Full text: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

Ilse, Bergbau-Act.-Ges., Grube Ilse. 
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scheidet ein Verwaltungsausschuß, der bei 
Anträgen aus Arbeiterkreisen von 8 Ar 
beitern und einem Beamten als Vorsitzenden 
und bei Anträgen aus Beamtenkreisen von 
8 Beamten gebildet wird. Auf die Beschlüsse 
dieser Ausschüsse hat weder der Vorstand 
noch der Aufsichtsrat der Ilse, B.-A. eine 
Einwirkung. Dem Vorstande steht nur ein 
Einspruchsrecht zu, bei dessen Gebrauch als 
letzte Instanz ein Schiedsgericht entscheidet, 
dem nur nicht interessierte Personen ange 
hören. Die Pension ist gleich derjenigen für 
Staatsbeamte gleicher Stellung; sie beträgt 
nach 10jähriger Dienstzeit, bei deren Er 
mittlung auch die bei der Firma Kunheim ver 
brachten Dienstjahre mitgerechnet werden, 
20% des Einkommens, steigt für jedes weitere volle Dienstjahr um 2% und erreicht 
nach 30 Jahren den Höchstbetrag von 60%. Zurzeit werden Pensionen an 16 Beamte 
und 95 Arbeiter oder deren Hinterbliebene und Kinder gezahlt. Der Gesamtbetrag dieser 
Pensionen beläuft sich jährlich gegenwärtig auf 35 000 M. Zur Sicherstellung der An 
sprüche der Mitglieder hat sich die Ilse, B.-A. satzungsgemäß verpflichtet, aus ihren Jahres 
erträgnissen einen Pensionskassenfonds bis zur Höhe von 3 000 000 M. zu errichten und 
diesen in mündelsicheren Hypotheken oder Papieren anzulegen. Dieser Fonds beträgt 
gegenwärtig 2 419 000 M. 
In besonderen Fällen erhalten die Werksangehörigen aus einem besonderen Unter 
stützungsfonds auch noch Unterstützungen, die sich im Jahre 1912 auf 17 398 M. beliefen. 
Um den durch tötliche Unfälle zu Witwen gewordenen Frauen eine erträgliche Existenz 
zu sichern, ist ein Witwenheim zur kostenlosen Aufnahme der Witwen und ihrer Kinder 
errichtet worden. Neben der Hinterbliebenenrente wird ihnen im Bedarfsfälle Beschäftigung 
bei der Bureau- und Kasernenreinigung, sowie im landwirtschaftlichen Betriebe, vor allen 
Dingen bei der Forstanpflanzung gewährt, so daß auch für sie eine durchaus auskömmliche 
Lebenshaltung ermöglicht ist. 
5. ALLGEMEINE FÜRSORGE. Hierher gehört die Einrichtung einer Werkssparkasse, 
in welcher für die Einlagen vom Tage der Zahlung bis zur Entnahme eine Verzinsung 
von 5 % gewährt wird. In dieser seit dem Jahre 1890 bestehenden Kasse haben 530 Sparer 
gegenwärtig 1 532 383 M. Guthaben. 
Alljährlich empfangen die Beamten und Arbeiter eine Weihnachtsgratifikation, die 
bei den ersteren nach Leistung und Stellung verschieden ist, bei letzteren aber nach festen 
Grundsätzen erfolgt. Ein Arbeiter, der ein Jahr lang im Dienste des Unternehmens ge 
standen hat, erhält zu Weihnachten 5 M. bar; nach zweijähriger Dienstzeit steigt dieser 
Betrag auf 6 M. und erhöht sich alsdann von Jahr zu Jahr um weitere 3 M., so daß bei 
spielsweise ein Arbeiter nach 10 Jahren 30 M. und nach 20 Jahren 60 M. erhält. Nach 
25 jähriger Dienstzeit erhalten die Arbeiter außerdem noch ein Geldgeschenk von 300 M., 
sowie eine gute Jubiläumsuhr mit Kette. Entsprechende Geschenke erhalten auch die 
Beamten. Ferner findet zu Weihnachten eine Bescherung aller Kinder der Werksange 
hörigen statt; im letzten Jahre sind nahezu 5000 Kinder beschenkt worden. 
6. GESUNDHEITSFÜRSORGE. Grube Ilse hat seit dem Jahre 1895 einen Arzt und 
eine Apotheke, während auf Marga der zuständige Knappschaftsarzt an jedem Wochentage 
Sprechstunden hält. 
Seit dem 1. Januar 1912 erhält jeder Arbeiter, der länger als 10 Jahre im Dienste des 
Unternehmens steht, einen Erholungsurlaub von 6 Arbeitstagen, für dessen Dauer der 
Fig. 11. Bäckerei in Kolonie Marga.
	        
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