Full text : Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Allgemeines  und  Spezielles  über  Entwicklung  und  Stand  der  Wohlfahrtspflege.

der  Anstalt.  Im  Jahre  1910  betrugen  die  Beiträge  der  Mütter  7827  M.,  diejenigen  der
Fabrik  8280  M.,  so  daß  sich  die  gesamten  Unterhaltungskosten,  ausschließlich  Gebäudekosten, ­
  Erleuchtung  und  Heizung,  für  die  die  Fabrik  aufkommt,  auf  16  107  M.  beliefen.
Die  Gesamtzahl  der  Pflegetage  in  demselben  Jahre  betrug  42  797,  die  Kosten  pro  Kind
und  Tag  beliefen  sich  auf  37,61  Pf.
Da  im  speziellen  Teil  nur  eine  skizzenhafte  Andeutung  über  diese  Musterstätte  gebracht ­
  wird,  haben  wir  hier  etwas  ausführlicher  berichtet.  Es  empfiehlt  sich  für  Interessenten, ­
  die  gedruckten  Berichte  und  Bestimmungen  der  Kinderpflegeanstalt  der  Mechanischen ­
  Weberei  zu  Linden  einzusehen,  die  die  Fabrikleitung  gern  zur  Verfügung  stellt.
Eine  ähnliche  Musterstätte  wie  die  hier  beschriebene  ist  die  der  RheinischenGummiund
  Celluloid  -  Fabrik  in  Mannhei  m  -  Nec  karau,  die  auch  schon  seit  einer  Reihe
von  Jahren  besteht.  Eine  genaue  Beschreibung  der  letztgenannten  Fabrikkinderkrippe  von
dem  Fabrikleiter  Karl  Bensinger  befindet  sich  in  der  „Zeitschrift  für  Säuglingsschutz“,
Oktoberheft  1910.  Die  Neckarauer  Anstalt  hat  in  dem  Maße  das  allgemeine  Vertrauen  erworben, ­
  daß  die  Verwaltung  der  Stadt  Mannheim  1910  eine  städtische  Milchküche  in  dieser
Anstalt  einrichtete  und  letzterer  eine  größere  Anzahl  von  der  Armendirektion  zu  verpflegende ­
  Säuglinge  überwies.
Hervorragend  mustergültige  Einrichtungen  für  Säuglingsfürsorge  haben  auch  die
Farbenfabriken  vorm.  Friedr.  Bayer  &  Co.  in  Leverkusen.  In  ihrer  Fürsorge
befanden  sich  19  n  262  Kinder  mit  ihren  Müttern.  Fast  alle  Säuglinge  wurden  gestillt.
Im  Verlauf  der  ersten  Lebensmonate  mußten  von  diesen  13,4%  abgesetzt  werden,  die
übrigen  konnten  weiter  gestillt  werden.  Die  Säuglingswäsche  wurde  in  vielen  Fällen  von
der  Fürsorgestelle  ausgebessert  und  ergänzt.  An  Stillprämien  wurden  bezahlt  4204  M.,
Säuglingsmilch  wurden  3632  Portionen  geliefert.  Die  Unkosten  der  Firma  betrugen  für  diese
Anstalt  im  Jahre  1911  7361  M.
Hervorzuheben  sind  weiter  noch  das  Säuglings-  und  Mütterheim  der  Firma  W.  Spindler
in  Spindlersfeld  und  das  Säuglingsheim  und  Kinderheim  der  Baumwollspinnerei  am
Stadt  bach  in  Augsburg.  Letzteres  nimmt  zweihundert  Kinder  auf,  darunter  die  Säuglinge
bis  zu  einem  Jahr,  1  6  jährige  Kinder  im  Kinderhort  und  ferner  Schulkinder,  die  während
ihrer  freien  Zeit  Näh-  oder  Handfertigkeitsunterricht  erhalten.  —  In  der  Zigarettenfabrik ­
  A.  M.  Eckstein  &  Söhne  zu  Dresden,  die  über  2000  Arbeiter  beschäftigt,  erhält
jede  sich  Mutter  fühlende  Arbeiterin  vor  ihrer  Entbindung  eine  Babyausstattung  von
der  Firma  geschenkt,  die  aus  63  Teilen,  darunter  1  Kopfkissen,  6  Hemdchen  usw.  besteht.  —
Ein  eignes  Wöchnerinnenasyl,  das  gleichzeitig  12  Wöchnerinnen  aufnehmen  kann,
hat  die  Badische  Anilin-  und  Soda  -  Fabrik  in  Ludwigshafen  für  ihre  Arbeiterinnen
errichtet.  Der  Leiter  ist  ein  Frauenarzt,  dem  zwei  gelernte  Pflegeschwestern  zur  Seite
stehen.  Jährlich  werden  210  Frauen  aufgenommen.  Mit  der  Anstalt  ist  eine  Säuglingsfürsorgestelle ­
  verbunden.  Für  die  Lieferung  der  Milch  und  sonstiger  Ernährungsmittel
trägt  die  Firma  die  Hälfte  der  Kosten.  —  Kaisers  Kaffeegeschäft  G.  m.  b.  H.  zu
Viersen  versorgt  aus  den  Erträgnissen  einer  Stiftung  von  182  000  M.  die  vorherige
Belehrung,  die  Entbindung  und  die  Pflege  von  Mutter  und  Kind.  Die  Mutter  erhält
10  Tage  lang  kräftiges  Mittagessen  und  1—3  Monate  lang  täglich  1  —  2  Liter  Milch  auf
Kosten  der  Firma.
Die  meisten  der  Fabrik  -  Säuglingshei  me  und  -  Kinderhorte  werden  von  geprüften ­
  Pflegerinnen  bezw.  Kindergärtnerinnen  geleitet.
Die  Schultheiß’  Brauerei,  Berlin  hat  in  Berlin-Pankow  und  in  Dessau  eigene
Kinderheime  unter  ärztlicher  Aufsicht  und  unter  Führung  von  Diakonissen  errichtet.  Es
sind  Kleinkinderschulen,  Strickschulen,  Handfertigkeitsunterricht,  Spielplätze  damit  verbunden. ­
  Das  Pankower  Kinderheim  steht  während  der  Wintermonate  als  Arbeiter-Genesungsheim ­
  zur  Verfügung.  Die  Meierei  C.  Bolle,  Berlin  besitzt  in  Mitow  b.  Rathenow
ein  eigenes  Kinderheim,  in  welchem  alljährlich  130  Kinder  einen  sechswöchigen  Landauf-2*

            
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