222* Mech. Tricotweberei Mattes & Lutz A. G., Besigheim.
Seit ungefähr 20 Jahren besteht die Einrichtung, den Arbeitern und Arbeiterinnen, die
mindestens 7 Jahre ununterbrochen bei der Firma beschäftigt sind, alljährlich einen zehn
tägigen Erholungsurlaub zu gewähren. Dieser Urlaub wird in einem Luftkurort des Schwarz
waldes verbracht, wo den Teilnehmern in einem guten Gasthaus vorzügliche Verpflegung
geboten wird. Die sämtlichen Kosten einschließlich derjenigen für die Hin- und Rückfahrt
trägt die Firma, die überdies für die Urlaubszeit den vollen Lohn weiterbezahlt. In dem
Genuß der Ferien sind jetzt etwa 50 Personen, Männer, Frauen und Mädchen; die Ausgaben
für diese Ferien belaufen sich jährlich auf rund 3100 M.
Sodann hat die Firma auch schon seit 20 Jahren ein Konsumgeschäft eingerichtet und
gibt darin die gangbarsten Lebens- und Genußmittel, -die im Großen eingekauft werden, zu
Selbstkostenpreisen ab. Dies bedeutet besonders für die verheirateten Arbeiter eine ganz
erhebliche Ersparnis, die in manchen Fällen 40—50 M. jährlich beträgt. Die Verwaltungs
kosten dieses Konsumgeschäfts betragen im Jahr rund 1200 M. und werden von der Firma
allein getragen. Außerdem besorgt die Firma für ihre Arbeiter auch noch den Großeinkauf
von Kohlen, Briketts usw., ferner von Eiern und Kartoffeln, und auch diese Sachen werden
zu Einkaufspreisen ohne Aufschlag abgegeben.
In den Wintermonaten von November bis einschließlich März erhalten sämtliche Arbeiter
und Arbeiterinnen morgens vor Beginn der Arbeit unentgeltlich in reichlicher Menge Kaffee
mit Milch und Zucker, was besonders von den auswärts wohnenden Mädchen, die daheim
kein warmes Frühstück zu sich nehmen, als große Annehmlichkeit geschätzt wird. Diese
Einrichtung kostet jährlich rund 800 M.
Um wiederholt geäußerten Wünschen der Arbeiter zu entsprechen und um der Anti
alkoholbewegung zu folgen, läßt die Firma seit einem Jahr in eigenem Betrieb auch Brause
limonaden mit Fruchtsaft herstellen und gibt diese Getränke zu Selbstkostenpreisen ab.
Hauptsächlich in der warmen Jahreszeit sind die Limonaden stark begehrt und werden vor
allem von den Mädchen gern gekauft.
In den Fabrikräumen sind in geräumigen, hellen und heizbaren Zellen Wannenbäder
eingerichtet, die von den Arbeitern und Arbeiterinnen während der Arbeitszeit völlig kosten
frei benutzt werden dürfen.
Zur zinsbringenden Anlegung auch kleiner Beträge bietet eine Fabriksparkasse Gelegen
heit, die allerdings vorerst nur in geringem Maße benutzt wird.
Die gesamten Ausgaben für die Wohlfahrtseinrichtungen belaufen sich auf etwa 15 000 M.,
d. s. bei einem Reingewinn von 120 000 M., der dem Durchschnitt der letzten Jahre entspricht,
rund 12 Prozent des Jahreseinkommens der Gesellschaft.
Die Firma macht die Erfahrung, daß ihre Wohlfahrtseinrichtungen als solche aner
kannt werden und daß sie auch insofern gute Früchte tragen, als sie der Firma einen gut
geschulten, seßhaften Arbeiterstamm erhalten.