248* Seidenweberei Michels & Ci£., Berlin, Krefeld, Nowawes.
Fritz Gugenheim.
jüngsten Lehrling und Diener bis zum ältesten Angestellten des Hauses hat jeder einzelne
in diesen Versammlungen das Recht, seine Ansichten darzulegen und Vorschläge zu machen,
die alsdann zum Gegenstand einer gemeinsamen Aussprache zwischen Chef und Angestellten
gemacht werden. Es liegt auf der Hand, daß solche Zusammenkünfte nicht nur den Ge
sichtskreis des einzelnen erweitern, sondern auch dem Talent Gelegenheit geben, an maß
gebender Stelle erkannt und gewürdigt zu werden.
Als eine andere Einrichtung mit dem Ziele der geistigen Fortbildung und der sozialen
Versöhnung verdient die durch Herrn Gugenheim begründete
HAUSZEITUNG erwähnt zu werden. Diese monatlich einmal erscheinende Zeitschrift
bildet im wahren Sinne des Wortes ein enges Bindeglied zwischen Chef und Angestellten
aller Klassen. Eine nähere Kennzeichnung des Geistes, von dem diese Einrichtung getragen
ist, läßt sich nicht treffender als an Hand der Worte geben, die der Seniorchef des Hauses
selbst dieser Zeitung bei ihrem ersten Erscheinen zur Einführung und zum Geleit mit auf
den Weg gegeben hat und die wir deshalb als Schlußstein der vorliegenden Betrachtung
des Hauses Michels & Ci?. nachstehend originalgetreu einfügen möchten:
Do* populäre
Leipziger. E
Rote Eckhau*' CSerlln. 1
ke Morkgrofemlroie ML
MICHELS^
laus-Zeitung^®**
Erfchelnl monatlich einmal Die Zustellung an
da* Perfonal erfolg! koflenlo». - Jeder Angeflelllr
(Kaufmonn. Handwerker. Schneiderin, «de Diener)
Begründer und Herausgeber
Fritz Gugenheim
Königlich Preußischer Kommerzienrat
Inhaber der Firma: Seidenhaus Michels &.Cie.
doKhon eu odrefheren. |ede* Dlatl dar! nur ein-
leltig befchrleben. muh deutlich lesbar und mit
dem Namen de* Elnfendcr* verfchcn fein
Nr. 1.
Mittwoch, den 3. April 1912.
Jahrg. 1.
Zur Einführung.
D urch die bedeutende Ausdehnung des Gefchäftcs und dir dadurch bedingte erhebliche Ver
gröberung des Perlonais ift cs mu Ichon länglt nichl mehr möglich, in lo regelmäßiger
Verbindung mil meinen Angelteliten zu (ein. wie das früher der Fall war Die Diskuffionsabende.
die damals den Weg zur regelmäßigen Auslprache zwischen mir und dem Perfonal bildeten, konnten
infolge meines häufigeren Unwohlleins nur noch (eilen Itattfmden Die neuerdings von mu ein
geführten .Wochenberichte - und .Tageszeftel' Ichufen zwar federn im Haufe Tätigen von neuem
die Möglichkeit, mit mir. bezw der Gefchöftsleitung. in direkte Verbindung zu treten Aber bei den
mancherlei interellantcn Anregungen die diele Berichte zutogeförderten, (teilte Geh bald heraus,
daß doch eine allgemeine Auslprache notwendig sei
Ein Mittel hierzu glaube ich nun in der Begründung der .Michelslchen Hauszcitung' ge
funden zu haben Hier (ollen die neuen Anregungen zur Diskuffion gelteilt werden und jedem
(oll unbenommen (ein. (ich zu dielen Dingen zu äußern jeder Angeltelite, öb Kaufmann oder Diener,
ob Handwerker oder Lehrling, ob Verkäuferin oder Schneiderin, (oll hier zu Worte kommen können.
Das grundlegende Material für die gedachte Zeitung (oll durch die beftehende Einrichtung
der .Wochenberichte' und .Fragezettel' gefchaffen werden Durch fie flehe ich mit jedem Angc-
Öellten. vom Abteilungschef bis zum jüngften Lehrling, in perfönlichcr Berührung. Wer begründete
Anltände zu meiner Kenntnis bringen will, wer Anregungen oder Vorlchläge zu machen hat, dem
ilt hier die beite Gelegenheit dazu gegeben Diele Berichte dienen mir zugleich als Grundlage
für mein Urteil, das ich mir über die einzelnen Angcftcllten bilde. Ich entnehme daraus den Grad
der Liebe zum Beruf, der Intelligenz, der Fähigkeiten und auch des Charakters der Betreffenden,
alfo den Maßftab, nach welchem ich den Einzelnen bewerten und würdigen kann.
Diele Berichte finden jederzeit meine volle Aufmerksamkeit und Würdigung. Das Urteil,
zu welchem ich hierbei auf Grund Ihrer bisherigen Berichte gelangt bin, möchte ich kurz, wie folgt,
zufammenfalfen : Wohl habe ich in den letzten Monaten auf den verlchiedenften Seiten zunehmendes
Intereffc und intenfiveres Arbeiten beobochteh können, aber im allgemeinen bleibt doch noch viel
zu wünfehen übrig. Was ich vor allem rügen muß, Ift die unzulängliche Einficht, daß nur ein
freudiges und bereitwilliges Handinhandarbeiten Aller eine ordnungsmäßige und pünktliche Erledigung
der Gefdiäfte gcwährlciften kann. Diele Einficht muß das Gemeingut des gesamten Pcrfonals
werden, und namentlich - möge cs die Aufgabe der fchon lange Jahre im Haufe Tätigen fein, durch
gute Beifpiele, durch Belehrung und Anweilung auf das jüngere Perfonal in diefem Sinne anregend
und fördernd einzuwirken.
So möge denn die hiermit ins Leben tretende .Michels’fche Hauszcitung" bei jedem An-
geltelltcn die Freude an der Arbeit fördern und fowohl bei dem Chef, wie auch bei dem
Perfonal. allgemeine Befriedigung in der Arbeit auslöfen.