw. in das Eigen
tum des Erwerbers über.
Die Gruppe 2 ist hinsichtlich ihrer ziffernmäßigen Angaben auch danach zu be
werten, daß sie viele summarische Beträge umfaßt, die nur nach ihrer Anfangsbenennung
in diese Gruppe hineingehören. Es sind also in dieser Gruppe auch Beträge für Unter
stützungskassen mit enthalten. Die hauptsächlichsten Beträge dieser Gruppe, die für den
dreißigjährigen Zeitraum auch eine erhebliche Summe, nämlich 105 267 550 M. aufweisen,
von welcher der höchste Betrag mit 10910633 M. auf das Jahr 1905, auf das Jahr 1912
dagegen 6 221 696 M. entfallen, entstammen den freiwilligen Zuwendungen für Alters-
und Dienstaltersprämien (z. B. bei Heinr. Franck Söhne, Ludwigsburg-Halle
a. S. schon nach einem Arbeitsjahre mit 5 Pf., steigend bis zu 40 Pf. pro Arbeitstag),
Lohnprämien, Familienzulagen, Kinderzulagen (z. B. bei der Firma J. M. Voith
in Heidenheim in neunstufiger Abgrenzung; bei der Cellulosefabrik Ludwig Trick,
G. m. b. H., Kehl i. Baden), Gratifikationen und Jubiläumsgeschenken, Feier
tagslöhnen, sowie für nicht statutarische Gewinnanteile bei Aktiengesell
schaften und für Gewinnbeteiligungsbeträge.
Die Verteilung von Weihnachtsgeschenken findet in besonders umsichtiger Weise
für alle Arbeiter und deren Kinder bei der Papierfabrik Baienfurt A.-G. und bei den
Maschinenpapierfabriken W. Euler, Bensheim statt. — Ebenso in der München-
Dachauer A.-G. für Maschinenpapierfabrikation in München. — Bei der
Maschinenfabrik H. Füllner, Warmbrunn betragen die an die Arbeiter gezahlten
Weihnächtsprämien von 1896—1912: 203972 M., die an die Beamten ausgezahlten von
1892—1912: 415260 M. — Die Beamtengratifikationen bei der A.-G. Amme, Giesecke
& Konegen in Braunschweig beliefen sich von 1906—1912 auf 492420 M.; bei der
Continental-Caoutchouc- und Guttapercha Comp., Hannover belaufen sich
die Gratifikationen jährlich auf 200000 M.
Daß es sich hier oft um beträchtliche Ausgaben einzelner Arbeitgeber handelt, geht
auch daraus hervor, daß z. B. die Farbenwerke vorm. Bayer & Co. in Leverkusen
im Jahre 1911 für 1589 Dienstaltersprämien 105 328 M. und für Feiertagslöhne 33 720 M.
auszahlten. -— Die Zeißwerke in Jena zahlen nicht nur für die gesetzlichen, sondern
auch für die in Jena üblichen, in die Arbeitswoche fallenden Feiertage den Lohn. Diese
üblichen Feiertage belaufen sich auf 11—12 im Jahr. Die Ausgabe hierfür belief sich im
Jahre 1911 auf 110 000 M. — Der Verein für chemische Industrie, Mainz zahlt an
seine 1100 Arbeiter jährlich 70 000 M. als Weihnachtgeschenke aus. — H. Mundlos & Co.,
Nähmaschinenfabrik, Magdeburg beschenkt jeden Arbeiter nach 25jähriger Dienst
zeit mit einer goldenen Uhr und einem Sparkassenbuch über einen Betrag von 500 M. bis zu
xooo M. —
Für die Beurteilung der Gruppe 3 ist schon darauf hingewiesen worden, daß in ihr
im wesentlichen Zuwendungen aufgenommen worden sind, die die Fundierung und Er
gänzung von Pensions- und Unterstützungskassen betreffen. Die aufgefundenen Notizen