32 Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege.
den io Tagen ihres Bestehens von 9000 Personen besucht war. Im Sommer 1910 gab eine
Ausstellung von Gegenständen und Bildern aller Art aus Deutsch-Ostafrika erwünschte
Aufklärung über unsere kolonialen Verhältnisse. Sie war an 4 Tagen von rund 3500 Per
sonen besucht.
Es ist hier auch einer Duisburg-Stiftung zu gedenken, deren Zinsen als Preise von
150—40 M. herab an Arbeiter zur Ausschmückung ihrerWohnungen verteilt werden.
Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden, daß Satzungen, Kataloge,
Verzeichnisse sowie Aufsätze in der Fabrikzeitung den Zweck dieser Bildungsbestrebungen
entsprechend unterstützen.
Eine Anzahl von Erholungseinrichtungen erfüllen nebenbei auch Bildungs- und
künstlerische Zwecke. Zu diesen gehören: der Orchesterverein mit Trommler- und Pfeifer
chor, der gegen 40 ausübende Mitglieder zählt, die Jugendkapelle, das Streichorchester
(30 ausübende Mitglieder), das eigene Konzerte gibt, die stark besucht sind, die beiden
Männergesangvereine mit zusammen 109 aktiven und 140 passiven Mitgliedern, die Mädchen
gesangabteilung, die dramatische Vereinigung (23 männliche, 12 weibliche Mitglieder),
die jährlich mit 7—8 selbständigen Aufführungen volle Theatersäle erzielt, der Stenographen
verein mit 34 ordentlichen, 6 jugendlichen und 2 korrespondierenden Mitgliedern usw.
Die jährlichen Aufwendungen der Firma für die beschriebenen Bildungszwecke be
tragen etwa 45 000 M., wovon die Hälfte auf Bibliothek und Lesehalle entfallen.
Ein besonderer Arbeiterbildungsausschuß, der auch die im eigenen Erholungs
haus eingerichteten Veranstaltungen leitet, befindet sich auch bei den Gebr. Stollwerk,
A.-G., Köln. — Als mustergiltig bekannt ist der Kruppsche Bildungsverein.
Seitens großer Firmen sind öfter besondere Gebäude für Aufnahme der Unterrichts
und Bildungslokalitäten errichtet. So haben z. B. die Portland - Zement - Wer ke, A.-G.
in Heidelberg und Mannheim, mit einem Aufwande von 120000 M., zu dem auch
der Direktor Kommerzienrat Schott persönlich beigesteuert hat, eine Halle erbaut, welche
2000 Personen faßt und neben dem großen Festsaal eine Kleinkinderschule, Lesezimmer,
Spiel- und Billardzimmer, Kegelbahn usw. enthält.
Es ist hier Gelegenheit auch darauf hinzuweisen, daß das imposante Vorlesungs
gebäude in Hamburg, die Grundlage für die voraussichtlich kommende Universität, eine
Stiftung von Edmund J. A. Siemens, dem Inhaber der Reedereifirma G. J. H. Siemens &
Co., Hamburg, ist.
Besonders hervorgehoben zu werden verdient die mustergültige Freie öffentliche
Bibliothek Dresden - Plauen, die von den Inhabern der Bienertschen Hof mühlen
werke in Dresden begründet ist und unterhalten wird.
Die Papierfabrik Schöller in Düren hat neben den positiven Einrichtungen für
Bildungszwecke auch Interesse für indirekte Förderung derselben, dies zeigt sich durch
eine vom Kommerzienrat Rudolf Schöller errichtete Stiftung von 50 000 M., die in erster
Linie der Bekämpfung der Schundliteratur gewidmet sein soll.
Die Erteilung von Rechtsauskunft fällt auch in Gruppe 15. In der Schultheiß’
Brauerei-Berlin erteilen in den juristischen Sprechstunden die 3 Syndici der Ge
sellschaft den Angestellten und Arbeitnehmern unentgeltlich juristische Auskunft und sind
ihnen bei Abfassung von Schriftstücken, Testamenten u. dgl. behilflich. Unentgeltliche
Rechtsauskunftsstellen für die Werksangehörigen befinden sich auch bei der Firma J. W.
Zanders, Feinpapierfabrik, Bergisch-Gladbach, und bei der Württembergischen
Metallwarenfabrik, Geislingen.
Auch die Bestrebungen zur Reform und zur Förderung der Geselligkeit sind bei
der Besprechung von Gruppe 15 zu erwähnen. Die Deutsche Bank bietet ihren zahlreichen
Beamten Gelegenheit in splendid ausgestatteten Klubräumen die Geselligkeit zu pflegen,
das Kaufhaus N. Israel, Berlin stellt gleichfalls für solche Zwecke ihren Angestellten
schöne Klubzimmer zur Verfügung.